Krise auf Mallorca: "Suchen vernünftigen Preis, mallorquinisch – nicht deutsch"

In der Nähe des „Parc de Son Serra“ in Palma (rund 15 Kilometer entfernt von der berühmten Playa) haben sich rund 20 Holzhütten und Zelte zu einer Siedlung gebildet, berichtet die "Mallorca-Zeitung". 

Mallorca: Obdachlose und die vergebliche Wohnungssuche 

Dort leben Menschen wie der 62-jährige Schreiner Javi, der seit zwölf Jahren in einer selbstgebauten Baracke wohnt. „Nach Zimmern schaue ich gar nicht mehr. Ich kann mir von dem Geld sowieso nichts leisten“, sagt er. 

Ähnlich ergeht es rumänischen Familien, die ebenfalls in provisorischen Hütten bei Palma leben. Auch in den rumänischen Siedlungen schaue die Polizei immer wieder vorbei. „Sie drohen mit einem Abriss“, sagt Lorenzo, der seit knapp zehn Jahren in einer Baracke haust, der „MZ“. „Wir würden die Hütten einfach wieder aufbauen. Es ist ja nicht so, als gäbe es für uns eine bessere Alternative.“ 

„Suchen einen vernünftigen Preis, mallorquinisch – nicht deutsch“

Das „Mallorca-Magazin“ beschreibt die dramatische Lage auf dem Wohnungsmarkt: Einheimische könnten sich kaum noch Wohnungen leisten, da die Preise in den letzten Jahren explodiert sind. „Wir suchen einen vernünftigen Preis, mallorquinisch – nicht deutsch. Früher gab es kleine Wohnungen für 130.000 Euro. Heute kosten sie mindestens 350.000 – in nur fünf Jahren“, sagt Carlos Pascual aus Palma. 

Die mallorquinische Zeitung „Ultima Hora“ dokumentiert zahlreiche Fälle von verzweifelten Wohnungssuchenden, die mit handgeschriebenen Zetteln auf der Straße um Hilfe bitten. 

„Der Markt ist nicht mehr tragbar“

Das „Mallorca-Magazin“ berichtet weiter, dass viele Einheimische keine andere Wahl sehen würden, als die Insel zu verlassen. Immobilienmaklerin Natalia Bueno erklärt: „Es gibt nur drei Optionen: ein Zimmer mieten, sich auf die Warteliste für Sozialwohnungen setzen oder die Insel verlassen.“ Sogar in Online-Netzwerken seien Hilferufe alltäglich geworden. 

Ein hispano-deutsches Paar habe beschrieben, wie ihnen nach acht Jahren die Wohnung gekündigt wurde – offiziell für Eigenbedarf. Andreas F. habe den Mietmarkt auf Mallorca „eine illegale Farce“ genannt. Ein anderer Deutscher, selbst Immobilienmakler, sagte der Zeitung: „Der Markt ist nicht mehr tragbar.“ 

Proteste gegen Massenterrorismus und dessen Auswirkungen

Im Sommer fanden in mehreren spanischen Urlaubsorten Demonstrationen gegen Massenterrorismus und dessen Auswirkungen statt. 

Unter anderem auf Mallorca protestierten die Menschen, die sich über ausufernde Mietpreise oder überlastete Infrastruktur beklagen. In Palma de Mallorca kamen rund 8000 Menschen zu einer Kundgebung. „Der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum ist eines der größten sozialen Probleme Spaniens und führt zur Verarmung von immer mehr Familien. Die Gründe sind neben dem Fehlen von Sozialwohnungen vor allem auch die Explosion touristischer Apartments“, erklärte Fernando Fuentes, Leiter für Sozialangelegenheiten bei der spanischen Bischofskonferenz, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). 

Laut einem Bericht der Organisation für bezahlbaren Wohnraum "Provivienda" sind in Spanien derzeit 5,5 Millionen Haushalte von den Folgen der Wohnungsnot betroffen.