Verein Wohnen mit Handicap: Geplatzte Träume in Schaftlach

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Selbstbestimmt Wohnen: Die Eltern Claus und Brigitte Huttner mit Sohn Max gehören zu den Gründern des Vereins Wohnen mit Handicap. © THOMAS PLETTENBERG

Die Erfüllung ihres Traums war zum Greifen nah: Der von Familie Huttner ins Leben gerufene Verein „Wohnen mit Handicap in Miesbach“ schien im Rahmen des Gemeindeprojekts in Schaftlachs Mitte das ersehnte Zuhause gefunden zu haben. Doch aus dem Einzug wird nichts – und die Enttäuschung ist groß.

Waakirchen – Am Anfang herrschte Euphorie. „Die Gemeinde Waakirchen ist auf uns zugekommen“, berichtet Claus Huttner. Vor etwa einem Jahr war das, der Miesbacher hatte im Jahr zuvor den Verein „Wohnen mit Handicap in Miesbach“ gegründet (wir berichteten) und ist dessen Vorsitzender. Seit Langem versuchen er und seine Frau Brigitte ein Wohnprojekt für junge Erwachsene mit körperlichen Einschränkungen zu realisieren. Und die Gemeinde Waakirchen plant auf dem ehemaligen Pizzeria-Grundstück in Schaftlach auch ein Wohnprojekt, das unter anderem auch ein Haus für Menschen mit Behinderung vorsieht.

Parkinson mit 25 Jahren

Auf ein solches Angebot hatten die Huttners lange gewartet. Sie wollen einen Ort schaffen, an dem auch ihr Sohn Max (38) ein eigenes Zuhause finden kann. Max Huttner war erst 25, als bei ihm eine Ähnlichkeitsform von Parkinson diagnostiziert wurde. Eine Gehirn-OP hat Linderung gebracht, aber die körperlichen Einschränkungen sind so groß, dass er ständige Unterstützung braucht. Die bekommt er von den Eltern, bei denen er wohnt. „Aber was ist, wenn wir nicht mehr da sind?“, sagt der Vater. Auf keinen Fall soll Max in ein Pflegeheim ziehen müssen. „Überhaupt in keine Einrichtung“, erklärt Claus Huttner. Eine Wohngemeinschaft soll es sein, in der Menschen mit Handicap selbstbestimmt leben können.

Seine Idee stellte Huttner bei einem Treffen Luitpold Grabmeyer vor, Vorstand des Kommunalunternehmens (KU) Wohnbaugesellschaft Waakirchen. Das KU errichtet auf dem Grundstück am Michael-Schreiber-Weg insgesamt vier Gebäude, die neue Schaftlacher Mitte. Vorgesehen sind ein Gasthaus, günstige Wohnungen und auch ein Wohngruppenhaus mit zehn Appartements für Menschen mit Behinderungen. Das KU stellt die Neubauten hin, betreibt das Wohngruppenhaus aber nicht selbst, sondern sucht dafür einen Träger.

Verein sollte Generalmieter sein

„Es war ein sehr positives Gespräch“, erinnert sich Huttner. Man schien sich einig. Der Verein skizzierte seine Wünsche und vertraute auf die Planer. Bei einem Info-Abend der Gemeinde für die Bürger zur Schaftlacher Ortsmitte-Planung im Februar war auch der Miesbacher Verein dabei. „Unser Verein sollte der Generalmieter sein“, berichtet Huttner. Die Info-Veranstaltung sei ein toller Abend gewesen, schwärmt er. Die Gemeinde Waakirchen sei sehr offen für integrative Projekte und fördere sie auch.

Als Generalmieter das Finanzielle zu regeln, traut Huttner seinem Verein zu, auch wenn er nur sieben Mitglieder hat. Von den zehn Einheiten wären sechs oder sieben bereits vergeben gewesen, berichtet er. Die verbliebenen Appartements zu vermieten, wäre nach seiner Einschätzung kein Problem gewesen. Zumal es Interessierte gab wie die in Point bei Schaftlach ansässige Familie Solleder. Für den 18-jährigen Sohn, der seit einem Unfall unter den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas leidet, sehen sich die Solleders nach betreuten Wohngruppen in der Umgebung um.

Unterschiedliche Vorstellungen

Geplatzt ist der Wohntraum des Vereins am 19. April. „Da wurden uns Pläne als unveränderlich präsentiert“, berichtet Huttner. Bis dahin sei der Verein davon ausgegangen, dass die Entwürfe verändert werden können, damit sie genau den Vorstellungen der künftigen Bewohner entsprechen. Doch bei dem Treffen mit Quartiersmanagerin Monika Klöcker in Schaftlach sei klar geworden, dass die Raumaufteilung vorgegeben ist. 55 Quadratmeter pro Bewohner, wobei diese Fläche anteilig auch auf die Gemeinschaftsräume verteilt wird, was die Zimmergröße schrumpfen lässt. „Die Zimmer sind zu klein“, findet Sylvia Solleder. Überhaupt sei das Haus „wenig durchdacht“.

Verein ist wieder auf der Suche

Auch für Huttner passt es nicht. Nicht die Größe der Zimmer und auch nicht die starke Einbindung in ein Konzept. Inzwischen ist klar: Der Verein wird sich nicht in Schaftlach einmieten. „Die Betroffenen sind enttäuscht, weil sie sich nicht in die Planung einbringen konnten“, sagt er. Er wolle aber auch nichts Schlechtes über die Gemeinde Waakirchen sagen: „Vielleicht waren wir zu blauäugig.“ Der Verein sei nun wieder auf der Suche nach einem Haus.

KU hält an Grundidee fest

Auch das KU ist auf der Suche. Man halte an der Idee fest, ein Wohnprojekt für junge Erwachsene umzusetzen, berichtet KU-Chef Grabmeyer. Um die nötigen Fördermittel zu erhalten, müsse das KU aber den entsprechenden Richtlinien zu Räumen und Konzept folgen. Im Moment sei man in Verhandlungen: „Wir wollen etwas Positives schaffen.“

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