Bei einem Brandanschlag wird die junge Mutter Jennifer G. in Taufkirchen schwer verletzt. Nur knapp kann sie sich und ihren einjährigen Sohn aus der Wohnung retten. Der mutmaßliche Täter: ihr Ex-Freund und Vater des Kindes.
Taufkirchen – Ein lauter Knall reißt Jennifer G. an einem Dienstag Ende März um drei Uhr nachts aus dem Schlaf. Verwirrt rappelt sie sich auf und sieht im Flur ihrer Wohnung in Taufkirchen eine riesige Flamme. „Mein erster Gedanke war, ob ich den Backofen vergessen habe, auszumachen“, sagt die 30-Jährige. Gerade so kann sie sich und ihren einjährigen Sohn aus dem Hochhaus an der Waldstraße retten, erleidet dabei aber schwere Brandverletzungen. Und: Sie verliert all ihr Hab und Gut.
Ermittlungen gegen den Vater des Kindes wegen versuchten Mordes
Das Schockierende: Der Vater des gemeinsamen Kindes steht unter Verdacht, das Feuer gelegt zu haben, mutmaßlich, um seine Ex-Partnerin und seinen Sohn zu töten. Gegen ihn wird jetzt wegen versuchten Mordes ermittelt. Jennifer G. muss nun nicht nur dieses traumatische Erlebnis verarbeiten, sie steht auch vor einem großen finanziellen Problem. Mit einer Spendenaktion hofft sie jetzt, bald neu beginnen zu können.
Sie kann sich und ihren Sohns ins Freie retten
Es fällt Jennifer G. nicht leicht, über die Brandnacht am 26. März zu sprechen. „Ich habe erst nach ein paar Sekunden realisiert, dass ich nicht träume: Es brennt in meiner Wohnung.“ Sie packt ihren einjährigen Sohn in eine Decke und will aus dem Fenster fliehen. Aber die Wohnung im Erdgeschoss liegt im Hochparterre. Mittlerweile haben sich die Flammen im Flur weiter nach links ins Wohnzimmer ausgebreitet. „Ich wollte nur noch raus und habe mich für die Haustür entschieden.“ Aber die Tür ist zum Schutz vor ihrem Ex-Partner dreifach verriegelt. Die Mutter drückt ihr Kind an ihre rechte Seite, sperrt die Schlösser auf und rennt aus der brennenden Haustür ins Freie. „Ich habe wie wild geschrien „Feuer, alle raus“ und überall geklingelt.“ Die Hausbewohner hören die Rufe und können rechtzeitig flüchten. Kurz darauf trifft die Feuerwehr ein.
„Danke Gott“: Sohn bleibt unverletzt
Erst als Jennifer G. mit ihrem Sohn im Rettungswagen sitzt, beruhigt sich ihr Puls wieder. Sieben Hausbewohner sind mit einer leichten Rauchgasvergiftung davongekommen. Die Mutter erlitt Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht und am linken Arm. Ihre Haare sind verbrannt. Dem Jungen ist nichts passiert. „Wir sind so froh, dass wir mit dem Leben davon gekommen sind und danken Gott dafür.“
Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Vater des Sohnes der mutmaßliche Brandstifter ist. Es liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor. „Wir ermitteln wegen versuchten Mordes in zwei Fällen, schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung“, sagt eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft. Der Vater des gemeinsamen Sohnes habe sich in die Türkei abgesetzt. Über eine internationale Fahndung sei er dort Anfang April festgenommen worden und befindet sich seitdem in Haft. Seine Auslieferung sei beantragt.
Meine news
Kleine Familie braucht Hilfe: Spendenaufruf
Jennifer G. und ihr kleiner Sohn brauchen dringend Hilfe. Um neue Kleidung, Möbel und Spielsachen zu kaufen, bitten sie um Spenden, online über die Webseite „GoFundMe“ . Die Familie freut sich auch über Sachspenden. Die Kontaktaufnahme ist über die Spendenplattform möglich.
Kampf um ein Kontaktverbot
Jennifer G. und ihr Anwalt wollen ein Kontaktverbot erreichen. „Er soll sich uns nicht mehr nähern“, sagt die 30-Jährige. Ihr Sohn sei seit dem Vorfall verhaltensauffällig. „Er quengelt viel und ist sehr anhänglich.“ Sie selbst sei noch immer traumatisiert. Kämpfe mit Panikattacken und Angstzuständen. „Wie kann ein Mensch, den man einmal in sein Leben gelassen hat, so etwas machen?“, fragt sie sich.
Jennifer G. hatte seit über einem Jahr keinen Kontakt mehr zu ihrem Ex-Partner. „Er hat die Vaterschaft anerkannt, wollte aber nichts mit unserem Kind und mir zu tun haben“, sagt sie. Vor der Schwangerschaft hat die 30-Jährige in der Tierklinik in Ismaning gearbeitet. Die ersten Monate ist die Tierpflegerin bei ihrer Mutter, dann bei ihrer Schwester untergekommen. Sechs Monate lebte sie in einem Schutzhaus für alleinerziehende Mütter. Ab Oktober wagte sie einen Neustart in Taufkirchen. „Wir hatten uns gerade gut eingelebt und fühlten uns sehr wohl in der Gemeinde“, sagt sie.
Ex-Partner wollte keinen Unterhalt zahlen
Zwei Tage vor dem Vorfall sei plötzlich der Vater ihres Kindes vor der Tür gestanden. Er hätte den Unterhalt für seinen Sohn nicht zahlen wollen. „Wir haben uns gestritten, weil er ihn mitnehmen wollte und nach seinem Pass gefragt hat“, sagt sie. „Er hat damit gedroht, mir das Sorgerecht wegzunehmen.“ Aber dass er in der Lage sein könnte, die Wohnung, in der sein eigenes Kindes lebt, anzuzünden, damit habe sie nicht gerechnet.
Spenden für Spielzeug, Möbel und Kleidung
Bis die Wohnung renoviert ist, kommt die kleine Familie bei Bekannten außerhalb von München unter. „Wir wollen aber wieder zurück“, sagt die Mutter. Ihre jetzige Bleibe liegt in einem Dorf, und die 30-Jährige hat keinen Führerschein. Bald wollen die Bekannten das Haus zudem verkaufen.
Aber noch kann es dauern. Der Brand hat toxische Gifte verursacht, weshalb Jennifer G. alles entsorgen muss. Sie hat keine Versicherung abgeschlossen. Kleidung, Spielzeug, Möbel und Hausrat muss sie selbst finanzieren. Daher startete sie einen Spendenaufruf im Internet über die Plattform „GoFundMe“. Bisher haben 98 Menschen 2610 Euro gespendet. Die 30-Jährige sagt: „Ich freue mich über jede kleine Spende und bedanke mich bei allen, die uns unterstützen.“
Auch interessant
Kommentare
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir erweitern den Kommentarbereich um viele neue Funktionen. Während des Umbaus ist der Kommentarbereich leider vorübergehend geschlossen. Aber keine Sorge: In Kürze geht es wieder los – mit mehr Komfort und spannenden Diskussionen. Sie können sich aber jetzt schon auf unserer Seite mit unserem Login-Service USER.ID kostenlos registrieren, um demnächst die neue Kommentarfunktion zu nutzen.
Bis dahin bitten wir um etwas Geduld.
Danke für Ihr Verständnis!