Merz-Ministerin schwanger, dann folgt heftige Debatte: „Mütter an den Herd“

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Eine Schwangerschaft im Amt löst in Deutschland auch 2025 noch eine Grundsatzdebatte aus. Ministerin Hubertz muss sich Kritik anhören.

Berlin – Bauministerin Verena Hubertz (SPD) teilte vergangene Woche mit, schwanger zu sein. „In großer Vorfreude: Wir bekommen ein Baby! Mein Partner und ich sind überglücklich [...]“, schrieb die SPD-Politikerin am vergangenen Freitag (22. August) auf der Plattform X. Die Reaktionen darauf waren nicht durchweg positiv – im Gegenteil. Das Thema entwickelte sich schnell zur grundsätzlichen Gesellschaftsdebatte. Die Kommentare hätten sie nachdenklich gemacht, schrieb die 37-Jährige später in einem Beitrag auf LinkedIn und teilte dort einige Auszüge.

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) im August 2025.
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) im August 2025. ©  IMAGO / Political-Moments

„Das arme Kind, es wird nichts von seiner Mutter mitbekommen“, so eine Meinung. Weitere Kommentare befanden: „Mütter sollen an den Herd“, oder „Noch ein Grund, nur AfD zu wählen“. Diese Stimmen würden etwas Entscheidendes übersehen, kommentierte Hubertz: „Millionen Frauen in Deutschland leben jeden Tag genau diesen Spagat. Sie tragen Verantwortung in ihren Familien und in ihrem Beruf und dies mit einer Stärke, die viel zu selten gesehen wird.“ Sie wolle vor allem zukünftigen Generationen zeigen, dass Frauen sich nicht immer zwischen Karriere oder Familie, Verantwortung oder Fürsorge entscheiden müssten.

Ministerin erhält Zuspruch: Auch Kanzler Merz gratuliert Hubertz zur Schwangerschaft

Für den Mut, so klar Stellung zu beziehen, erhielt die Ministerin Lob. „Ein starker Post, Frau Verena Hubertz“, so ein Nutzer. Eine weitere Userin schrieb: „Ich freue mich auf starke Bilder - mit Bauch und Baby im Bundestag!“ Zuspruch bekam sie auch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der ihr zur Schwangerschaft gratulierte. „Der Staat muss Familien unterstützen - davon bin ich überzeugt. Dazu gehört Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Ministerin zu verurteilen, ist infam“, so Merz. Eltern seien das Fundament der Gesellschaft.

Die Ministerin plant rund um den Geburtstermin eine mehrmonatige Babypause. Bis Dezember will die rheinland-pfälzische Politikerin regulär weiterarbeiten. Die Elternzeit übernimmt dann ihr Partner. Die Kritik, die Hubertz erfuhr, ist für männliche Minister in der Regel kein Thema: Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel wurde während seiner Amtszeit Vater und es regnete lediglich Glückwünsche.

Die Grüne Außenministerin Annalena Baerbock und Mutter zweier Kinder wurde hingegen immer wieder kritisiert, wie Stern berichtete. Ansonsten sind Fälle von männlichen Ministern, die in der Amtszeit Vater wurden, kaum dokumentiert. Der Grund: Es interessiert niemanden. Bei Frauen ist das anders. In den Kommentaren über Hubertz hieß es auch: „Schwangerschaften kann man planen, in so einer Position [...] sollte man das nicht machen.“

Männer besetzen alle Schlüsselministerien: Klöckner warnt vor „fatalem Signal“

Der Fall der Bauministerin zeigt: In Deutschland gibt es in puncto Gleichstellung auch in den Köpfen der Menschen noch viel zu tun. Kanzler Merz, der seiner Ministerin den Rücken stärkte, steht regelmäßig selbst wegen seines Umgangs mit Gleichstellung in der Kritik – zuletzt, weil auch in der neuen Bundesregierung Männer deutlich dominieren. Alle Schlüsselministerien Verteidigung, Finanzen, Innen und Außen sind mit Männern besetzt. Selbst im Koalitionsausschuss sitzt nur eine Frau. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sieht darin „ein fatales Zeichen, ein ganz schlechtes Signal“. Wenn Frauen fehlten, fehle auch die „Hälfte der Perspektiven.“

Auch im weltweiten Vergleich des Frauenanteils im nationalen Parlament schneidet Deutschland schlecht ab: Die Bundesrepublik lag 2025 mit 32 Prozent Frauen auf Rang 58, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Die Wirtschaft hat ebenfalls ein Problem: Frauen arbeiteten 2023 im Schnitt 24 Prozent weniger Stunden in bezahlten Jobs als Männer – das zeigen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie von Merz versprochen, ist nicht für alle Realität.

Der Chef des ifo-Instituts, Clemens Fuest forderte zuletzt, dass Menschen in Deutschland mehr arbeiten müssen. Dafür sei aber eine bessere Kinderbetreuung nötig, um den Trend zur Teilzeitarbeit zu stoppen, räumte auch der Experte ein. Eine Kommentatorin auf X sah Hubertz Schwangerschaft deshalb in anderer Hinsicht positiv: Je mehr Politiker selbst mit fehlenden Kita-Plätzen, hohen Gebühren, fehlender Nachmittags-, Hausaufgaben- und Ferienbetreuung für Grundschüler und zu wenig Hebammen und Kinderärzten zu tun hätten, „desto eher ändert sich hoffentlich was“, so die Kommentatorin.

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