Trump-Minister Kennedy dreht durch: Rücktrittswelle folgt – „Verschwörungstheorien und Pseudo-Wissenschaft“

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Nach der Entlassung von CDC-Chefin Susan Monarez wächst die Kritik an Trump und Kennedy – und die Sorge um die Gesundheitsbehörde.

Washington, DC – US-Präsident Donald Trump hatte Anfang August die Leiterin der US-Statistikbehörde BLS entlassen und ihr vorgeworfen, die Arbeitsmarktzahlen gefälscht zu haben – ohne Beweise vorzulegen. „Meiner Meinung nach geschieht so etwas in Diktaturen, nicht in Demokratien“, befand Art Hogan, Chef-Anlagestratege bei B. Riley Wealth gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Nun musste eine weitere unliebsame Mitarbeiterin gehen: US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy entließ die CDC-Chefin Susan Monarez, wie am Donnerstag (28. August) bekannt wurde.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat die Chefin der Gesundheitsbehörde CDC, Susan Monarez, nur wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt entlassen.
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat die Chefin der Gesundheitsbehörde CDC, Susan Monarez, nur wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt entlassen. © IMAGO/Bob Daemmrich / ZUMA Press Wire

Bei ihrem Amtsantritt am 31. Juli hatte Kennedy sie noch als „Expertin für öffentliche Gesundheit mit einwandfreien wissenschaftlichen Referenzen“ gelobt. Doch nur wenige Wochen später verlor sie ihren Posten. Laut ihren Anwälten, weil sie sich gegen Kennedys Anweisungen stellte. Sie weigerte sich etwa, wissenschaftlich unbelegte Maßnahmen umzusetzen und erfahrene Mitarbeiter zu entlassen, berichtete die BBC. Der Grund für ihre Entlassung sei gewesen, dass sie „nicht mit der Agenda des Präsidenten übereinstimmte“, hieß es indes in einer Erklärung des Weißen Hauses.

Applaus und Umarmungen in Atlanta: CDC-Mitarbeiter feiern ihre zurückgetretenen Chefs

Jim O’Neill, ein enger Vertrauter von Kennedy, übernimmt nun die Leitung. Aus Protest gegen diese Entscheidung traten weitere Führungskräfte zurück, darunter Debra Houry und Demetre Daskalakis. In ihren Rücktrittsschreiben nannten sie politische Eingriffe in wissenschaftliche Entscheidungen, Budgetkürzungen und die Zunahme von Falschinformationen als Gründe. Houry erklärte laut Reuters: „Die Übertreibung von Risiken und die Zunahme von Fehlinformationen haben in jüngster Zeit Menschenleben gekostet, wie die höchste Zahl von Masernfällen in den USA seit 30 Jahren [...] zeigen“.

Mehrere Hundert CDC-Mitarbeiter versammelten sich am Donnerstag vor dem Hauptsitz in Atlanta, um ihre ehemaligen Vorgesetzten Houry, Daskalakis und Daniel Jernigan zu unterstützen. Ein Livestream der Nachrichtenagentur AP zeigte Applaus, Umarmungen und Jubel für die drei früheren Spitzenbeamten. Jennifer Jones von der NGO Union of Concerned Scientists kritisierte im Gespräch mit dem Spiegel, Kennedy setzte auf „Verschwörungstheorien und Pseudo-Wissenschaft“. Der Impfgegner hatte immer wieder widerlegte Behauptungen verbreitet, etwa dass Impfungen Autismus verursachten oder Bill Gates die Pandemie geplant habe.

Folgen von Falschinformationen? Attentäter vor CDC-Hauptquartier

Bereits im Mai hatte Kennedy die Corona-Impfempfehlung für Schwangere und Kinder aufgehoben und im Juni das gesamte Impfgremium der CDC entlassen. Den Experten warf er „Interessenskonflikte“ vor. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der US-Gesundheitsminister zudem angekündigt, 10.000 Mitarbeiter in US-Gesundheitsbehörden entlassen zu wollen. Bei der CDC verloren laut Reuters daraufhin rund 2.400 Menschen ihren Job, von denen etwa 700 später wieder eingestellt wurden.

Im August sorgte zudem ein Anschlag für Verunsicherung, bei dem ein Attentäter vor dem CDC-Hauptquartier fast 500 Schüsse abgab, einen Polizisten tötete und Suizid beging. Der Täter war offenbar einer Verschwörungstheorie verfallen und glaubte, seine Depressionen seien durch die Corona-Impfung verursacht worden. Mitarbeitende warfen Kennedy daraufhin vor, durch Falschinformationen das Personal zu gefährden. Der Umbau in den USA ist jedoch noch nicht abgeschlossen: Trump hat nun den Präsidenten der US-Zentralbank, Jerome Powell, im Visier – und will ihn schnellstmöglich durch einen loyalen Anhänger ersetzen.

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