Skandal-Plattform in Italien fliegt auf – Intime Fotos von Meloni landen im Netz

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Ein Skandal um intime Bilder und Hass-Kommentare erschüttert Italien: Auch Premierministerin Meloni und Influencerin Ferragni sind betroffen.

Rom – In Italien ist eine Plattform aufgeflogen, auf der über Jahre hinweg Fotos von Frauen ohne deren Einwilligung gesammelt und veröffentlicht wurden. Die Bilder wurden zum Teil manipuliert, teils zu pornografischen Darstellungen bearbeitet und mit sexualisierten sowie gewaltverherrlichenden Kommentaren versehen. Zu den Betroffenen zählen unter anderem Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Oppositionsführerin Elly Schlein sowie Influencerin Chiara Ferragni. Offenbar besteht die Seite bereits seit 2005 – und wurde nur durch einen Zufall entdeckt.

Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni im August bei einem Termin im Weißen Haus in Washington, DC
Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni im August bei einem Termin im Weißen Haus in Washington, DC (Archivbild). ©  IMAGO / Capital Pictures

Die Lokalpolitikerin Valeria Campagna, Fraktionschefin der Sozialdemokraten im Kommunalparlament von Latina, googelte ihren Namen und stieß so zufällig auf die Seite. Entsprechende Bilder von Campagna fanden sich in der Kategorie „aufregende Politikerinnen“. Dort tauchten auch Aufnahmen von Meloni und Schlein auf. Diese Fotosammlung sei „Ausdruck einer Kultur der Vergewaltigung“ kommentierte die Lokalpolitikerin in den sozialen Medien. Es gehe den Nutzern um Kontrolle, Besitz und Macht, „es geht darum, dass sie glauben, über unsere Körper nach Belieben verfügen zu können“, betonte Campagna.

„Gewalt erzeugt Gewalt“: Politikerin fordert Handeln gegen geschlechtsspezifische Gewalt

Die Seite ist in Italien kein Einzelfall. Unlängst wurde die Facebook-Gruppe „Mia moglie“ (zu Deutsch: Meine Frau) bekannt, in der 30.000 Männer Bilder ihrer Frauen ohne deren Zustimmung posteten, wie das italienische Medium RaiNews berichtete. Dabei handelte es sich teils um intime Aufnahmen. Auch gegen die Betreiber dieser Gruppe leitete die Polizei bereits Ermittlungen ein. „Gewalt erzeugt Gewalt“, warnte indes die Lokalpolitikerin Campagna. „Der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt muss von Frauen und Männern gemeinsam geführt werden, denn Gewalt ist ein Männerproblem und wir sind ihre Opfer.“ In Italien werden immer wieder patriarchale Machtstrukturen deutlich.

Femizide sind der fatalste Ausdruck dieser tief verwurzelten gesellschaftlichen Strukturen und geschlechtsspezifischer Gewalt. Immer wieder kommt es zu solchen Tötungsdelikten an Frauen durch aktuelle oder ehemalige Partner. Um dem entgegenzuwirken, hat die italienische Regierung 2025 einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der den Begriff „Femizid“ erstmals rechtlich definiert. Künftig kann dieses Verbrechen mit lebenslanger Haft bestraft werden, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Das Phänomen ist so häufig, dass der Begriff „Femizid“ 2023 in Italien zum Wort des Jahres gewählt wurde.

Website abgeschaltet: Strafanzeigen dürften Wendepunkt gebracht haben

Doch eine weitere rechtliche Grauzone bleibt bestehen: In Italien ist die Aufnahme von Menschen nicht strafbar – genau wie in Deutschland. Diese Erfahrung machte auch die Deutsche Yanni Gentsch, die unlängst beim Joggen von einem Mann gefilmt wurde. Als sie den Vorfall bemerkt, spricht sie den Mann an. Eine Anzeige konnte sie jedoch nicht erstatten: Die aktuelle Rechtslage sieht für solche Fälle keine Strafbarkeit vor. Mit ihrer Petition „Voyeur-Aufnahmen strafbar machen“ fordert sie eine gesetzliche Anpassung. Über 120.000 Menschen unterstützen ihr Anliegen bereits.

Indes gab es auch gute Nachrichten: Die Website mit den Bildern von Meloni, Schein und Co. wurde inzwischen abgeschaltet – laut einer Medienmitteilung vom Mittwoch durch die anonymen Betreiber selbst. Sie behaupteten, von den veröffentlichten Fotos und obszönen Kommentaren nichts gewusst zu haben. Möglich ist auch, dass die zahlreichen Strafanzeigen, die innerhalb weniger Stunden bei der Polizei eingingen, den Ausschlag für die Abschaltung gaben. Auch die betroffene Lokalpolitikerin Valeria Campagna hatte selbst zu den Anzeigen aufgerufen – und am Ende Erfolg.

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