Ein Mädchen will sich trennen – und bezahlt mit dem Leben. Der Mord an Martina C. in Italien entlarvt das Gewaltproblem des Landes.
Afragola – Der gefährlichste Ort für Frauen ist das eigene Zuhause: Alle zehn Minuten wird Statistiken zufolge weltweit eine Frau oder ein Mädchen von ihrem früheren oder aktuellen Partner oder von Familienangehörigen getötet. In Italien gab ein junger Mann am Mittwoch (28. Mai) den Mord an seiner 14-jährigen Ex-Freundin zu. Sein Mordmotiv steht systematisch für Italiens Gewaltproblem.
Ex-Freund gesteht Mord in Italien: 14-Jährige mit Stein erschlagen
Die seit Montag vermisste 14-jährige Italienerin wurde in der Nacht auf Mittwoch tot in einem leerstehenden Gebäude in Afragola bei Neapel aufgefunden. Die Obduktion ergab, dass das Mädchen durch massive Gewalt gegen den Kopf starb. Tatverdächtig ist ihr 19-jähriger Ex-Freund, Alessio T. Der junge Italiener gestand den Mord gegenüber der Polizei wenige Stunden nach dem Leichenfund, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. „Ich habe versucht, sie zu umarmen, sie hat sich geweigert“, so der Italiener. Das Mädchen habe nicht zu ihm zurückkehren wollen und ihm den Rücken zugekehrt, berichtete Ansa. „Ich habe sie mit einem Stein erschlagen“, gab ihr Ex-Partner Berichten zufolge an.
Der Anwalt von Alessio T. sagte der Zeitung Corriere della Sera, sein Mandant habe die Tat eigenen Angaben zufolge in einem „Moment der Wut“ begangen. Martina war laut Ermittlungen am Montagnachmittag unterwegs, um sich mit Freundinnen zu treffen. Später sah sie dann ihren Ex-Freund. Überwachungskameras zeigten die beiden gemeinsam in der Nähe des späteren Tatorts. Die Leiche wurde in einer verlassenen Sportanlage hinter Möbeln und Schutt entdeckt. Martina C. hatte sich etwa zwei Wochen vor ihrer Ermordung von Alessio getrennt. Laut ihrer Mutter hatte es zuvor Hinweise auf Gewalt in der Beziehung gegeben.
Italien trauert um Martina: Gedenkmarsch in ihrem Heimatdorf
Die Tat mache fassungslos und sei eine „Barbarei von jemandem, der die Freiheit und Würde einer sehr jungen Frau nicht respektierte“, teilte Antonio Pannone, Bürgermeister des süditalienischen Ortes Afragola, mit. Am Mittwochabend kamen zahlreiche Menschen zu einer Gedenkveranstaltung in dem Ort zusammen, um Martina zu gedenken und ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen. Immer wieder kommt es in Italien zu Morden an Frauen nur aufgrund ihres Geschlechts. Das Phänomen ist so häufig, dass „Femizid“ im Jahr 2023 in Italien das Wort des Jahres wurde.
Nach Angaben des italienischen Innenministeriums gab es in dem Land im vergangenen Jahr über 60 Fälle, in denen Männer ihre Partnerin oder Ex-Partnerin töteten. Frauenmorde gelten als systemisches Problem in Italien, das tief in der patriarchalischen Kultur des Landes verwurzelt ist. Erst Anfang März hatte die italienische Regierung einen neuen Gesetzesentwurf verabschiedet, der erstmals eine gesetzliche Definition von Femizid in das Strafrecht des Landes einführt und das Verbrechen mit lebenslanger Haft bestraft, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete (bme).
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