„Christopher Street Day“: Schrille Regenbogen-Parade zieht durch Schongau

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

KommentareDrucken

„Noch etwas bunter geht immer“, dürften sich diese fünf Damen gesagt haben. © Manfred Ellenberger

„Queer über den Lech“ lautete am Samstag das Motto beim „Christopher Street Day“ (CSD) in der Lechstadt. Der Demo-Marsch und die anschließende Veranstaltung am Bürgermeister-Schaegger-Platz bildeten den Abschluss einer ganzen Veranstaltungsreihe in der vorangegangenen Pride Week.

Als es am Samstagnachmittag wie schon in den Jahren zuvor auf dem Marienplatz wieder einmal zunehmend farbenreicher wurde, stand zum vierten Mal der CSD-Demo-Marsch mit anschließender Party kurz bevor. Mit dem Hinweis „Lasst uns gemeinsam für Liebe, Vielfalt und Akzeptanz einstehen“, hatte das Schongau-er CSD-Organisationsteam zu der Veranstaltung eingeladen.

Nachdem Veranstaltungsleiter Herbert Haseitl vom Kreisjugendring Weilheim-Schongau sowie Soja-Nemo Heiserer und Sandra die nach Angaben der Polizei letztendlich knapp 300 Teilnehmer zum weiteren Ablauf und den Demonstrationsregeln informiert hatten, konnte es losgehen.

Der DemoZug führte die knapp 300 Teilnehmer vom Marienplatz bis zum gemeinsamen Zielpunkt am Bürgermeister-Schaegger-Platz.
Der Demo-Zug führte die knapp 300 Teilnehmer vom Marienplatz bis zum gemeinsamen Zielpunkt am Bürgermeister-Schaegger-Platz. © Manfred Ellenberger

Der Demo-Zug führte die ansehnlich lange Menschenschlange zunächst vom Marienplatz links am Rathaus vorbei und kurz danach entlang der Christophstraße bis zum Frauentor, wo es dann hinaus aus der Altstadt ging. Von dort ging es weiter bis zum Kreisverkehr und hernach entlang der Marktoberdorfer Straße und der Bahnhofstraße durch das Münztor über den Marienplatz unmittelbar zum Bürgermeister-Schaegger-Platz. Auf dem gab es neben Essen und Getränken auch mehrere Infostände. Acht Polizeibeamte hatten mit einigen Fahrzeugen entlang der Strecke dafür gesorgt, dass gegen 16 Uhr alle Teilnehmer sicher das gemeinsame Ziel erreichten und später ausgelassen feiern konnten. Zunächst standen dort aber noch ein paar Reden auf dem Programm.

Bürgermeister und CSD sind gleich alt

Den Anfang machte Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman. Er freue sich, dabei zu sein und „vor allem junge Gesichter zu sehen“. Mit Regenbogenfahnen stünden sie dafür, dass Schongau und die Gemeinden im Umland für Toleranz, Akzeptanz und auch für Liebe stehen. Auch über den Ursprung des CSD im Jahr 1969 – „zufälligerweise mein Geburtsjahr“ – konnte der Bürgermeister einiges erzählen. Seinerzeit wären „Menschen noch wegen ihrer sexuellen Orientierung niedergeprügelt worden“.  Technisch sei man damals so weit gewesen, zum Mond zu fliegen, aber die Toleranz gegenüber solchen Menschen sei „noch nicht besonders ausgeprägt“ gewesen.

Auch wenn Schongau und weitere Kommunen für Vielfalt stehen, gebe es Menschen, die dieser Vielfalt einfältig begegnen. Auf die treffe auch er ab und an. Sein Dank galt all denen, die erneut zum guten Gelingen dieses CSD beigetragen haben. Soja-Nemo Heiserer und Sandra zeigten sich überzeugt davon, der CSD habe sich „in Schongau etabliert“. Als das CSD-Team am Samstag zuvor am Marienplatz mit einem Info-Stand auf den CSD aufmerksam machte, hätte es „echt tolle Gespräche“ gegeben. So auch mit einer gut meinenden alten Dame. Sie habe „nichts dagegen, dass Menschen lieben, wen sie lieben“, habe die Senioren zu den jungen Damen gesagt: „Aber müsst ihr immer so schrill sein? Wenn ihr weniger auffällig wärt, hätten Konservative bestimmt weniger gegen euch.“ Heiserer sah das anders: Gerade hier in Bayern gebe es viele laute Volksfeste und Umzüge, bei denen genauso gefeiert und sich „herausgeputzt“ wird, sagte sie.

Auch der amtierende „Bavarian Mister Leather“ Stephan sorgte mit der „seligen Maikönigin Münchens“ und einer „Schwester der perpetuellen Indulgenz“ (v.l.) für bunte Unterhaltung.
Dabei: „Bavarian Mister Leather“, die „selige Maikönigin Münchens“ und eine „Schwester der perpetuellen Indulgenz". © Manfred Ellenberger

Werbung für CSD in Landsberg

Hernach war mit dem amtierenden „Bavarian Mister Leather“ (BMrL) Stephan gemeinsam mit der „seligen Maikönigin Münchens“ und einer „Schwester der perpetuellen Indulgenz“ für weitere Unterhaltung gesorgt. Der BMrL wird von den Schwulen der bayerischen Community immer für ein Jahr gewählt.

Letzter Redner war Lino Sliwinski. Der Landsberger warb für den am kommenden Samstag, 20. Juli, dort stattfindenden CSD. Er forderte alle auf, „ein Zeichen für alle queeren Menschen“ zu setzen. Hernach kam DJ Queerland aus Augsburg musikalisch zum Zug und sorgte bis zum Abend für reichlich Stimmung und gute Laune.

Auch interessant

Kommentare