Nach dem Ratsentscheid in Baierbrunn, bei der sich eine knappe Mehrheit für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft am Wirthsfeld ausgesprochen hat, ist es nicht so einfach, wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Baierbrunn - Gut, Bürgermeister Patrick Ott hatte mit einem klareren Votum gerechnet. 60 Prozent und mehr Stimmen für das Wirthsfeld hatte er sich erhofft, 57,1 Prozent der Baierbrunner haben letztlich dafür votiert, dass auf der Fläche zwischen B11 und Sport- und Bürgerzentrum drei der sogenannten Feel-Home-Häuser gebaut werden können.
Baierbrunn am Tag nach dem Ratsentscheid, der in dieser Form einzigartig gewesen ist im Landkreis, will vor allem eins: zur Tagesordnung übergehen. Sich den Dingen widmen, die jetzt anstehen. Die Bebauung des Wirthsfelds gut planen, dazu gehört auch, dass das Areal überhaupt erstmal erschlossen werden muss. Mit einer eigenen Stichstraße, die die Gemeinde ohnehin schon lange haben wollte, die sie sich letztlich aber nicht leisten konnte. Jetzt zahlt der Freistaat mit.
Mit allen das Gespräch suchen
Gleichzeitig gilt es natürlich auch, die 42,9 Prozent der Baierbrunner, die das Projekt am Sonntag abgelehnt haben, nicht auf der Strecke zu lassen. Ott meinte noch am Wahlabend, er werde auf jeden Fall mit den Betreffenden das Gespräch suchen. Und andererseits versuchen zu erreichen, dass die Laufzeit der Feel-Home-Häuser unter Umständen ein wenig verringert wird, die Gebäude also nicht gleich für 15 Jahre zur Verfügung gestellt werden müssen für Geflüchtete. „Was ich rausgehört habe, ist das ein Punkt, der die meisten Gegner stört.“
Wunsch danach, die Gräben wieder zu schließen
Derweil wünschen sich die Gemeinderäte der kleinen Kommune durch die Bank, dass man nun die Gräben, die das Thema in den letzten Monaten aufgerissen hat, wieder überbrücken kann. Sowohl in der CSU-Fraktion wie bei der SPD hatten sich Kommunalpolitiker der Bürgerinitiative „Gemeinsam“ angeschlossen, die mit allen Mitteln gegen das Bauvorhaben auf dem Wirthsfeld kämpfte. In ihren Videos, die auf zwei Kanälen hochgeladen wurden, war etwa die Rede davon, dass ein „sozialer Brennpunkt“ entstehe, wenn die drei Unterkünfte gebaut würden. Dass die Kinder in der Gemeinde dann nicht mehr sicher wären. Christine Kammermeier, SPD, war die einzige ihrer Dreier-Fraktion, die sich aus allem raushielt, sie meinte nach der Wahl: „Ich appelliere an alle, einen respektvollen Dialog zu schaffen.“
Helferkreis soll aufgebaut werden
Dabei hat „Gemeinsam“ den Wahlkampf genau so beschlossen, wie die Initiative ihn die ganze Zeit geführt hatte – aus der Deckung heraus nämlich. Außer Martina Fellermeier, CSU-Gemeinderätin, war niemand der Beteiligten bereit, mit der Presse zu sprechen. Fellermeier sagte am Sonntag: „In der Diskussion haben sich 600 Baierbrunner aus dem Fenster gelehnt, die Gemeinde hat 3000 Einwohner“, Tenor: Die, die laut sind, sind die Minderheit. Sie persönlich könne mit dem Ausgang des Ratsentscheids gut leben. Derweil will auch die Gruppierung „Miteinander in Baierbrunn“, die sich im Oktober gegründet hatte, um kursierende Falschinfos richtig zu stellen, weitermachen: „Wir konzentrieren uns nun auf den Aufbau eines Helferkreises.“
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Bürgermeister: „In einem Dorf sollte man persönlich miteinander reden“
Was Patrick Ott wiederum beruhigend findet, ist die Tatsache, dass im Ratsentscheid nur um die 100 Bürger mehr für ein „nein“ mobilisiert werden konnten, als vorher schon mal gegen das Wirthsfeld unterschrieben hatten. „Gemeinsam“ hatte ja erst ein Bürgerbegehren angestrebt, das aber dann nicht zulassungsfähig war. „Für mich heißt das“, meinte der Bürgermeister, „dass der ganze Aufwand, den ,Gemeinsam‘ da betrieben hat, nicht wirklich von Erfolg gekrönt war. In einem Dorf sollte man halt doch persönlich miteinander reden, statt sich hinter den digitalen Medien zu verstecken“.