Der Klimawandel verändert nicht nur Temperaturen und Meeresspiegel in Deutschland und weltweit, sondern er beeinflusst auch die Pfade von Stürmen. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie wirft ein neues Licht auf diese Dynamik: Im Nordpazifik verschieben sich die Wintersturmbahnen schneller als erwartet in Richtung Pol. Forscher haben das mit unterschiedlichen Messmethoden nachgewiesen.
Die Folgen? Mehr Wärme und Feuchtigkeit erreichen Alaska und die Arktis, während andere Regionen wie die Westküste der USA trockener werden könnten. Indirekt könnte die Veränderung im Pazifik auch unser Wetter in Europa durcheinanderbringen.
Pazifik-Stürme wandern nach Norden
Die großen Sturmbahnen im Nordpazifik transportieren normalerweise jede Menge Wärme und Feuchtigkeit von den wärmeren Meeren Richtung Pol. Durch den Klimawandel verschieben sich diese „Sturmstraßen“ seit den 1970er Jahren deutlich nach Norden – etwa 0,067 Grad Breite pro Jahr. Das ist mehr, als viele Computermodelle zunächst vorhersagten.
„Wir haben festgestellt, dass die Klimamodelle die jüngste Verlagerung der Sturmbahn nicht erfassen“, erklärte Hauptautor Rei Chemke, Klimaforscher am Weizmann Institute of Science in Israel, gegenüber „Gizmodo“.
Die Stürme bringen auch mehr Wärme direkt in die Arktis, was das Eis dort noch schneller schmelzen lässt. Gleichzeitig könnte das für Teile Nordamerikas bedeuten: Weniger Regen, höhere Temperaturen und daraus resultierende Wasserknappheit oder Waldbrände.
Einfluss der Sturmverschiebung auf Europa
Während die Nature-Studie sich auf den Pazifik konzentriert, deuten verwandte Forschungen darauf hin, dass die Verschiebung der Stürme indirekt auch Europa beeinflussen könnte.
Durch die verstärkte Arktiserwärmung könnten globale Atmosphärenmuster gestört werden, die sich auf den Nordatlantik und damit auf europäisches Wetter auswirken. Viele Forscher gehen davon aus, dass der Verlust von Arktiseis die sogenannte Nordatlantische Oszillation (NAO) beeinflusst. Diese steuert, ob wir in Europa eher milde oder kalte, stürmische Winter haben. Die NAO wird als signifikanter Faktor gesehen, der bis zu 50 Prozent oder mehr der Variabilität in Niederschlag, Temperaturen und Extremereignissen erklären kann.
Auch ältere Studien zeigen eine polwärtige Verschiebung der Sturmbahnen im Nordpazifik. Gleichzeitig wird für den Nordatlantik sehr konsistent eine ostwärtige Ausdehnung der Sturmbahnen prognostiziert, die sich bis nach Nordwest- und Mitteleuropa erstreckt.
Den Forschern nach könnte das zu einer Zunahme von außertropischen Zyklonen (den typischen Winterstürmen) und damit verbundenen Starkwind- und Niederschlagsereignissen in Nordwest-Europa führen. Bei konsequenter Klimaschutzpolitik ließe sich dieser Effekt deutlich abmildern, so die Forscher.
Effekt auf Europa noch nicht dramatisch
Die neue Studie ist ein Weckruf: Der Klimawandel verändert Sturmsysteme schneller als gedacht – und das hat Konsequenzen, die über Ozeane hinweg wirken. Für Europa ist der Effekt indirekt und nicht so dramatisch wie für Alaska oder Kalifornien. Aber extremere Winde oder ungewöhnliche Regenfälle schließen viele Experten nicht aus.