In Singapurs millionenschwerer Mega-Farm wächst der Salat bis zum Himmel

Gemüsesorten wie Mangold, Babyspinat und Rucola wachsen hier auf bis zu 23 Metern Höhe. Das Agrartechnologieunternehmen „Greenphyto“ hat kürzlich ein fünfstöckiges Gebäude in Singapur eröffnet, in dem bald 2000 Tonnen Gemüse pro Jahr produziert werden sollen. Bei der Halle soll es sich um die größte vertikale Farm der Welt handeln. 

Singapurs grüne Revolution: Vollautomatisierte Indoor-Farm 

Die Farm ist vollautomatisiert: Künstliche Intelligenz, Roboter und fortschrittliche Sensoren übernehmen das Säen, die Nährstoffzufuhr, die Klimakontrolle und sogar teilweise die Ernte. Die Verpackung erfolgt teilautomatisiert und erfordert weiterhin manuelle Arbeit. 

Der Betrieb beschäftigt statt traditioneller Landarbeiter vor allem Techniker, Softwareentwickler und Planungsexperten. Insgesamt arbeiten auf der zwei Hektar großen Anlage rund 70 Personen – das entspricht ungefähr einem Fünftel der Belegschaft, die bei herkömmlichen Anbaumethoden nötig wäre. „Wir sind nicht hier, um irgendwelche Landwirte zu ersetzen“, betont Gründerin Susan Chong jedoch gegenüber der örtlichen Wirtschaftszeitung „The Business Times“. Stattdessen sei das Ziel, „das Ökosystem aufzubauen“, um die lokale Versorgung zu stärken.

2000 Tonnen Gemüse aus eigenem Anbau

Die Anlage von Greenphyto produziert derzeit 200 Tonnen Gemüse pro Jahr, bei voller Auslastung sollen es bis zu 2000 Tonnen werden. Laut Greenphyto ist das etwa 45 Mal mehr Ertrag als herkömmliche Landwirtschaft auf gleicher Fläche einbringen könnte. 

In Singapur, wo nur rund ein Prozent der Landesfläche für die Landwirtschaft zur Verfügung steht, ist der traditionelle Gemüseanbau stark eingeschränkt – der Stadtstaat importiert daher über 90 Prozent seiner Lebensmittel, vor allem aus Malaysia. 

Ursprünglich hatte Singapur das Ziel, bis 2030 rund 30 Prozent der Nahrungsnachfrage lokal zu erzeugen. Ein ambitioniertes Ziel, das nicht stemmbar war. Daher überarbeitete Singapur das Ziel im November 2025: Bis 2035 sollen nun 20 Prozent des lokalen Verbrauchs an Ballaststoffen selbst gedeckt werden. Dazu zählen Blatt- und Fruchtgemüse, Sojasprossen und Pilze.

„Man muss in der Lage sein, die Produktion zu skalieren“

„Man muss in der Lage sein, die Produktion zu skalieren, um die Welt zu ernähren“, sagte Chong, die mit einem kleinen Gemeinschaftsgarten startete, gegenüber der „Business Times“. „Und das geht nur durch Automatisierung.“ 

Das Unternehmen fokussiere sich daher auf schnellwachsendes Blattgemüse wie Nai Bai (Milchkohl) und Chye Sim (Blütenkohl). Diese gehören zu den Grundnahrungsmitteln der Bevölkerung und würden sich gut für die Automatisierung eignen. Die Produkte werden unter dem Label „Hydrogreens“ an 95 Geschäfte verkauft.

Um Ernteausfälle und Überproduktion zu vermeiden, produziert Greenphyto ausschließlich auf Basis konkreter Bestellungen – das sogenannte Make-to-Order-Prinzip. Das Gemüse wird erst angepflanzt, wenn Aufträge von Kunden vorliegen. 

Eine 200-g-Packung Kai-lan (Chinesischer Brokkoli) von Greenphyto kostet 3,95 Singapur-Dollar (2,64 Euro). Eine 100-g-Packung Mambo Lettuce (Blattsalat) 3,20 Singapur-Dollar (2,14 Euro). Zum Vergleich: Bei Rewe kostete die 100-Gramm-Packung Salatmischung zuletzt 1,79 Euro.

Greenphyto Mitarbeiter wiegen Salat
Rund 70 Mitarbeiter arbeiten auf der Indoor-Farm – den Rest erledigen hochautomatisierte Systeme. Greenphyto

Technologie soll vermarktet werden

Insgesamt 69 Patente hat Greenphyto für Technologien angemeldet, die den Wachstumsprozess optimieren und Kosten senken. Darunter ein intelligentes LED-Beleuchtungssystem zur Energieeinsparung. Statt alle Pflanzen einheitlich zu beleuchten und dadurch unnötig Strom zu verbrauchen, lässt sich die Lichtintensität gezielt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Setzlings- oder Gemüsesorte abstimmen.

Rund 80 Millionen Singapur-Dollar (rund 54 Millionen Euro) kostete das gesamte Projekt. Jetzt plant Greenphyto, seine Technologie global zu vermarkten. Büros in Malaysia und den Niederlanden sollen das Farming-System und die KI-Software exportieren.