Kostenexplosion: Altes Krankenhaus Lenggries vor dem Aus?

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Laut den Ergebnissen eines Architekturbüros soll eine Sanierung des alten Lenggrieser Krankenhauses teurer als ein Neubau werden. © Laut den Ergebnissen eines Architekturbüros soll eine Sanierung des alten Lenggrieser Krankenhauses teurer als ein Neubau werden.

Eine Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Sanierung des alten Krankenhauses in Lenggries teurer wäre als ein Neubau. Der Gemeinderat berät nun über die Zukunft des Gebäudes.

Lenggries - Die Abrissbirne oder ein leistungsstarker Bagger drohen dem alten Krankenhaus in Lenggries. Denn eine Sanierung des Objekts kommt teurer als ein Neubau. So jedenfalls besagt es die Analyse eines Münchner Architekturbüros, die in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vorgestellt wurde.

Gemeinderat: Analyse rechnet Sanierung des alten Lenggrieser Krankenhauses teurer

Die Ergebnisse einer Bestandsanalyse bekräftigten fachlich, was politisch schon seit längerem klar ist. Eine Sanierung des alten Krankenhauses mit Nutzungsmöglichkeiten in betreute oder reine Wohnungen würde die Gemeinde einiges mehr kosten. „So absurd es klingt, aber es ist günstiger, wenn Sie neu bauen“, sagte Sebastian Händel in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Einleitend stellte der Münchner Architekt vergleichbare Projekte wie die ehemalige Post in Lenggries vor, die sein Büro realisiert hatte. Rund acht Millionen Euro verbaute die Gemeinde in den Umbau des Gebäudes an der Marktstraße. Neben einem Kindergarten konnten in dem Gebäude eine Arztpraxis, zwei Wohnungen sowie ein Mehrzwecksaal untergebracht werden. „Erst wenn wir solche Objekte auf den Rohbauzustand zurückversetzt haben, wissen wir, worauf wir uns einlassen müssen“, sagte Händel. Beispielsweise habe man die zehnfache Menge an Putz „raustragen müssen“.

Historisches Krankenhaus Lenggries: Substanz und Anbau

Zum im Jahr 1860 errichteten Krankenhausbau an der Karwendelstraße konnte Händel lediglich von einem etwas feuchten Keller berichten, „aber von der Substanz her hat uns nichts erschrocken“, sagte der Architekt. Er sei auf „schöne Geschosshöhen und dicke Wände“ gestoßen. Freilich könne es sein, dass man bei einzelnen Nasszellen die Decke „komplett wegnehmen“ müsse.

Eine weniger günstige Diagnose bescheinigte Händel den beiden 1987 und erst 2004 errichteten Anbauten. Letzterer müsste abgerissen werden, weil er zu nah am neuen Pflegeheim stünde. Es sei zwar „verheerend“, solch ein vergleichsweise junges Gebäude dem Abriss preisgeben zu müssen, aber man sei bereit, „in den sauren Apfel zu beißen“, sagte Sibylle Reuter auf Nachfrage unserer Redaktion.

Unterschriftenaktion und grünes Potenzial

Die Sprecherin des Grünen-Ortsverbandes hatte weit über 800 Unterschriften für den Erhalt „zumindest des historischen Baus“ gesammelt. Die Grünen begrüßen „ausdrücklich die vom Gemeinderat in Auftrag gegebene erneute Untersuchung der Gebäudesubstanz des ehemaligen Krankenhauses. Die nun vorliegende Analyse bestätigt, was die Grünen seit langem anführen: Das historische Gebäude weist keine gravierenden Bauschäden auf, die Bausubstanz ist solide und bietet hervorragendes Potenzial für eine Umnutzung“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Architekt Händel stellte zwei Nutzungsmodelle vor: Entweder Umbau in betreute oder „ganz normale“ Wohnungen. Die erste Variante erfordere den Bau eines Aufzugs, Entfernung von Wänden, Errichtung neuer Sanitäranlagen. Nicht zu vergessen der umfangreiche Brandschutz. Kostenpunkt: rund 8,5 Millionen Euro. Weniger Aufwand – dennoch circa 6,25 Millionen Euro – bedeuteten die zwischen 36 und 92 Quadratmetern großen Wohnungen.

In Sachen Fördermitteln zeigte sich Händel pessimistisch. Viele Fördertöpfe seien leer. Egal ob Sanierung oder Neubau: „Wir machen das gerne mit Ihnen, aber Sie müssen Geld mitbringen.“ Die Grünen sehen allerdings die in der Analyse genannten Sanierungskosten als „deutlich zu hoch angesetzt“, während der „vergleichbare Neubau unrealistisch niedrig kalkuliert wurde“.

Effizienz und Genossenschaftsmodell als Lösung

Für Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) sprächen die Zahlen für sich. Eine Sanierung bedeute „ein paar schöne Loftwohnungen, die man hochpreisig vermieten kann“. Ein Neubau sei mit Blick auf bezahlbare Mieten effizienter. Auch sei das Areal als Sondergebiet „Alten- und Pflegeheim“ deklariert.

Klaus Hanus von den Grünen schlug laut Presseinformation ein Genossenschaftsmodell vor, „das sich bereits in zahlreichen vergleichbaren Projekten bewährt“ habe, sollte die Gemeinde die Kosten der Sanierung und Umnutzung nicht aufbringen können. „Dieses Modell ermöglicht eine breite Beteiligung der Lenggrieser Bürgerinnen und Bürger und schafft gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum“, so Hanus.

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/dasgelbeblatt/kostenexplosion-altes-krankenhaus-lenggries-vor-dem-aus-93964176.html