Das Prinzenpaar der Narreninsel Wolfratshausen fiebert dem Saisonhöhepunkt entgegen. Die zwei Geretsrieder sind seit rund vier Jahren auch privat ein Paar.
Wolfratshausen/Geretsried – Prinzessin ist bekanntlich kein Ausbildungsberuf, doch „früh übt sich“, dachte sich Viktoria Huber. Als Neunjährige schwang sie in der Faschingssaison 2013/2014 als Kinderprinzessin das Zepter, zehn Jahre später krönt sie ihre Karriere bei der Faschingsgesellschaft Narreninsel Wolfratshausen mit dem Ehrenamt als Prinzessin Viktoria die Erste. An ihrer linken Seite: Prinz Justin der Erste, mit bürgerlichem Namen Justin Gallo. Er ist ein Novize im Narrengeschäft, erst vor einem Jahr trat er der im Dezember 1950 im Gasthaus Humplbräu gegründeten Faschingsgesellschaft bei.
In Hubers Familie gibt‘s zahlreiche Blaublütige
Wenn die 21-jährige Geretsriederin in diesen turbulenten Tagen nicht gerade das Narrenvolk regiert, arbeitet sie als Kauffrau für Büromanagement beim Kfz-Meisterbetrieb Brylka in ihrer Heimatstadt. Der 23 Lenze zählende Zimmerer Gallo ist bei Holzbau Schneider in Königsdorf beschäftigt. Die zwei sind auch privat seit rund vier Jahren ein Paar und wohnen zusammen in Geretsried. Gefunkt hat‘s aber nicht auf einem Rosenmontagsball, sondern Viktorias ältere Schwester machte die beiden bei anderer Gelegenheit miteinander bekannt.
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Apropos: In der Huber-Familie gibt‘s seit Jahren Blaublütige. Schon Viktorias ältere Schwester war Faschingsprinzessin, ihre jüngere Schwester Kinderprinzessin und auch ihr älter Bruder blickt auf eine Regentschaft als Kinderprinz zurück. Nein, von Gottes Gnadentum sind die Tollitäten nicht legitimiert: „Ich habe mich beim Vorstand der Narreninsel ganz offiziell bewerben müssen“, sagt die 21-Jährige. „Und nein, eine Prinzessinnen-Prüfung musste ich nicht ablegen“, ergänzt sie und lacht.
„Let‘s Dance“ mit persönlicher Tanztrainerin
„Mentale Unterstützung“ leistete Gallo seiner Freundin bis dato. In die Rolle des Prinzen „habe ich ihn ein bisschen gezwungen“, verrät Huber und schmunzelt. Zu den Pflichten des 23-Jährigen zählt jetzt das Tanzen. Bislang habe er „ein bisschen mitgewippt“, doch mit Amtsantritt hieß es für den kräftigen jungen Mann: „Let‘s Dance!“ Das Duo gönnte sich mit Cordula Schnellbach eine persönliche Trainerin. Schnellbach weiß nur zu gut, was aufs Parkett gebracht werden muss – sie ist eine ehemalige Faschingsprinzessin der Narreninsel.
Mit dem Ergebnis des Tanztraining sind Huber und Gallo sehr zufrieden. „Er macht das sehr gut“, bescheinigt die Prinzessin ihrem Prinzen – und der Gelobte hat durchaus Gefallen „an Walzer und Walzer mit Show-Effekten wie Hebefiguren“ gefunden. Ganz wesentlich: „Auf den Fuß hat er mir noch kein einziges Mal getreten“, betont die 21-Jährige.
Beim Besuch in unserer Redaktion räumen die zwei mit einem Vorurteil auf: Faschingskrapfen stehen nicht ganz oben auf ihrer Speisekarte. Weniger als eine Handvoll des Siedegebäcks verputzt Ihre Königliche Hoheit während einer Faschingssaison – und Gallo vertritt den kulinarischen Standpunkt: „Lieber was G‘scheits.“ Noch eine weitere Info aus der Rubrik Nähkästchen: Der 23-Jährige braucht „nur 30 Minuten“, um sich vom normalsterblichen Bürger in einen Prinzen zu verwandeln. Viktoria die Erste „etwas länger“, bis die Haare perfekt gestylt, Wimperntusche, Rouge und Lippenstift aufgetragen sind und sie ins prächtige Ballkleid geschlüpft ist.
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Darf man in Kriegszeiten unbeschwert feiern?
In der närrischen Hochphase vom unsinnigen Donnerstag (27. Februar) bis Aschermittwoch (5. März), an dem alles vorbei ist, nehmen die zwei Urlaub. Anders sei das immense Pensum an insgesamt gut 50 Auftritten und Besuchen von Kindergärten, Schulen und Altenheimen nicht zu bewältigen. „Wir sind schon im Moment an jedem Wochenende unterwegs“, berichtet Gallo. Gretchenfrage: Darf man in einer Zeit, in der Kriege und Terrorakte die Welt erschüttern, unbeschwert Fasching feiern? „Ja“, antwortet Huber, „man muss auch mal lustig sein, man darf den Spaß am Leben nicht verlieren.“ Ihr Partner pflichtet ihr bei: „Man muss auch mal abschalten und es krachen lassen dürfen.“
Faschingsprinzessin – „das war mein großer Traum“, sagt Huber. Das Schönste an dem Ehrenamt sei „das Strahlen in den Kinderaugen“ bei den Auftritten der Narreninsel. „Es macht einfach riesen Spaß mit der ganzen Truppe“, sagt Gallo. Er räumt ein, dass ihn einige Spezl und Arbeitskollegen „aufgezogen haben“, als sie von seinem exponierten Engagement bei der Faschingsgesellschaft erfuhren. „Doch das war nur Spaß. Sie haben alle Respekt vor unserem Mut, öffentlich vor großem Publikum aufzutreten“. cce
„Wolfratshausen narrisch“
Live erleben kann man das Prinzenpaar der Narreninsel Wolfratshausen unter anderem am Sonntag, 23. Februar, auf dem Marienplatz in der Altstadt. Zwischen 13 und 18 Uhr kann Jung und Alt, verkleidet oder in zivil, unter dem Motto „Wolfratshausen narrisch“ mitfeiern. Eröffnen wird die Freiluftveranstaltung der Geretsrieder Hans Ketelhut alias Bayern-Hans, im Gepäck hat er Vertreter der berühmte Urzel-Zunft aus seiner Heimatstadt. Mit von der fröhlichen Party sind außerdem die Kinder-, die Jugend- sowie die Mutti-Garde der Narreninsel, die Faschingsgesellschaft „Perchalla“ aus Starnberg, der Faschingsverein Mangfalltal und die Faschingsgesellschaft „Frohsinn“ aus Peißenberg. Veranstalter ist die Stadt Wolfratshausen, der Eintritt ist frei.