Zug immer beliebter bei Radlfahrern - Das sorgt jetzt aber für Platzprobleme

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Besonders bei bahnfahrenden Radlern sehr beliebt: Die Bahnstrecke am Quicken zwischen Klais und Mittenwald. © dinosmichail

Radlfahrer reisen immer öfter mit dem Zug ins Karwendel, um von dort aus ihre Tour zu starten. Veraltete Fahrradaufhängungen und Platzmangel für E-Bikes machen das allerdings zur Herausforderung für die Bahnbetreiber hier und diesseits der Landesgrenze.

Dass E-Bikes immer beliebter werden, ist kein Geheimnis. Die Preise werden erschwinglicher, die Akkus leistungsstärker, die Fangemeinschaft wächst. Bei schönem Wetter machen sich somit auch immer mehr Sommerfrischler auf den Weg in die Bergwelt des Südens nach Mittenwald oder weiter nach Tirol – samt Fahrrad. Auch das Deutschlandticket sorgt für ein Plus an touristischen Fahrten, erklärt Wolfgang Oeser, Pressesprecher der Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG).

Um den Stau auf den Straßen zu vermeiden, steigen deshalb mehr und mehr auf die Bahn um und können für 6,50 Euro ihr Zweirad mitnehmen – zumindest in der Theorie. Das stellt die Deutsche Bahn nun vor eine neue Herausforderung. Das Problem: E-Bikes sind wesentlich größer als normale Fahrräder, passen deshalb nicht in die vorgesehenen Halterungen im Radabteil. „Die Befestigungen sind Anfang der 2010er Jahre installiert worden“, sagt Oeser. „Die entsprachen den damaligen Anforderungen.“ Für heutige E-Bikes also ungeeignet, weshalb sie in den Fahrraum, in den Gang oder wo eben sonst noch Plätze sind, gestellt werden.

Da lassen sich Engpässe nicht immer vermeiden.

Hinzu kommt die Menge an Radlfahrer. Besonders beliebt sind die Bahnhöfe Mittenwald, Scharnitz und der Bedarfshalt bei Gießenbach. Von hier aus führen zahlreiche beliebte Radltouren ins Karwendel-, Hinterau- oder Gleirschtal mit vielen Hütten und Almen. Zudem nehmen die Bergsportler von hier aus gerne sogenannte „Bike&Hike“-Ausflüge: also mit dem Radl zum Einstieg und von dort aus zu Fuß auf die Gipfel. All das erhöht den Druck auf die Bahn, mehr Zweiradplätze zu bieten. Eine Garnitur nur für Fahrräder anzuhängen, ist aber zumindest auf dieser Strecke nicht möglich, wie die ÖBB mitteilt.

Besonders bei bahnfahrenden Radlern sehr beliebt: Die Bahnstrecke am Quicken zwischen Klais und Mittenwald.
Besonders bei bahnfahrenden Radlern sehr beliebt: Die Bahnstrecke am Quicken zwischen Klais und Mittenwald. © Manuela Schauer

Fahrradfahrer werden immer mehr und sorgen für Platzmangel im Zug

In den Nahverkehrszügen der ÖBB, als auch der DB treffen verschiedene Nutzergruppen aufeinandertreffen, erklärt ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Es gelte, deren Bedürfnisse in einen Zug zu bringen. „Wir haben vor allem die Pendler, aber auch zunehmend Freizeitreisende mit Rad. Dem versuchen wir Rechnung zu tragen.“ Dementsprechend will man auch auf die steigende Beliebtheit der Bahn bei Radsportlern eingehen. „Wir schauen uns natürlich an, welche Möglichkeiten wir haben, entsprechend Platz für Fahrräder zu schaffen. Wo es geht, verlängern wir Züge, verdoppeln wir Garnituren“, erklärt Gasser-Mair. Auf der Karwendelstrecke von Innsbruck nach Mittenwald sei das allerdings nicht möglich. Grund sind relativ kurze Bahnsteige, die längere Züge nicht zulassen würden.

Neue Züge könnten Probleme lösen

„Wir haben aber gerade mit den neuen Nahverkehrszügen, die wir in Dienst gestellt haben, die Kapazität für Fahrräder deutlich aufgestockt. Da haben 24 Fahrräder in einem Zug Platz.“ Er empfiehlt dennoch, wenn möglich zu Hauptverkehrszeiten zwischen sieben und acht Uhr morgens nicht mit einem Fahrrad in den Zug zu steigen. Das sei besonders aktuell wichtig, wo noch bis zum 2. September die Strecke zwischen Seefeld und Innsbruck gesperrt ist. Die Bauarbeiten ziehen sich länger als erwartet. Im Schienenersatzverkehr können zwar Fahrräder mitgenommen werden, sagt Gasser-Mair. „Jeder zweite Bus hat einen Anhänger dabei.“ Eine Garantie, dass das Radl Platz, gibt es aber keine.

Auf bayerischer Seite bestellt der Freistaat bereits seit Jahren auf touristisch stark frequentierten Strecken in den Sommermonaten bis 13. Oktober sogenannte Radlzüge, teilt Oeser mit. „Die zeichnen sich im Vergleich zu den sonst verkehrenden Zügen durch eine erhöhte Fahrradmitnahmekapazität aus.“ Dennoch ist diese begrenzt, gerade zu den üblichen Stoßzeiten oder wenn plötzlich das Wetter umschlägt und alle gleichzeitig in die Züge wollen. „Da lassen sich Engpässe nicht immer vermeiden“, sagt der BEG-Pressesprecher. „Die Mitnahme von Fahrrädern kann in diesen Fällen aus Platz- und Sicherheitsgründen nicht garantiert werden.“ Das bedeutet: Auch wer ein eigenes Fahrradticket kauft, hat keinen Anspruch auf die Mitnahme seines Zweirads. „Der Transport von Fahrgästen bei Kapazitätskonflikten hat Vorrang.“ Heißt: Mensch sticht Fahrrad.

„Um der steigenden Nachfrage dennoch gerecht zu werden, fordert der Freistaat bei Neuausschreibungen bereits seit Jahren mehr sowie flächenmäßig größere Mehrzweckbereiche mit Klappsitzen“, sagt Oeser. Diese Abteile sind innen und außen gekennzeichnet.

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