Michael Stanglmaier ist seit 25 Jahren Moosburger Stadtrat. Im Interview blickt der Grünen-Fraktionschef zurück – und äußert sich zu seinen Ortschef-Ambitionen.
Moosburg – Seit einem Vierteljahrhundert Stadtrat für Moosburg: Im April 2000 kam Michael Stanglmaier (Grüne) als Nachrücker für Ingrid Kuhn in das Gremium – und wurde seither immer wiedergewählt. Nicht geklappt haben hingegen seine drei Kandidaturen als Ortschef. Das Freisinger Tagblatt hat beim 61-Jährigen nachgefragt, wie es mit der Kommunalwahl im kommenden Jahr aussieht.
Herr Stanglmaier, als Sie vor 25 Jahren nach Ihrer ersten Stadtratssitzung nach Hause kamen: Was haben Sie sich da gedacht?
Puh, das weiß ich gar nicht mehr so richtig. Woran ich mich erinnere: In der Sitzung wurde der Antrag eines Moosburger Bürgers zum Thema Gentechnik- oder Pflanzenschutzfreiheit in städtischen Gärten behandelt. Als Biochemiker, der am Genzentrum München promoviert hat, habe ich eine unterstützende Bewertung für diesen Antrag abgegeben. Der Tagesordnungspunkt hat aber im Gremium sonst eigentlich niemanden interessiert, sie fanden es einen Schmarrn. Daher wurde es abgelehnt. Meine erste Erfahrung im Stadtrat lautete also: Fach-Know-how allein ist es nicht. Ich hab‘ später selbst nochmal einen Antrag auf Verzicht von Pflanzenschutzmittel gestellt, der wurde auch abgelehnt.
Auf welchen persönlichen Erfolg im Gremium sind Sie noch heute besonders stolz?
Gute Frage... (überlegt) Wir haben in Moosburg viel zum Thema Energiewende erreicht. Das war ein ganzes Sammelsurium an Anträgen. Im Kreistag hatte ich dazu 2007 den sogenannten Energiewendeantrag – also 100 Prozent erneuerbare Energie bis 2035 – gestellt, der erhielt nur vier Gegenstimmen. Im Stadtrat haben Anita Meinelt (damals Bürgermeisterin für die CSU; Anm. d. Red.) und ich den dann für Moosburg gemeinsam gestellt – also zu einer Zeit, in der eine schwarz-grüne Zusammenarbeit noch nicht selbstverständlich war. Der Antrag war in Moosburg erfolgreich und hat gezeigt, dass man über Parteigrenzen hinweg etwas erreichen kann. Das ist das Schöne an Lokalpolitik: dass das Lagerdenken nicht so groß ist wie auf höherer Ebene.
Sie haben schon drei Mal für das Amt des Bürgermeisters kandidiert und werden bei der nächsten Kommunalwahl 62 Jahre alt sein. Wollen Sie es noch einmal wissen?
(lacht) Sagen wir es mal so: Wir sind bei den Grünen dabei, uns Gedanken zu machen. Es wird auf jeden Fall einen grünen Bürgermeisterkandidaten oder eine -kandidatin geben, und wir werden im Sommer bekanntgeben, wer ins Rennen geht. Wir wollen jetzt aber noch keinen Bürgermeisterwahlkampf betreiben, sondern weiterhin ganz normale Stadtratsarbeit. Die Aufstellungsversammlung ist nach den Sommerferien. Ich hab’s schon öfter gesagt: Ich finde das Amt eines Moosburger Bürgermeisters immer noch sehr spannend und würde es nicht ausschließen. Aber die Entscheidung werden wir erst einmal intern treffen.
Steter Fokus auf Umwelt, Energie und Verkehr
Als Michael Stanglmaier in den Moosburger Stadtrat aufrückte, hatte der promovierte Biochemiker, der damals bereits zehn Jahre Kreisrat war, zwei große Ziele. Erstens: frischer Wind in Sachen Umweltpolitik. „Es gibt viele ungenutzte Möglichkeiten, sei es Verkehrs-, Energie- oder Städtebaupolitik“, erklärte er. Und zweitens: „Die Streitkultur im Stadtrat ist nicht die kreativste – ich will dazu beitragen, das zu ändern.“ Seither hat sich die Debattenkultur im Gremium tatsächlich merklich gebessert, Diskussionen werden versöhnlicher und professioneller geführt. Auch das andere Anliegen Stanglmaiers wurde Realität: Fast die gesamte Amtszeit über ist er als Energie- und Umweltreferent aktiv. Ein weiteres Herzensthema: mehr Bürgerbeteiligung. Ein aktuelles Beispiel ist die kommunale Wärmeplanung, bei der die Menschen vor Ort aktiv eingebunden werden. Ramona Rümelin, eine der beiden Vorsitzenden des Grünen Ortsverbands, würdigt das langjährige Engagement: „25 Jahre Michael Stanglmaier – das heißt 25 Jahre voller Einsatz für ein Moosburg, das auch in Zukunft lebenswert bleibt. Wir sind stolz und dankbar.“