Immer mehr Deutsche misstrauen USA – prominente Trump-Gegner bei Sicherheitskonferenz erwartet

  1. Startseite
  2. Politik

Trump-Effekt: Umfrage zeigt bitteren Trend in Deutschland – zu Siko reisen prominente Gegner an

Kommentare

Vor der Münchner Sicherheitskonferenz zeigt eine Umfrage, dass immer mehr Deutsche die USA als Bedrohung wahrnehmen. Das Vertrauen in die NATO sinkt.

München – Der Wert für die USA steigt und steigt. In rasantem Tempo. Es ist allerdings keine Entwicklung, auf die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten stolz sein dürfte. Denn mittlerweile glauben 65 Prozent der Deutschen, dass von den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren wohl die größte Gefahr für den Weltfrieden ausgehen wird.

Gavin Newsom grinst mit Fliegerbrille im Gesicht, Donald Trump (r.) verzieht den Mund
Das dürfte ihm gar nicht passen: Während US-Präsident Donald Trump (r.) seinen Außenminister zur Sicherheitskonferenz schickt, reist auch der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom an. © Patrick T. Fallon / AFP, Alex Brandon/AP/dpa

Das geht aus dem 17. Sicherheitsreport hervor, der auf einer repräsentativen Befragung durch das Allensbach-Institut im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung beruht. 2025 lag der Wert noch bei 46 Prozent, 2024 lediglich bei 24 Prozent. Dass der Anstieg mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus zusammenhängen dürfte, lässt sich auch anhand der Angaben aus dessen erster Amtszeit vermuten. So sahen noch 2020 satte 61 Prozent der Befragten die USA als Gefahr für den Frieden.

USA als Bedrohung für Deutschland: Nur Russland toppt den Trump-Wert noch

Damals lag der NATO-Partner sogar deutlich vor Russland (36 Prozent) und China (34 Prozent). Doch seit Kreml-Chef Wladimir Putin seinen Ukraine-Krieg startete, schoss der Wert für sein Reich in die Höhe. 2026 befürchten 81 Prozent, dass von Russland in den kommenden Jahren eine Gefahr für den Frieden ausgeht. Nur im Jahr 2023 waren es mit 82 Prozent zuletzt noch mehr.

Der Wert für China sank hingegen von zwischenzeitlich 60 Prozent in den Jahren 2022 und 2023 auf aktuell 46 Prozent. Das bedenkliche Bild, das die USA für viele Deutsche abgeben, dürfte allgemein auf Trumps aggressive Rhetorik, aber auch speziell auf den Streit mit den Europäern um eine mögliche Übernahme von Grönland zurückzuführen sein.

Dazu passt das Ergebnis einer weiteren Frage. Nur 32 Prozent gehen davon aus, dass die USA einem europäischen NATO-Partner militärisch zu Hilfe kommen würden, sollte dieser angegriffen werden. 35 Prozent sind da skeptisch, die übrigen 33 Prozent konnten sich nicht entscheiden. Die Diskussion, ob sich Trump an den NATO-Artikel 5 – den sogenannten Bündnisfall – gebunden fühlt, begleitet seine bisherige zweite Amtszeit. Gerade im Angesicht der russischen Aggressionen.

Russland als Gefahr durch Ukraine-Krieg: Weniger Menschen befürchten Angriff durch Putin

Immerhin hier gab es bei der Umfrage eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Der Anteil der Deutschen, die einen Angriff Moskaus auf weitere Länder befürchten, sank von 46 auf 35 Prozent. Ob Putin das wohl gefallen wird? Spielt er doch immer wieder mit den Ängsten der Menschen im von ihm so verhassten Westen.

Besser dürften ihm andere Zahlen schmecken. Nur noch 55 Prozent der Befragten fühlen sich in Deutschland sicher oder sehr sicher – der niedrigste gemessene Wert. Zum Vergleich: 2021 waren es 82 Prozent. Und seit Beginn des Ukraine-Kriegs fühlen sich mittlerweile 49 Prozent persönlich bedroht durch militärische Auseinandersetzungen, in die Deutschland verwickelt ist. Nie war der Anteil höher. 2024 waren es schonmal 48 Prozent, 2021 lediglich jeder Zehnte.

Wladimir Putin (l.) lehnt sich zu Sergej Lawrow und spricht zu ihm
Was hecken sie noch aus? Russland unter Kreml-Chef Wladimir Putin (l.) und Außenminister Sergej Lawrow wird von den Deutschen als wahrscheinlichste Bedrohung für den Frieden angesehen. © Ramil Sitdikov / POOL / AFP

Zudem halten nur noch 42 Prozent die NATO für stark genug, um sich gegen Russland verteidigen zu können. 2025 waren noch 56 Prozent optimistisch. „Das Vertrauen der Deutschen in die NATO ist schlagartig eingebrochen“, warnt der Berater und Coach Klaus Schweinsberg, Mitherausgeber des Sicherheitsreports: „Auf die Unterstützung durch die USA im Bündnisfall hofft nur noch eine Minderheit.“ Für die Studie wurden zwischen dem 6. und 19. Januar 1077 Bürger ab 16 Jahre befragt.

USA bei der Sicherheitskonferenz: Außenminister Rubio reist nach München

Sie wurde kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) veröffentlicht, die im vergangenen Jahr einen denkwürdigen Auftritt des damals frischgebackenen US-Vize-Präsidenten J.D. Vance erlebte. Der Trump-Stellvertreter las den europäischen Partnern vor aller Öffentlichkeit die Leviten und kritisierte den Zustand der Demokratie, weil ihm zufolge die Meinungsfreiheit zu kurz komme.

Dieses Jahr reist Außenminister Marco Rubio in die bayerische Landeshauptstadt, wie der stellvertretende Ministeriumssprecher Tommy Pigott via X verkündete. Mit Spannung wird erwartet, wie der oberste Diplomat des Landes gegenüber den Partnern auftritt und ob die unübersehbaren Gräben sogar noch tiefer werden.

Rubio trifft Orban: Trump-Minister plant Gespräche mit Putin-nahen Europäern

Nachdenklich dürfte den Westen vor allem stimmen, dass Rubio im Anschluss weiter nach Bratislava und Budapest reist, um mit Spitzen der Slowakei und Ungarns zusammenzutreffen. Laut Pigott geht es bei den Gesprächen um das gemeinsame Engagement bei der Lösung globaler Konflikte und die Zusammenarbeit in der Energiepolitik.

J.D. Vance steht an einem Mikrofon und spricht
Dieser Auftritt wirkt nach: Bei der Sicherheitskonferenz 2025 schoss US-Vize-Präsident J.D. Vance deutlich gegen Europa. © Sven Hoppe/dpa

Die Slowakei und Ungarn sind jene beiden EU-Staaten, die durch besondere Nähe zu Putin auffallen und ein gemeinsames Vorgehen zugunsten einer besseren Verteidigung der Ukraine erschweren. Während in Bratislava der linkspopulistische Robert Fico als Ministerpräsident regiert, hat in Budapest bereits seit 2010 zum zweiten Mal der rechtskonservative Ministerpräsident Viktor Orban das Sagen.

Newsom und andere Trump-Gegner in München: Sicherheitskonferenz begrüßt Demokraten-Trio

Insgesamt erwartet die MSC vom 13. bis 15. Februar mehr als 60 Staats- und Regierungschefs rund um Bundeskanzler Friedrich Merz sowie etwa 100 Außen- und Verteidigungsminister. Aber auch bekannte Oppositionspolitiker werden nach München kommen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt, kündigte Konferenzleiter Wolfgang Ischinger bei einer Pressekonferenz in Berlin die Teilnahme von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der einflussreichen Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und von Gretchen Whitmer, der Gouverneurin von Michigan, an.

Alle drei Demokraten hatten in der Vergangenheit mit deutlicher Kritik an Trump und dessen Methoden Schlagzeilen gemacht. Newsom, der auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor Ort war, scheint sich dabei als Hauptgegenspieler des Präsidenten herauszukristallisieren. Er gilt auch als aussichtsreicher Kandidat, um das höchste Amt des Staates mit Blick auf Januar 2029 in Angriff zu nehmen, wenn Trump laut der US-Verfassung abdanken und an seinen Nachfolger übergeben müsste.

In Davos kritisierte Newsom öffentlich die devote Haltung vieler Führungspersönlichkeiten gerade aus Europa gegenüber Trump. „Es ist an der Zeit, sich zusammenzureißen, ernst zu machen und die Komplizenschaft zu beenden“, forderte der 58-Jährige: „Ich kann diese Komplizenschaft nicht länger ertragen. Alle beugen sich ihm. Ich hätte Knieschoner für alle Staats- und Regierungschefs mitbringen sollen… das ist erbärmlich.“ Die Europäer würden sich von Trump manipulieren lassen, ihre Verhandlungsversuche seien „keine Diplomatie, sondern Dummheit“.

Macron warnt EU-Partner wegen USA: „Europa in fünf Jahren weggefegt“

Wie die internationale Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, wird Merz auf der MSC sowohl mit Rubio als auch mit Newsom zusammentreffen. Ebenso werde sich der CDU-Chef mit US-Kongressmitgliedern beider Parteien austauschen. Auch ein Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei geplant, ebenso ein sogenanntes E3-Format mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.

Für Macron wird es die vorletzte MSC im Amt sein, denn 2027 kann er nicht erneut zur Wahl antreten. Vorher redete er den Europäern in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) sowie anderen großen europäischen Zeitungen ins Gewissen. „Wenn wir Zuschauer sein wollen, dann mündet das in eine glückliche Unterwerfung. Wir stören niemanden, wir versuchen, nett zu den Amerikanern zu sein, und mit den Chinesen machen wir weiter wie bisher. Ich sage Ihnen: Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt“, warnt der 48-Jährige.

Die aktuelle Phase bezeichnet er als „Grönland-Moment“ und hält darüber fest: „Der hat den Europäern zweifellos bewusst gemacht, dass es bedroht ist. Aber es geht um mehr als nur um Grönland. Wir sind in dieser Phase ganz auf uns allein gestellt, eine große Gruppe von 450 Millionen Menschen, die immer dachte, dass man ihr hilft.“

Dieses Gefühl scheint sich auch in der deutschen Bevölkerung zu verfestigen, wie die Umfrage verdeutlicht. Die eben auch mehr und mehr Zeichen der Entfremdung von den USA offenbart, dem großen väterlichen Partner aus Übersee. Der nun für viele selbst eine Bedrohung darstellt. (Quellen: Centrum für Strategie und Höhere Führung, X, dpa, Reuters, SZ) (mg)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/trump-mehrheit-der-deutschen-misstraut-den-usa-gegner-kommen-zr-94163351.html