Siko 2026: Kanzler Merz will Trump-Kritiker Newsom in München treffen – während Trump-Minister Rubio anreist. Ein diplomatisches Minenfeld? Die Details.
München – Ein Treffen, das in Washington für Unbehagen sorgen könnte: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt am kommenden Freitag (13. Februar) am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom – einen der schärfsten Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Das erfuhr der Münchner Merkur von Ippen.Media aus Regierungskreisen. Das Gespräch zwischen dem deutschen Regierungschef und dem möglichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten 2028 findet zu einem brisanten Zeitpunkt statt: Während die transatlantischen Beziehungen ohnehin angespannt sind, reist zeitgleich US-Außenminister Marco Rubio als Vertreter der Trump-Administration nach München.
Newsom hatte erst im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit seiner Kritik an der „Komplizenschaft“ europäischer Staatschefs gegenüber Trump international für Schlagzeilen gesorgt. Nun die direkte Begegnung mit Merz – ein diplomatisches Signal, das die Spannungen zwischen alter und neuer Welt weiter verschärfen könnte.
Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Merz trifft Trump-Gegner Newsom
Die Münchner Sicherheitskonferenz (Siko) wird vom Freitag bis Sonntag zu einem bedeutsamen Schauplatz transatlantischer Spannungen. Das Treffen von Merz mit Newsom dürfte einer der vielen Höhepunkte werden. Insgesamt werden mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie rund 100 Außen- und Verteidigungsminister aus etwa 120 Ländern bei der Auflage von 2026 erwartet – damit sind etwa zwei Drittel aller UN-Mitgliedstaaten vertreten. Eingeladen sind neben US-Außenminister Marco Rubio auch viele Gegner von US-Präsident Donald Trump. Außerdem hat Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj sein Kommen zugesagt.
Vor diesem Hintergrund wird die Siko 2026 mit Spannung erwartet. „Wir haben es mit schwerwiegenden, zum Teil systemischen Herausforderungen zu tun“, sagte MSC-Chef Wolfgang Ischinger bereits vorab laut dem Handelsblatt. Seit er 2008 die Leitung übernommen habe, habe er noch nie so viele Krisen, Konflikte und Kriege gleichzeitig erlebt. Den diesjährigen Sicherheitsbericht hat die MSC bezeichnenderweise mit „Under Destruction“ betitelt.
Die Konferenz steht im Zeichen dessen, was die Organisatoren als „Politik der Abrissbirne“ bezeichnen. Mächtige Akteure, allen voran die USA unter Donald Trump, bearbeiten mit ihr die internationale Ordnung. Der neue „Munich Security Report“ bezeichnet das Vorgehen der Trump-Regierung als „Bulldozer-Politik“, mit der die internationale Ordnung zerstört werde, die die USA einst federführend aufgebaut hatten.
Liste der Teilnehmer bei der Siko 2026 dürfte Trump nicht gefallen
Besondere Aufmerksamkeit dürfte der Auftritt prominenter Trump-Gegner aus den USA erregen. Konferenzleiter Wolfgang Ischinger kündigte bei einer Pressekonferenz in Berlin die Teilnahme des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom, der linken Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und der Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, als prominente Vertreter der oppositionellen Demokratischen Partei bei der Siko 2026 an.
Newsom, Regierungschef des bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten US-Bundesstaats, hatte bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar mit scharfer Kritik an europäischen Staatenlenker für Aufsehen gesorgt. „Ich kann diese Komplizenschaft nicht mehr ertragen, wie Leute klein beigeben“, sagte der 58-Jährige vor wenigen Wochen laut der Nachrichtenagentur dpa. „Ich hätte einen Haufen Knieschoner mitbringen sollen für die ganzen Staatslenker.“ Es sei Zeit, „aufzustehen, standhaft zu sein und Rückgrat zu zeigen“.
Rubio soll Rede bei Sicherheitskonferenz halten
Die US-Regierungsdelegation soll von US-Außenminister Marco Rubio angeführt werden. Dies markiert einen deutlichen Kontrast zum Vorjahr, als Vizepräsident JD Vance mit einer für viele europäische Verbündete verstörenden Rede für einen Eklat sorgte. Vance hatte sich über den Zustand der Demokratie in Europa beklagt, mangelnde Meinungsfreiheit und Ausgrenzung der Opposition kritisiert. Am Rande der Konferenz traf er sich demonstrativ mit AfD-Chefin Alice Weidel.
Auch Außenminister Rubio gilt als Hardliner, positioniert sich aber klar pro-Nato und betont – anders als beispielsweise Trump in Davos – immer wieder die europäische Bedeutung für die US-Sicherheitsinteressen. MSC-Chef Ischinger rechnet damit, dass Rubio zu außen- und sicherheitspolitischen Themen sprechen werde: „Das ist jedenfalls meine Erwartungshaltung“, sagte er laut dem Handelsblatt.
Newsom, der sich nach den Kongresswahlen zur Halbzeit der Amtszeit Trumps im November über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur 2028 entscheiden will, wird am Samstag zum Thema Klimaschutz sprechen. Am selben Tag ist auch ein Auftritt von Rubio geplant.
Merz laviert bei Siko zwischen Trump-Nähe und Opposition
Bundeskanzler Friedrich Merz befindet sich damit in einer besonderen Position: Während andere europäische Staatschefs den Zugang zum Weißen Haus verloren haben, galt Merz zuletzt als einer der wenigen europäischen Regierungschefs, die noch zu Trump vordringen können. Diese privilegierte Stellung macht sein geplantes Treffen mit Trump-Kritiker Newsom umso brisanter. Merz navigiert zwischen der Notwendigkeit, die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu pflegen, und dem wachsenden europäischen Widerstand gegen Trumps Außenpolitik.
Das Treffen mit Newsom könnte als Signal interpretiert werden, dass auch der deutsche Kanzler beginnt, sich von der Trump-Administration zu distanzieren. Gleichzeitig sind auch Gespräche mit Ukraine-Präsident Selenskyj und US-Außenminister Rubio geplant – ein diplomatischer Balanceakt, der Merz’ Position als Vermittler zwischen den Fronten unterstreicht. (Quellen: dpa, eigene Recherche, Handelsblatt) (jek)