Das sagen die Anwohner zur probeweisen Wehrgang-Öffnung

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In der Regel ist der Zugang zur Stadtmauer vom Stadtfriedhof in der Altstadt aus versperrt. © Elke Robert/Münchner Merkur

Nach der Probeöffnung gab es gemischte Reaktionen der Anwohner. Der Wehrgang bleibt daher vorerst nur für Führungen und besondere Tage zugänglich.

Schongau – Bereits bisher ist ein Teil der Stadtmauer – zwischen dem Klosterhof und dem Parkplatz an der Tiefgarage in der Amtsgerichtsstraße – öffentlich begehbar und wird bei Stadtführungen gerne genutzt. Und die Planung, ab dem Münzgebäude rund um die Aussegnungshalle am Stadtfriedhof im Norden der Stadtmauer einen Außenbalkon anzubringen, schwebt auch immer noch im Raum oder wurde zumindest öffentlich nie völlig begraben (wir berichteten).

Vom Bauhof Schongau war diese Treppe gezimmert worden, die hinauf zum Wehrgang führt.
Vom Bauhof Schongau war diese Treppe gezimmert worden, die hinauf zum Wehrgang führt. © Elke Robert

Die kostengünstige Ersatzlösung indes, eine vom Schongauer Bauhof gefertigte hölzerne Stiege im Norden des Stadtfriedhofs hinauf zum bisher ungenutzten Teil des Wehrgangs zwischen Friedhof und dem Parkplatz bei der Tiefgarage, fand jedoch bei Anwohnern schon im Vorfeld eher mäßigen Anklang. Wie in einem persönlichen Gespräch deutlich wurde: Die am östlichen Bereich der Stadtmauer angrenzenden Anwohner befürchteten, dass Besucher vom erhöhten Wehrgang aus in ihre Gärten schauen oder diese gar durch herabgeworfene Gegenstände beschmutzen könnten.

Um möglichen Beschwerden zuvorzukommen, gab es seitens der Stadt zunächst einmal einen Probelauf: Für sechs Wochen war zum Ende des Sommers hin der Abschnitt des Wehrgangs geöffnet worden für interessiertes Publikum, zwar angekündigt in den Schongauer Nachrichten, aber ohne es an die ganz große Glocke zu hängen. Und wie sind die Erfahrungen aus dieser Zeit?

„Es gab ein Nachgespräch mit Anwohnern“, bestätigt Maximilian Geiger, Leiter der Tourist Information Schongau auf Anfrage der Heimatzeitung. Die Anwohner hätten „gemischte Meinungen“ gehabt, was aber zu erwarten gewesen sei, ergänzt Standortförderer Jürgen Erhard, der als Historiker auch selbst Stadtführungen zum Thema „Wehrhafte Stadt“ ausgearbeitet hat und diese regelmäßig führt. 50 betroffene Anwohner in jenem Altstadtabschnitt seien angeschrieben worden, die Resonanz mit sechs oder sieben Anwohnern war dann aber wohl eher verhalten.

„Während der Probeöffnung haben sich die Anwohner nicht beschwert“, macht Geiger deutlich. Grundsätzlich sei es aber in dieser Zeit auch um die Frage gegangen, welche Personen diesen Bereich der Stadtmauer wann nutzen und ob dieser Abschnitt des Wehrgangs wirklich immer offen gehalten werden müsse.

Auf der anderen Seite sei es ein öffentlicher Weg entlang eines Grundstücks, wie an anderen Bereichen der Stadt auch. Auch im Westen der Stadt läuft der Stadtmauerrundweg, wenn auch ebenerdig, an privaten Gärten entlang. Auch diese seien von Spaziergängern einsehbar, betonen Geiger und Erhard.

„Es ist keiner gekommen und hat Applaus geklatscht“, fasst Erhard die Gespräche mit den Nachbarn, an denen auch Bettina Schade, Geschäftsleiterin der Stadt Schongau, teilgenommen hatte, zusammen. Es handele sich um eine Veränderung. Mit Bewertungen wie „die schauen mir in den Garten hinein“ oder „ins Fenster“ habe man gerechnet. Positive Nachricht für die Stadt: Es sei in den sechs Wochen zu keinerlei Vandalismus gekommen, sprich Beschädigungen für den Wehrgang in der Stadtmauer oder für die Anwohner.

„Anwohner wohnen am Hotspot“

Wie ist man nun verblieben mit den Anwohnern? Der Wehrgang wird erst einmal nicht dauerhaft geöffnet sein. Geöffnet werden soll im Rahmen von Stadtführungen und an bestimmten Tagen wie etwa dem „Tag des offenen Denkmals“ oder, ganz wichtig, für Kinder in den Ferien, präzisieren Geiger und Erhard. Die Stadt möchte die Anwohner nach Möglichkeit darüber im Voraus informieren.

Geklärt werden müsse auch das Auf-und Absperren. Für die Probeöffnung habe man jemanden finden können, worüber man sehr dankbar sei. Auch der Abschnitt am Heiliggeist-Spital entlang werde vom Altenheim aus geöffnet und versperrt, „das klappt gut“, so Erhard. Die Öffnung an nur bestimmten Tagen habe auch den Vorteil, dass Anwohner den Bereich dann selbst im Blick haben könnten. „Und ich plane eine spezielle Führung nur für die Anwohner“, verrät Erhard.

Wichtig sei es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man in der Stadt mit der nun 800 Jahre alten Stadtmauer etwas ganz Besonderes habe. Die Historiker wünschen sich, dass die Anwohner auf diese Weise einmal die Perspektive wechseln und es gelingt, den Funken überspringen zu lassen. „Die Anwohner müssen wissen: Sie wohnen an einem Hotspot.“

Zum Jubiläum soll in diesem Jahr die Stadtmauer in einer über das ganze Jahr laufenden Veranstaltungsreihe immer wieder in den Mittelpunkt rücken (wir berichteten).

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/schongau/schongau-ort29421/trotz-bedenken-der-wehrgang-wird-nur-teilweise-geoeffnet-94106672.html