Gewaltverherrlichende Darstellungen und eine verbale Amoklauf-Androhung sorgten am Schongauer Welfen-Gymnasium vor Weihnachten für Unruhe.
Schongau – Mitte Dezember erhielten einige Schüler der Mittelstufe am Schongauer Welfen-Gymnasium von einem Mitschüler über ihre SchuliPads Nachrichten mit pornografischem und gewaltverherrlichendem Inhalt. Sie wandten sich an eine Lehrkraft. In der Folge wurden sie verbal mit dem Tod bedroht, zudem wurde verbal ein Amoklauf angekündigt.
Unsere Zeitung erhielt diese Informationen aus Kreisen von Schülern und Eltern. Sie möchten anonym bleiben. Der unter Verdacht stehende Jugendliche wurde bis zu den Ferien vom Unterricht ausgeschlossen.
Nach den Ferien sollen alle ohne Angst in die Schule gehen können.
Die Schongauer Polizei bestätigt den Vorfall grundsätzlich, ohne Details zu nennen. Für den minderjährigen Tatverdächtigen gilt Persönlichkeitsschutz. „Wir nehmen den Vorfall ernst“, sagt Hauptkommissar Florian Lindner, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Schongau. Beamte waren bei der Familie zu Hause. Mit dem Jugendlichen und dessen Eltern wurde ein präventives Gespräch geführt, eine sogenannte Gefährderansprache. „Im Umgang mit Jugendlichen ist das Ziel nicht die Strafe, sondern dass sie die Hilfe bekommen, die sie brauchen“, sagt Lindner. Amtsbekannt sei der Jugendliche nicht. „Wir werden alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um hier keine Gefahrenlage entstehen zu lassen“, sagt Lindner.
Amok-Drohung an Gymnasium: „Nehmen Sorgen ernst“
„Wir nehmen die Sorgen der Schüler und Eltern sehr ernst“, sagt Schulleiter Alexander Pfaffendorf. Ihm sei es wichtig, bei diesem Thema „sensibel zu reagieren: Es ist keine einfache Situation.“ Das Gymnasium habe ein Krisenkonzept und -team. Pfaffendorf verweist auf die noch laufende Ermittlungsarbeit der Polizei und betont, dass für den Betroffenen die Unschuldsvermutung gelte. Bis zum 6. Januar, sagt der Direktor, solle geklärt werden, ob eine Wiedereingliederung möglich sei. „Nach den Ferien sollen alle ohne Angst in die Schule gehen können.“
Eltern haben gegenüber unserer Zeitung beklagt, von der Schule zu wenig Informationen erhalten zu haben. Außerdem hätte man nach dem Vorfall den betroffenen Mitschülern gesagt, dass sie zu Hause nichts erzählen sollten. Pfaffendorf weist das zurück. „Das sind Gerüchte.“ Mit den Mitschülern wurde vor den Ferien in einer „Zeit für uns“-Stunde über die Sache gesprochen, außerdem habe er jede einzelne Anfrage von Eltern beantwortet, um ihnen Sorgen zu nehmen. Als Pädagoge mit langjähriger Leitungserfahrung sei es ihm wichtig, „der Situation angemessen zu reagieren“. Seine Sorge sei, dass sich über soziale Medien Angst und Panik verbreiten würden.
Polizei und Schule halten Kontakt
Das Gymnasium hat die Schulaufsicht, das Kultusministerium und den Kriseninterventionsdienst über die Angelegenheit unterrichtet. Schulpsychologe und Sozialpädagogen stünden mit ihren Beratungsangeboten weiterhin zur Verfügung, und zwar für alle, also auch für den betroffenen Jugendlichen, sagt Pfaffendorf.
Die Polizei hält nach Auskunft von Hauptkommissar Florian Lindner auch nach den Ferien Kontakt mit der Schule. Auch das Jugendamt wurde mittlerweile eingeschaltet. „Wir sind von der Polizei informiert worden“, bestätigt dessen Leiter Jürgen Wachtler. Das Amt werde der betroffenen Familie unterstützende Maßnahmen bei der Erziehung anbieten. Pfaffendorf dankt den Behörden für die gute Zusammenarbeit. Die Polizei habe „sehr situationsangemessen reagiert“, und auch das schulische Krisenteam habe die Angelegenheit „mit fachlicher Souveränität und Ruhe“ abgearbeitet: „Unser Krisenkonzept hat funktioniert.“