"Sozialstaat hat sich übernommen": Leser bewerten Arbeitsmarkt-Zahlen

In seinem Beitrag bilanziert Gabor Steingart, dass Deutsche nur noch zehn Prozent ihres Lebens einer Erwerbstätigkeit nachgehen und Unternehmen abwandern – mit ernsten Folgen für Wohlstand und Gesellschaft. In den Kommentaren dazu stehen dabei vor allem zwei Grundperspektiven im Fokus: Einerseits wird scharf gegen Sozialstaat und Bürgergeld argumentiert, weil falsche Anreize angeblich Arbeitsmotivation ausbremsen. Andererseits wird auch eine gesamtgesellschaftliche Debatte rund um fehlende Fleißkultur, Lebensqualität und einen Vertrauensverlust in die Politik geführt. Zwischen diesen Polen positionieren sich Stimmen, die Statistiken hinterfragen, auf Werte außerhalb von Erwerbsarbeit verweisen oder den Einfluss von Migration problematisieren. 

Kritik an Sozialstaat und Arbeitsanreizen

Das stärkste Lager der Diskussion – 31 Prozent der Leserschaft – sieht die Wurzeln der Arbeitsmarktprobleme vor allem im Sozialstaat und den aktuellen Anreizsystemen. Nach diesen Stimmen ist Bürgergeld zu attraktiv geworden, hohe Steuern und Sozialabgaben nehmen den Leistungsbereiten die Motivation und fördern eine wachsende Gruppe, die nicht arbeitet. Besonders kritisch werden auch Auswirkungen von Migration ins Sozialsystem bewertet. Dennoch gibt es vereinzelte Hinweise auf die gesellschaftliche Notwendigkeit sozialer Absicherung. Die zentrale Forderung: Eigenverantwortung stärken und den Sozialstaat gezielt zurückfahren, um die Arbeitsbereitschaft zu erhöhen.

"Niemand wird für jemanden arbeiten, der einem mehr als die Hälfte des Einkommens nimmt und der immer noch nicht satt ist."  Zum Originalkommentar

"Der Sozialstaat hat sich übernommen. Die Menschen sehen, dass sich Leistung nicht mehr lohnt. Die Politiker haben es zu gut gemeint mit den sozial Schwachen. Mit dem Begriff Bürgergeld sprengte man die letzten Schamgefühle, vom Staat leben zu wollen."  Zum Originalkommentar

"Wozu soll man noch großartig arbeiten, wenn einem so hohe Steuern und Sozialabgaben auferlegt werden, um damit andere, die aus "Cleverness" nicht arbeiten, zu versorgen, oder Radwege in Peru und Munition für die Ostfront zu finanzieren? Wenn man sieht: es lohnt sich nicht - arbeitet man halt weniger."  Zum Originalkommentar

Kritik an Arbeitsleistung und Fleißkultur

Ein fast ebenso großes Segment – 30 Prozent – widmet sich der Frage nach der deutschen Fleiß- und Arbeitskultur. Viele Kommentierende prangern eine schwindende Bereitschaft zu harter Arbeit an und vergleichen heutige Gesellschaftsstrukturen kritisch mit vergangenen Generationen oder leistungsstärkeren Ländern wie Singapur. Es finden sich auch Stimmen, die Erschöpfung und Frust über fehlende Anerkennung als Gründe für die sinkende Arbeitsfreude anführen. Einzelne Lesende begrüßen den Wandel hin zu mehr Lebensqualität, andere sehen im Traditionsverlust einen wirtschaftlichen Rückschritt.

"Ich war schon als Geschäftsführer in Singapur. Dort arbeitet jeder, der eine gesunde Hand hat und bis fünf zählen kann, in der Regel 2100 Stunden im Jahr und das 50 Jahre lang."  Zum Originalkommentar

"1350 Stunden pro Jahr arbeitet im Durchschnitt ein deutscher Arbeitnehmer. Herzlichen wenig, und das Schlimmste daran ist, dass immer weniger wertschöpfend tätig sind. Immer mehr Menschen arbeiten in der Verwaltung und in der Dienstleistung. Und immer weniger Arbeiter und Angestellte müssen den Lebensunterhalt von Kindern, Senioren, Beamten und Bürgergeldempfängern mitfinanzieren."  Zum Originalkommentar

"Früher war das Leben gut, heute ist es besser. Lasst es wieder gut werden!"  Zum Originalkommentar

"Man muss ehrlich sagen! Die Deutschen sind faul. Das Ganze wird nur mit dem Wort Euphemismus Work-Life-Balance verniedlicht. Wenn man mit Leuten im Betrieb spricht, ist alle Welt ausgebrannt. Mit der Einstellung bewegt man sich systematisch als Land in die Armut. Ich kann mich noch gut erinnern, als meine Mutter nach dem Krieg über 50 Stunden in der Woche gearbeitet hat und am Samstagabend nach Hause kam. Trotzdem hatte ich eine fröhliche Kindheit, und das Land schoss wie eine Rakete nach oben und wir sind in die Ferien gefahren. Alle Welt hat hart gearbeitet und es war trotzdem schön."  Zum Originalkommentar

Kritik an Politik und Wirtschaftspolitik

Mit 18 Prozent kritisieren zahlreiche Diskutierende die Politik und ihre ökonomischen Leitlinien. Sie werfen den Verantwortlichen auf politischer Ebene vor, Arbeitsmotivation und Innovationsbereitschaft durch hohe Steuern, Bürokratie und mangelnde Industriepolitik zu hemmen. Weitere Brennpunkte der Debatte sind die wachsende Abwanderung von Unternehmen sowie der Vorwurf, Leistungsträger würden für die Fehler einer aus ihrer Sicht fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik herhalten müssen. Die Diskussion ist geprägt von Frust über politische Prioritäten und Ängsten vor einem dauerhaften ökonomischen Niedergang.

"Wohlstand entsteht, wenn möglichst viele Menschen einer Arbeit nachgehen und diese eine möglichst hohe Sinnhaftigkeit und Wertschöpfung besitzt. Von diesen Zusammenhängen wollen unsere Politiker nichts wissen, eher die ganze Welt retten und die unterstützen, die keiner Arbeit nachgehen wollen oder sollen. Verantwortlich sind allein unsere linkssozialistischen Politiker, die mit Vorsatz unseren Wohlstand und die Industrie demontieren. Das Ausmaß ist leider nur wenigen bekannt, die tiefgreifend informiert sind. Wäre es in der breiten Bevölkerung detailliert bekannt, würden Millionen auf die Straße gehen und die Regierung in die Wüste schicken."  Zum Originalkommentar

"Wenn wir alle so wenig arbeiten, wo kommen dann die ganzen Steuergelder her, die unsere politische Elite jedes Jahr sinnlos verballert? Die Steuereinnahmen sind so hoch wie nie. Wie geht das? In dieser Rechnung stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Ich habe mein Leben lang gearbeitet, habe zwei Kinder großgezogen, bin nun in Rente und arbeite immer noch nebenbei, weil es mir noch gefällt. Aber dass viel zu viele faul in der sozialen Hängematte liegen, da muss sich dringend was ändern. Auch dass hier so viele nur herumlungern und kriminell sind, die hier auf Asyl machen und unseren Staat und seine arbeitenden Bürger schamlos ausnutzen, muss schleunigst gestoppt werden. Solange der arbeitende Bürger so viele unsinnige Abgaben und Steuern zahlen muss, wird er nicht noch mehr arbeiten wollen!"  Zum Originalkommentar

"Wie deutsch willst du sein? Ja. Wer will sich denn noch kaputtarbeiten bis ins Burnout oder zum 3. Bandscheibenvorfall, um sich nicht mal mehr einen Urlaub leisten zu können. Die höchsten Sozialabgaben, sehr hohe Steuern, eine immense Inflation in den letzten Jahren. Die Wurst hängt lange viel zu hoch, da ist jeder Hund so schlau und springt nicht mehr. Solange unsere Regierung weiterhin von uns das Geld nimmt und nach oben, unten, links und rechts verteilt, wird diese Entwicklung weitergehen. Evtl. wird das anders, wenn wir noch ein paar Abgaben und Steuern für CO2 zahlen."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Arbeitszeitstatistiken

Mit sechs Prozent Anteil hinterfragen einige Nutzer die im Artikel genannten Statistiken grundlegend. Sie kritisieren, dass alle Lebensabschnitte in die Rechnung einfließen oder Kinder und Rentner in die Erwerbstätigenquote eingerechnet werden. Dadurch werde laut diesen Stimmen das Bild verzerrt und die Sinnhaftigkeit internationaler Vergleiche angezweifelt. Es bleibt Skepsis, ob mit solchen Statistiken tatsächlich eine seriöse Debatte über Arbeitsmoral und Produktivität geführt werden kann.

"Wird hier nur "sozialversicherungspflichtige Arbeit" gezählt?"  Zum Originalkommentar

Sonstige Stimmen

Mit ebenfalls sechs Prozent umfasst dieses Segment nicht zuordenbare oder inhaltlich unscharfe Kommentare.

"Ich denke, das wird niemanden interessieren, solange Geld da ist."  Zum Originalkommentar

Wie viel Arbeit braucht eine Gesellschaft? Ob Sozialstaat, politische Weichenstellungen oder schlicht der Wandel der Werte – Ihre Stimmen zeigen, dass die Frage nach Arbeitsmoral und Leistung weit mehr als nur eine statistische Zahl ist. Wie erleben Sie die Situation in Ihrem Umfeld: Brauchen wir einen neuen Fleißbegriff oder sind die Prioritäten heute einfach andere? Diskutieren Sie mit!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Deutsche arbeiten nur 10 Prozent ihres Lebens: Wir verlieren den Fleiß-Wettlauf!
Jetzt mitreden