"Bemerkenswerter Aufstieg!": Leser feiern Karriere von Finanzchefin

Ein persönlicher Karriereweg sorgt für Diskussionen: Im FOCUS-online-Interview berichtet Marion Calic von ihrem Weg von der Hauptschule zur Head of Finance und übt scharfe Kritik am deutschen Schulsystem. In den Kommentaren stehen zwei Meinungsbilder im Vordergrund: Während viele Leserinnen und Leser den persönlichen Antrieb, Ehrgeiz und die individuelle Leistung hervorheben, sehen andere grundlegende Defizite im deutschen Bildungssystem und fordern Reformen. Zusätzlich werden Fragen zur sozialen Herkunft und zu modernen Bewerbungsverfahren diskutiert. 

Zustimmung zu individueller Karriereleistung

Mit 51 Prozent der Stimmen betonen viele Leser die Bedeutung von persönlichem Einsatz, Fleiß und Ehrgeiz für den beruflichen Erfolg. Sie loben den Werdegang von Marion Calic als herausragendes Beispiel dafür, dass Motivation und Durchhaltevermögen selbst ohne höhere Schulabschlüsse zu einer erfolgreichen Karriere führen können. Mehrere Kommentierende sehen diese Geschichte als Beweis, dass Aufstieg auch mit alternativen Bildungswegen möglich ist, wenn man Chancen ergreift und sich weiterentwickelt. Gleichzeitig wird anerkannt, dass solche Fälle nicht die Regel, aber eine Inspiration für andere sind. Besonders hervorgehoben werden praktische Fähigkeiten und der Wille, Verantwortung zu übernehmen – gerade in einer Arbeitswelt, die Flexibilität verlangt.

"Bemerkenswerter Aufstieg! Ich wette, manchen Bundestagsabgeordneten wäre dies nicht gelungen. Aber deren Karriere begann nach abgebrochener Schule, ohne Berufsausbildung oder Studium ohne Abschluss in der Politik! So kommt man dann bei bestimmten Parteien dank Landesliste in den Bundestag"  Zum Originalkommentar

"Ja mega, der Werdegang ist 1 zu 1 wie meiner. Auch Hauptschule, Bürokauffrau und dann als Buchhalterin selbstständig gemacht. Mit 32 habe ich aber noch den Bilanzbuchhalter abgeschlossen. Nächstes Jahr werde ich 50 und lebe ab dann nur noch von meinem Vermögen. Nachdem die Kinder nun eigenverantwortlich leben, ist mein Ziel nur noch, die Welt zu bereisen."  Zum Originalkommentar

"Im Berufsleben erfolgreich zu sein bedeutet, Transferleistung zu erbringen, erlerntes Wissen auf neue Sachverhalte zu übertragen und Lösungen zu finden."  Zum Originalkommentar

"Der Berufsweg von Frau Marion Calic ist beeindruckend und zeigt wirklich die Punkte auf, die es ankommt: Die Bereitschaft, Neues zu lernen! Die Bereitschaft, Verantwortung, auch für das eigene Handeln, zu übernehmen! Die Bereitschaft, lösungsorientiert zu arbeiten! Ich wünsche ihr, dass sie diese Offenheit und Neugierde auf neue Aufgaben behält und die Chance bekommt, im Top-Management eines Unternehmens zu arbeiten! Menschen wie Marion Calic sind ein Gewinn für jedes Unternehmen, das ihr eine Chance gibt!"  Zum Originalkommentar

Kritik an deutschem Schulsystem

Mit einem Anteil von 22 Prozent heben zahlreiche Kommentierende hervor, dass das deutsche Schulsystem zu wenig auf verschiedene Begabungen und Lernmethoden eingeht. Häufig wird moniert, die schulische Praxis setze zu früh auf Auslese und orientiere sich zu stark an theoretischem Wissen, statt praktische Begabungen zu erkennen und zu fördern. Kritiker sehen das System zunehmend als Sortier- statt als Fördereinrichtung und fordern mehr Offenheit für unterschiedlichste Lebensläufe. Als problematisch werden auch die mangelnde Anpassung an gesellschaftlichen Wandel, der Stellenwert von Noten sowie zu einseitige Förderung durch Lehrer genannt. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die alternative Bildungswege oder die Bedeutung guter Lehrkräfte hervorheben.

"Eine Hauptschule in den 60 und 70er Jahren ist mit der von heute nicht mehr vergleichbar. Da hat der Abschluss teilweise noch für Bürojobs gereicht. Die heutige Hauptschule ist schon fast Förderschule."  Zum Originalkommentar

"Früher haben wir größtenteils für das Leben gelernt, heute lernen die Kinder die jeweiligen politischen Einstellungen der Lehrer vorgegeben von den Kultusministerien. Was muss man von einem Kultusminister / Ministerin halten, die jahrelang im Ranking der Länder auf Platz 13 steht, ohne sich zu fragen, warum das so ist und was er/sie evtl. falsch macht, dass es sich nicht ändert? Zu faul oder zu dumm, einen Kollegen zu fragen oder eigentlich an der Sache gar nicht interessiert?"  Zum Originalkommentar

"Es ist schade, wie viel Potential unser Schulsystem verplempert. Es gibt Menschen, die "praktisch" denken. Es gibt die, die in Bildern denken. Und die, die abstrakt denken. Darüber hinaus gibt es vermutlich noch viele andere. Das Schulsystem kennt traditionell nur eine Art. Bewundernswert, wie diese Frau sich durchgesetzt hat. Auch ihre absolut bodenständige Argumentation gefällt mir."  Zum Originalkommentar

"Wenn es nach dem Schulsystem gegangen wäre, dann bin ich zu "dumm" für Mathe, Physik und Englisch und wäre wohl auf der Hauptschule am besten aufgehoben gewesen. Heute bin ich doppelter Meister in der Luftfahrzeugelektronik und spreche jeden Tag Englisch und habe immerhin Fachabitur. Noten sind halt nicht alles. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ein großer Teil am Lehrer liegt und an der Art, wie Wissen vermittelt wird. Ich bin z. B. erst aufgeblüht, als das Thema "Erwachsenenbildung" aufkam. Jeder lernt so für sich. Das ist mehr meins, als auf Druck und Zeit Eckenrechnen zu spielen und dabei als Letzter ausgelacht zu werden oder an der Tafel angeschrien und bloßgestellt zu werden."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Schulsystemkritik

Sieben Prozent der Leser vertreten die Meinung, dass der Karriereweg von Marion Calic keinen Beleg für systemisches Versagen ist. Vielmehr sehen sie darin einen Beweis für die Wirksamkeit persönlicher Anstrengung und den individuellen Charakter von Erfolgswegen. Wiederholt wird argumentiert, dass Leistungsbereitschaft und der Wille, mehr zu erreichen, von zentraler Bedeutung sind. Für viele bedeutet dieser Einzelfall keine Rechtfertigung für eine grundlegende Schulsystemkritik – im Gegenteil, sie sehen darin sogar eine Bestätigung, dass sich Einsatz auszahlt.

"Und warum blamiert das unser Schulsystem? Zum damaligen Zeitpunkt war die Hauptschule wohl die richtige Wahl. Es zeigt halt nur, dass man trotzdem mit viel Fleiß und Anstrengung etwas erreichen kann."  Zum Originalkommentar

"... vollkommen falsche Schlussfolgerung... das blamiert nicht unser System, sondern zeigt, dass man mit Fleiß, Ehrgeiz und Beharrlichkeit Erfolg in unserem System haben kann... die meisten wollen ja heutzutage, obwohl faul und antriebslos, den gleichen Erfolg bzw. Lebensstandard haben, aber das funktioniert eben nicht ..."  Zum Originalkommentar

"Es ist schön zu sehen, dass es immer wieder Menschen sehr weit nach oben schaffen, obwohl sie keinen dazu klassischen Werdegang aufweisen. Diese absolute(!) Ausnahme ist aber nicht geeignet, irgendwelche Kritik am deutschen Schulsystem (das tatsächlich immer weiter durch ideologiegetriebene Ahnungslose kaputtreformiert wurde) oder dem Wirtschaftssystem und seinen Regeln daraus abzuleiten, sondern bestätigt nur den Regelfall."  Zum Originalkommentar

Kritik an Bildungschancen und Herkunft

Sechs Prozent der Diskutierenden konzentrieren sich auf die Rolle der sozialen Herkunft für den Bildungserfolg. Sie argumentieren, dass hochwertige Bildung in Deutschland häufig von der Familie abhängt, und kritisieren, dass das Schulsystem diese Differenzen eher verstärkt als ausgleicht. Intelligenz und Bildungserfolg werden voneinander getrennt betrachtet; nicht selten erhalten leistungsfähige Schüler aus bildungsferneren Haushalten zu wenig Förderung. Die Kommentatoren sehen hier einen dringenden Handlungsbedarf, damit Chancen für alle verbessert werden.

"Mal ganz grundsätzlich, Bildung und Intelligenz sind zunächst zwei ganz unterschiedliche Themen. Es gibt sehr wohl wirklich intelligente Menschen, denen im Leben wenig Bildung zuteil wurde. Andersherum gibt es gar nicht selten den Fall, dass ein mäßig intelligenter Mensch via Elternhaus ein Level an Bildung verpasst bekommt, welches den Intellekt desjenigen übersteigt. Hochwertige Bildung ist leider nicht selten eine Frage der Herkunft, insbesondere in Deutschland. Ganz unabhängig von der jeweils nutzbaren Intelligenz."  Zum Originalkommentar

"Hochwertige Bildung ist leider nicht selten eine Frage der Herkunft, insbesondere in Deutschland."  Zum Originalkommentar

"Die Frage sollte eigentlich sein: Was kann Schule eigentlich noch leisten, wenn im Zuhause nahezu sämtliche Erziehungsarbeit eingestellt wird und die Eltern immer weniger Verantwortung übernehmen - und das bei immer mehr steigenden Schülerzahlen pro Klasse? Die heimlichen Erzieher sind da auch nicht besonders hilfreich ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Personal- und Bewerbungsverfahren

Ebenfalls sechs Prozent der Stimmen beschäftigen sich mit dem Einfluss von automatisierten Bewerbungsverfahren und formalen Kriterien. Nach Ansicht vieler werden so gerade die Bewerber aussortiert, die praktische Fähigkeiten, Erfahrung und Engagement mitbringen – wie es Marion Calic im Artikel schildert. Die Leser fordern von Unternehmen und Institutionen, ihre Auswahlprozesse zu überdenken und auch echten Erfahrungshorizont stärker einzubeziehen. Sie geben zu bedenken, dass künstliche Intelligenz und festgefahrene Routinen individuelle Talente und Quereinsteiger benachteiligen.

"Heute stellt die Personalabteilung konsequent Menschen ein, die die formalen Bedingungen erfüllen. Dann hat man auch alles richtig gemacht, selbst wenn das Ganze schiefgeht. Darum werden persönliche Fähigkeiten und Erfahrungen kaum mehr beachtet."  Zum Originalkommentar

"Jo, in der Unternehmen, kann das so funktionieren, wenn man etwas Glück hat und auch selbst geschickt agiert. Im öffentlichen Bereich geht es gar nicht, es sei denn, man kommt über die Politik."  Zum Originalkommentar

Sonstige Stimmen

Acht Prozent der Kommentare bewegen sich außerhalb der eigentlichen Schwerpunktdebatten. Sie äußern sich allgemein oder stellen den Bezug zwischen individuellem Erfolg und gesellschaftlichen Strukturen infrage. Manche Meinungen greifen aktuelle politische Entwicklungen oder persönliche Einschätzungen zur Karriere von Marion Calic auf, ohne sich eindeutig auf das Schulsystem, Bewerbungsmethoden oder soziale Herkunft zu beziehen.

Marions Karriereweg sorgt für viele Facetten – ist er Ausnahme, Vorbild oder Beleg für Reformbedarf? Wie beurteilen Sie den Einfluss von Schulabschluss, Herkunft oder Bewerbungsprozessen auf Chancen im Berufsleben? Teilen Sie Ihre Sicht: Welche Faktoren entscheiden über Erfolg in Deutschland?

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Von der Hauptschule zur Finanzchefin: Marions Aufstieg blamiert unser Schulsystem
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