Das Baudenkmal ist nicht sicher, das Betreten seit Jahren verboten. Immerhin, noch trotzt der Mangfallsteg bei Weyarn dem Zusammenbruch. Doch wie lange hält die erste Stahlbetonbrücke der Region, erbaut 1910, noch durch? Unklare Besitzverhältnisse blockieren die überfällige Sanierung. Jetzt hat sich der Kreisbaumeister eingeschaltet.
Weyarn – Für viele Weyarner ist es ein Trauerspiel. Seit fast zehn Jahren können sie „ihren“ Mangfallsteg nicht mehr nutzen, die Gemeinde sperrte ihn 2016 wegen Einsturzgefahr. „Wir sind für die Sicherheit verantwortlich, da geht‘s auch um Haftungsfragen“, betont Bürgermeister Leo Wöhr.
Sehr gerne würde das Rathaus das historische Bauwerk, einst als Arbeitsweg gebaut und seit 2023 als Baudenkmal gelistet, gründlich sanieren und wieder zugänglich machen. Wöhr sieht die Gemeinde hier sogar in der Pflicht, weil sich die Vorgängergemeinde Wattersdorf einst verpflichtete, den Unterhalt der Brücke zu übernehmen. 200 000 Euro sind dafür seit Jahren im Haushalt hinterlegt. „Aber die Rechtsverhältnisse da unten sind kompliziert“, sagt Wöhr.
Brücke liegt auf Privatgrund
Entscheidend ist, dass die Brücke komplett auf Privatgrund liegt. „Beim Bau 1910 wurde vergessen, die Brücke und ihre Zuwegungen dinglich im Grundbuch zu sichern“, sagt der Bürgermeister. Der heutige Grundbesitzer sei bisher nicht bereit gewesen, eine Sanierung zuzulassen. Die Mangfall gilt als „Eigentümerfluss“, sie gehört jeweils bis zur Flussmitte zu den Ufergrundstücken. „Ohne Grundeigentümer geht nichts“, stellt Wöhr klar, „alle Verhandlungsangebote wurden leider ausgeschlagen.“
Eine neue Situation ergab sich, als das Bauwerk 2023 vom Landesamt für Denkmalschutz in die Denkmalliste aufgenommen wurde. „Der Anstoß kam nicht von der Gemeinde“, betont Wöhr. Seitdem jedoch ist Kreisbaumeister Christian Boiger qua Amt zuständig für den Erhalt des schützenswerten Bauwerks. „Die Brücke darf auf keinen Fall zusammenbrechen“, stellt er auf Anfrage klar, „sie ist als eine der ersten Stahlbetonbrücken Deutschlands sehr bedeutend.“ Für die damalige Zeit sei diese Art zu bauen „fast schon revolutionär“ gewesen.
Stahlbeton um 1910 noch fast unbekannt
Auch Boiger konnte den Knoten bisher aber nicht lösen. „Es herrschen unter den Beteiligten verschiedene Auffassungen.“ Die Mangfall als Eigentümer-Fluss, die zudem ihren Verlauf geändert hat, die Brücke offiziell in Privatbesitz, die Zuwegung für eine mögliche Sanierung nicht gesichert – „komplizierte Verhältnisse“, weiß Boiger. Doch der Kreisbaumeister hat Hoffnung. „Ich sehe eine Chance, dass sich was bewegt.“ Es gehe darum, gemeinsam eine Lösung zu finden. „Vielleicht klärt sich da bald was.“
Gebaut wurde die Brücke vor 115 Jahren von der königlichen Sektion für Wildbachverbauungen, mitfinanziert von den umliegenden Gemeinden Wattersdorf, Gotzing und Valley. Denn ihre Bürger nutzten den Steg, um zur Arbeit zu kommen und einzukaufen. Der heute verschwundene Zentralort Thalham bot damals Fabrik-Arbeitsplätze und einen großen Holzumschlage-Bahnhof.
(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Holzkirchen-Newsletter.)
„Mutig, ja fast revolutionär“ gingen die Baumeister anno 1910 die Konstruktion an, wie Boiger feststellt. Um die 30 Meter des Hauptbogens und die beiden Vorbögen zu überspannen, setzten die Konstrukteure auf das damals noch fast unbekannte Stahlbeton-Verfahren, das eine vergleichsweise filigrane Gestaltung ermöglichte. „Und sie hat bis heute gehalten“, betont der Kreisbaumeister. Umso wichtiger sei jetzt eine baldige Sanierung.
Später diente der Steg als wichtiger Brückenschlag für Spazierrunden rund um Weyarn. „Besonders Einheimische vermissen diese Verbindung“, weiß Wöhr. Die Gemeinde stehe für Lösungen bereit, habe auch schon Gutachten bezahlt.
Der Bürgermeister geht von Sanierungskosten in Höhe von rund 400 000 Euro aus. „Für den Erhalt von Denkmälern gibt es Fördertöpfe“, sagt Boiger. An eine schnelle Lösung glaubt Wöhr, der 2026 sein Amt abgibt, aber nicht mehr. „Das wird eine Aufgabe für meinen Nachfolger.“ avh