Es geht um jeden Zentimeter: Christian Saxinger hütet die Greens des Golfclubs Valley. Dabei muss sein Team genau darauf achten, wo das Gras wie hoch stehen darf. Und nicht zu vergessen: Auch die Bunker wollen gepflegt sein.
Valley – Es ist 4 Uhr früh, für die meisten noch mitten in der Nacht, wenn der Wecker Christian Saxinger aus dem Schlaf holt. Eine knappe Stunde später, da beginnt die Sonne im Sommer gerade erst vorsichtig am Horizont aufzutauchen, ist für ihn Arbeitsbeginn. Der 36-jährige Wettlkamer ist Head-Greenkeeper im Golfclub Valley und damit für die Pflege des 130 Hektar großen Golfgeländes südöstlich von Holzkirchen verantwortlich.
Wenn Saxinger und sein zwölfköpfiges Team morgens mit ihren Maschinen die Werkshalle verlassen, sieht das fast wie ein Start bei einem Formel 1-Rennen aus – allerdings ganz ohne Zuschauer. Sein Publikum, die Golfspieler, stehen erst ab 7 Uhr auf den Abschlägen der insgesamt 36 Spielbahnen in Oberlaindern und erwarten dann bestens präparierten Rasen. „Das schaffen wir natürlich in der Kürze der Zeit nicht ganz“, erzählt er. Zumindest sorge man dann aber für so wenig Kontakt wie möglich zu den Spielern. „Denn Greenkeeper und Golfer verbindet so etwas wie eine Art Hassliebe – wir können nicht ohne die Spieler, aber die können auch nicht ohne uns“, sagt Saxinger verschmitzt mit einem Augenzwinkern.
Auch wenn die ungefähr 85 Mäher, Maschinen und Traktoren mit einem Gesamtwert von weit über zwei Millionen Euro ein Hoch-/Tiefbauunternehmen vermuten lassen, sind beim Greenkeeping Feingefühl und fast schon mathematisches Geschick gefragt. „Das längste Gras auf dem Platz ist das Rough zwischen den Bahnen. Hier mähen wir in der Regel nur zweimal im Jahr“, erzählt Saxinger. Öfter wäre auch schade, denn das sich im Wind wiegende Dünengras gibt dem Valleyer Alpen-Links-Kurs erst seine wildromantische Charakteristik. „Das Semi-Rough halten wir aber bei ungefähr 80 Millimeter Länge, das Fairway darf nicht höher als 16 Millimeter wachsen und die Vorgrüns sogar nur zehn“, verrät Saxinger.
Bei der Wuchshöhe der verschiedenen Platzsegmente geht es genau zu. Die heiligsten Bereiche jedes Golfplatzes sind aber die Grüns. „Die befreien wir vom Morgentau und halten sie auch konstant auf einer Schnitthöhe von zwei bis vier Millimeter.“ Alle Greens werden auch regelmäßig gedüngt und zweimal im Jahr geritzt und gesandet. Beim Stichwort Sand weist Saxinger noch auf die über 109 Bunker auf der ganzen Anlage hin, die ebenfalls regelmäßig gepflegt werden müssen. „Zur neuen Saison haben wir sogar sämtliche Bunker erneuert. Das waren dann insgesamt 200 Sattelzüge mit fast 5000 Tonnen Sand, die wir hier bewegt haben“, verrät er nicht ohne Stolz den Riesenaufwand, der hier betrieben wurde. „Auch wenn Golf in erster Linie ein Sommer-Sport ist, geht bei uns die Arbeit auch in der kalten Jahreszeit nicht aus“, merkt Saxinger an. Da werden nicht nur die ,Greens gekeept’, sondern auch die kilometerlangen Bewässerungsanlagen und die dazugehörige Elektrik gewartet und das Clubhaus samt Restaurant und Parkplatz gepflegt. „Und im Winter müssen wir dort auch Schnee räumen und die Zufahrt freihalten. Denn hier wird Golf dann indoor gespielt, im Fitnesscenter Kraft getankt, und unser Physiotherapeut kümmert sich um seine Patienten.“
Einen besonders wichtigen Menschen will der 36-Jährige am Ende nicht unerwähnt lassen. Wenn er abends müde nach Hause kommt, muss er zumindest hier nicht mehr den Rasen mähen. In Wettlkam ist nämlich seine Verlobte mit grünem Daumen für den perfekten Schnitt verantwortlich. Saxinger: „In unserem Garten ist meine Gisi einfach der beste Greenkeeper der Welt.“
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