"Grob fahrlässig, wenn man das falsche Material verwendet"

Ein tragischer Brand in einem Schweizer Club wirft viele Fragen auf. Im Interview mit FOCUS online erklärt ein Sachverständiger mögliche Ursachen und zieht Vergleiche zu vergleichbaren Katastrophen. Unsere Leser diskutieren die Verantwortung der Betreiber und die Qualität der verwendeten Baumaterialien. Während ein großer Teil die Betreiber und Behörden scharf kritisieren, betonen andere die Rolle von Normen und den Einfluss importierter Materialien. Die Meinungsbilder spiegeln eine Grundstimmung wider, in der das Bedürfnis nach Aufklärung und mehr Sicherheit dominiert.

Kritik am Betreiber

Mit 32 Prozent bildet die Kritik an der Verantwortung der Betreiber das größte Meinungsbild. Viele Leser legen den Fokus klar auf das aus ihrer Sicht fahrlässige Verhalten der Inhaber und mahnen fehlende oder unzureichende Brandschutzmaßnahmen im Club an. Besonders die Verwendung leicht entflammbarer Materialien und mutmaßliche Profitgier stehen im Zentrum des Vorwurfs. Aus den Kommentaren spricht nicht nur Enttäuschung über das tragische Unglück, sondern auch der Ruf nach deutlich strengeren Kontrollen und konsequenteren strafrechtlichen Folgen für alle Verantwortlichen – einschließlich Betreiber und potenziell auch Behörden. Bezug genommen wird dabei direkt auf die im Artikel beschriebenen Baumaterialien und auf die Aussagen zum Loslösen von Vorschriften.

"Also für mich sieht die Decke aus, als hätte man dort normale Akustikdämmmatten aus dem Boxenbau angeklebt. Im Video ist zu sehen, wie das Material schmilzt und brennend zu Boden tropft. Das steht im krassen Widerspruch zu jeder Brandschutzvorschrift. Da hat jemand gespart, um seine Rendite zu erhöhen. Den Betreiber sollten sie lieber gleich mal verhaften, damit er sich nicht ggf. versehentlich absetzt."  Zum Originalkommentar

"Bei so einer Lokalität ist eine F90 Decke (Brandwiderstand 90 min) zwingend vorgeschrieben… Betreiber sofort verhaften!"  Zum Originalkommentar

"Das Ereignis macht mich sehr betroffen, weil so viele junge Menschen wegen unzureichendem Brandschutz zu Tode gekommen oder für ihr Leben gezeichnet sind. Schaut man sich auf Tripadvisor die Bilder vom Betreiber an, sieht man, dass die ganze Decke zum Schallschutz mit Pyramidenschaum beklebt ist. Wäre der z.B. aus Basotech, wäre er schwer entflammbar und würde bei einem Brand nicht brennend von der Decke tropfen. Das ist grob fahrlässig, wenn man das falsche Material verwendet! Wenn man viele Menschen in einen Raum steckt, ist Brandschutz das Wichtigste. Bestätigt sich der hier geäußerte Verdacht, stellt sich die Frage: Wie viel Leid hätte verhindert werden können bei den Betroffenen, aber auch bei den Rettungskräften, die diese Bilder nie mehr vergessen können? Jetzt ist es leider zu spät."  Zum Originalkommentar

"Neben der tiefen Traurigkeit über den Tod von so vielen jungen Menschen macht sich bei mir eine riesengroße Wut über das Geschehen breit. Als Hauptfeuerwehrmann ist es unbegreiflich, wie man ahnungslose Menschen aus Profitgier in so eine Falle gelockt hat. Ich hoffe für alle Verantwortlichen, dass diese lebenslänglich bekommen. Für die Betreiber und auch für die, welche für den Brandschutz verantwortlich sind! Nur eine Treppe! Mit offenem Feuer spielen! Hoch- und schnellentzündbare Einrichtung! Dafür opfert man das Leben vieler Menschen. Hoffentlich werden jetzt in dem Ort alle anderen Bars usw. sofort überprüft, wenn nicht gleich mit bestrafen!"  Zum Originalkommentar

Kritik an Brandschutz und Materialien

Einige Leser (21 Prozent) nehmen besonders die verwendeten Baumaterialien und die Einhaltung der Brandschutzvorgaben ins Visier. Sie monieren, dass im Artikel von typischen Fehlerquellen wie leicht entflammbaren Schaumstoffen und Kunststoffen berichtet wird, die das Risiko einer Brandkatastrophe erhöhen. Viele diskutieren, wie solche Materialien in öffentlichen Räumen überhaupt eingesetzt werden konnten, und ziehen Parallelen zu bekannten Fällen wie dem Hochhausbrand in England. Dabei fordern sie eine konsequentere Überprüfung und Auswahl sicherer Baustoffe und sehen den Fall als Mahnung für strengere Regeln.

"Das mit dem Styropor an der Decke ist in der Tat die plausibelste Erklärung. Ich kenne Brandversuche, die das bestätigen."  Zum Originalkommentar

"Erinnert an den Brand in England, als leicht brennbarer Kunststoff für die Fassade eines Hochhauses verwendet wurde. Den Deutschen wird oft Hysterie beim Brandschutz nachgesagt. Eine solche Katastrophe veranlasst die Kritiker hoffentlich, nochmals darüber nachzudenken."  Zum Originalkommentar

"Sicher solches Styropor, wie es in den 90ern auch in Deutschland verbaut wurde und auch noch heute unter der Decke ist. Wirklich schlimme Katastrophe, die zeigt, wie gefährlich Brände sind."  Zum Originalkommentar

"Eigentlich darf in einem solchen Falle überhaupt nichts Brennbares verbaut werden. Es gibt genug Materialien, mit denen das möglich ist."  Zum Originalkommentar

Zustimmung zu Expertenmeinungen

Manche Leser  (14 Prozent) bestätigen die dargestellten Ursachen für die schnelle Ausbreitung des Feuers und unterstreichen, dass die Verbindung von brennbaren Baumaterialien und offener Flamme eine Katastrophe geradezu begünstigt. In mehreren Kommentaren wird auf ähnliche Fälle verwiesen, zudem sehen sie professionelle Brandursachenermittlung als zentralen Bestandteil der Aufarbeitung an. Viele Beiträge zeigen Verständnis für die Komplexität des Sachverhalts und plädieren für mehr Sensibilisierung im Umgang mit Brandrisiken.

"Du musst kein großer Experte sein, um zu erkennen, dass eine regional typische Inneneinrichtung aus Holz, eine später eingebrachte Schallisolierung o.ä. aus Kunststoff, diverses Dekomaterial, eine Hochleistungslüftung und achtlos vergossenes Hochprozentiges in einer Katastrophe enden, wenn es mit einer brennenden Wunderkerze in Berührung kommen sollte."  Zum Originalkommentar

"Klingt sehr plausibel, Holz brennt nämlich nicht so schnell. Die leicht brennbare Decke führte dann zu einem Flashover."  Zum Originalkommentar

Kritik an Behörden und Kontrolle

Elf Prozent der Kommentare beschäftigen sich mit der Rolle der Behörden und Aufsichtsstellen. Die Nutzer fragen kritisch, ob staatliche Stellen ausreichend kontrolliert haben und ob individuelle Regelungen, wie sie laut Artikel in der Schweiz üblich sind, wirklich mehr Sicherheit bringen. Konkret wird bemängelt, dass möglicherweise Mängel bei der Fluchtwegeplanung und eine tolerierte Nutzung brennbarer Materialien von Ämtern nicht verhindert wurden. Einzelne verweisen zudem auf eine Kluft zwischen Vorschriften und ihrer tatsächlichen Umsetzung.

"Wenn so eine Katastrophe passiert, gibt es auch Gründe dafür, und im Wallis dürfte klar sein, wieso so viele Tote, nur ein Ausgang und unzulässige hochentflammbare Baumaterialien, alles das wurde von irgendwelchen Behörden widerrechtlich toleriert. Bin gespannt, ob die Opferanwälte da Erfolg bei der Aufdeckung und Schadensersatz haben."  Zum Originalkommentar

"„… In der Schweiz wird der Brandschutz sehr individuell und objektbezogen bewertet. Es gibt dadurch auch weniger Abweichungen von den Regeln...“ Wie muss man das jetzt verstehen? Aus meiner Sicht sind deshalb eher „mehr“ Abweichungen möglich."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Expertenaussagen

Ebenfalls mit elf Prozent vertreten sind Stimmen, die den im Artikel interviewten Experten kritisch hinterfragen. Die Kommentierenden geben zu bedenken, dass ohne einen Vor-Ort-Besuch kein abschließendes Urteil möglich sei. Es wird auch darauf verwiesen, dass die Funktion des Experten als Brandursachenermittler keine unmittelbare Brandschutzkompetenz impliziert. 

Lob der Rettungskräfte

Sieben Prozent der Kommentare würdigen in erster Linie das Engagement der Rettungskräfte, Ärzte und Helfer. Leser betonen, dass der Einsatz während und nach der Brandkatastrophe hohen Respekt verdient. Besonders hervorgehoben werden auch die menschlichen und psychologischen Belastungen der Helfenden und der Wunsch, aus der Tragödie Lehren im vorbeugenden Brandschutz zu ziehen.

"Danke allen für Rettungskräften, Ärzten, Piloten und oft ehrenamtlichen Helfern"  Zum Originalkommentar

"40 Tote bisher, jeder Einzelne ist einer zu viel. Bei den vielen Schwerstverbrannten wird es wohl nicht bei den 40 bleiben, die nächsten 5 Tage entscheiden. Sehr schlimm! Festes Holz wird nicht das Anfangsproblem gewesen sein, aber der Kunststoff. Wenn sich der bei Hitze verflüssigt und auf die Haut gelangt... Ich hoffe, man zieht die Lehren daraus. Tätigkeiten im Rettungsdienst und Krankenhaus prägen und sensibilisieren."  Zum Originalkommentar

Kritik an Produktimport und Normen

Mit vier Prozent schließt dieses Lager die Diskussion mit einer globalen Perspektive: Im Visier standen die Importeure und Hersteller von billigen, oft ungeprüften Deko- und Baumaterialien, die aus asiatischen Ländern nach Europa kommen. Die Leser warnen davor, dass mangelnde Kontrollen und die gezielte Umgehung von Normen dazu führen, dass gefährliche Produkte zum Einsatz kommen und Katastrophen wie in Crans-Montana begünstigen. Außerdem werden wirtschaftliche Auswirkungen wie Arbeitsplatzverluste angesprochen.

"Schon seit Jahren kommen aus Asien ungehindert Dekoartikel ungeprüft und mit giftigen Inhaltsstoffen nach Europa! Während europäische Hersteller und Importeure strenge Richtlinien einhalten müssen! Sind durch den chinesischen Direktverkauf den lebensgefährlichen Produkten Tür und Tor geöffnet. Schutzmechanismen durch Industrienormen und TÜV-Prüfungen werden gezielt umgangen und somit landen die gefährlichen Dekoartikel in unserem direkten Umfeld! Damit muss endlich Schluss sein! Es vernichtet nicht nur Arbeitsplätze, sondern tötet Menschen!"  Zum Originalkommentar

Diskutieren Sie mit und bringen Sie Ihre Sicht in die Debatte um Brandschutz, Kontrollen und öffentliche Sicherheit ein!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Sofort tödlich: Experte erklärt Inferno von Crans-Montana durch Detail aus Brand-Video
Jetzt mitreden
Информация на этой странице взята из источника: https://www.focus.de/die-debatte/grob-fahrlaessig-wenn-man-das-falsche-material-verwendet_3a9ca33b-656d-4fd5-981d-b2156b99fbdc.html