Pläne für Gewerbegebiet in Haar: Finckwiesen-Anwohner alarmiert

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Online nehmen rund 100 Bürger teil an der Bürgerversammlung – mehr als im Saal. © Robert Brouczek

Haar braucht Einnahmen aus neuen Gewerbebetrieben. Bei der Bürgerversammlung äußern Anwohner der Finckwiese Bedenken.

Haar – Noch ehe die Planung für ein Gewerbegebiet im vorderen Bereich der Finckwiese in Haar entlang der Wasserburger Straße (B304) steht, sorgen sich Anwohner aus der Tannenhofsiedlung um eine Bebauung des hinteren Bereichs entlang der Grasbrunner Straße (B471) in einer „Phase 2“. In der Bürgerversammlung sind Andreas Dingler und Peter Seitz damit an die Öffentlichkeit gegangen und haben einen Flyer präsentiert: „JA zur nachhaltigen Entwicklung, Natur und Naherholung – NEIN zur Phase II“.

Bürgermeister Andreas Bukowski betont, wie wichtig es für Haar sei, Gewerbe anzusiedeln

Bürgermeister Andreas Bukowski hatte vorher mehrfach betont, wie wichtig es für Haar sei, Gewerbe anzusiedeln, um die Finanzen der Gemeinde wieder auf ein solideres Fundament zu setzen. Seit dem Wegzug des größten Gewerbesteuerzahlers, des Pharmaunternehmens MSD nach Berg am Laim, hat Haar ein strukturelles Einnahmeproblem.

Finckwiese ein Filetgrundstück

Die rund 20 Hektar große Finckwiese am östlichen Ortsrand, bislang im vorderen Bereich Maisacker, im hinteren teils bewaldet, ist ein Filetgrundstück. Im Gemeinderat war man sich lange einig, dass man diese Fläche für ein besonders Projekt reserviert. Mit BMW hat es 2016 nicht geklappt, 2021 auch nicht mit dem Raketenbauer Isar Aerospace, der jetzt nach Vater㈠stetten zieht.

Flächennutzungsplan ändern

Mit einem neuen Konzept soll es klappen, im vorderen Bereich auf rund acht Hektar, wofür Haar den Flächennutzungsplan ändern will. „Wir brauchen die Gewerbeflächen dringend“, sagte der Bürgermeister. Peter Seitz aus der Tannenhofsiedlung empfahl der Gemeinde für diese „Phase 1“ ein vorhabenbezogenes Planungsverfahren, um mehr Einfluss auf den Grundstückseigentümer, die Doblinger Industriebau AG (DIBAG) nehmen zu können. „Das wäre der Königsweg“, stimmte Bukowski zu. Die Gemeinde erwarte eine ökologisch-nachhaltige Planung.

Protest gegen Bannwald-Rodung

Wobei es bereits Proteste samt Demo vor dem Bürgerhaus gegeben hat. Denn für eine zweite Zufahrt zur Finckwiese, die das staatliche Bauamt Freising fordere, wie Bukowski sagte, müssten rund 3600 Quadratmeter Wald gefällt werden. Wofür Ersatz an anderer Stelle gepflanzt werde, und zwar 20 Prozent mehr, als Fläche gerodet werden müsste.

Anwohner sehen „Phase 2“ skeptisch

Bei einer möglichen „Phase 2“, wenn auch noch sehr unkonkret, wäre aber mehr Wald betroffen. In diesem rund neun Hektar großen südlichen Teil sollte unbedingt etwas Schöneres und Ökologischeres entstehen als eine reine Baufläche, sagte Anwohner Andreas Dingler. Bürgermeister Bukowski erklärte, dass er für eine Gesamtplanung wäre, im Dialog auch mit den Haarern aus der Tannenhofsiedlung.

10,9 Millionen Euro Schlüsselzuweisungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich

Den Grünen im Gemeinderat schwebt zum Beispiel eher eine Mischung aus Gewerbe, Wohnen und Grün vor, ein lebendiges Viertel. Wobei Bukowski bei der Bürgerversammlung auch CSU-Fraktionschef Dietrich Keymer zitierte: „Wohnen kostet, Gewerbe bringt.“ Und Haar braucht Einnahmen. 2025 ist die Gemeinde sogar auf Schlüsselzuweisungen vom Freistaat angewiesen, bekommt 10,9 Millionen Euro aus dem Kommunalen Finanzausgleich.

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