Von Fahrradstraße bis Fußgänger-Überwege: Fünf „Impulse“ für mehr Verkehrssicherheit

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Wird die Friedrich-Ebert-Straße von der Bahnhofstraße bis zur Stadthalle zu einer Fahrradstraße? Dies ist eines von fünf „Impuls㈠projekten“ des jüngst im Stadtrat beschlossenen Mobilitätskonzepts. © Wolfgang Schörner

169 Maßnahmen umfasst das neue Penzberger Mobilitätskonzept. Im Zentrum stehen fünf „Impulsprojekte“. Sie handeln von einer „unechten Fahrradstraße“, sicheren Querungen am „Schloßbichl“, Mobilitätsstationen, einer Umgebung für die Innenstadt und vom Knotenpunkt, der ins Industriegebiet Nonnenwald führt.

Der Penzberger Stadtrat hat kurz vor den Sommerferien einstimmig das Mobilitätskonzept beschlossen, an dem zwei Jahre gearbeitet wurde. Den 56-seitigen Endbericht will die Stadt allerdings erst in den nächsten Tagen veröffentlichen. Der Heimatzeitung liegt er nun vor. Er umfasst 169 einzelne Maßnahmen und fünf Impulsprojekte.

In der Stadtratssitzung sagte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU), man könne nicht alle Maßnahmen gleich umsetzen. Bei manchen gehe es einfach und schnell, andere seien kostenintensiv und würden länger dauern. Geschehen wird dies auch nicht automatisch. Bevor eine Maßnahme realisiert wird, muss darüber jeweils der Stadtrat entscheiden.

Umgehung für die Innenstadt

Das gilt laut Korpan auch für den Vorschlag, die Bichler Straße und „Am Schloßbichl“ zur Staatsstraße umzuwidmen. Eine solche Umgehung zur Entlastung der Innenstadt ist, wie berichtet, eines der „Impulsprojekte“ im Mobilitätskonzept. Aktuell wird diese Umwidmung laut Korpan nicht verfolgt. Wenn man so etwas umsetzen möchte, sagte er, würde zuvor das Gremium beraten, es gäbe Untersuchungen, und die Bürger würden mitgenommen. Das dauere Jahre. „Da stecken viel Arbeit, viel Planung und viele Gespräche dahinter.“

Fahrradstraße an der Friedrich-Ebert-Straße

Ein anderes „Impulsprojekt“ im Mobilitätskonzept ist eine „unechte Fahrradstraße“ auf der Friedrich-Ebert-Straße von der Bahnhofstraße bis zur Stadthalle. Für andere Verkehrsarten, also Autos, bliebe sie geöffnet, heißt es. Das Ziel sei, den Radverkehr sicher und attraktiver zu gestalten, zumal dies eine wichtige Verbindung zu Schulen sei. Autofahrer dürften maximal mit 30 Stundenkilometern unterwegs sein und müssten sich der Fahrweise der Radfahrer anpassen, Radler dürften dort nebeneinander fahren. In der Beschreibung heißt es, dass diese Fahrradstraße auch auf die Bürgermeister-Rummer-Straße ausgedehnt werden könnte.

Penzberg - Sichere Querungen für Fußgänger an der Straße „Am Schloßbichl“ sind ebenfalls ein „Impulsprojekt“ des Mobilitätskonzept; im Bild der Geh- und Radweg vom Schlossbichlpark. 5/2021
Sichere Querungen für Fußgänger an der Straße „Am Schloßbichl“ sind ebenfalls ein „Impulsprojekt“ des Mobilitätskonzept; im Bild der Geh- und Radweg vom Schlossbichlpark. © Wolfgang Schörner

Ein weiteres „Impulsprojekt“ sind sichere Fußgänger-Querungen an der Straße „Am Schloßbichl“. Dort gebe es Defizite, heißt es im Konzept. Offen lässt die Beschreibung aber, an welchen Stellen diese Querungen geschaffen werden sollen und ob es sich um Fußgänger-Ampeln, Zebrastreifen oder Mittelinseln handeln soll. Dafür brauche es ein eigenes Querungskonzept, heißt es. Aufgezählt werden sechs potenzielle Stellen: auf Höhe der Seeshaupter Straße, bei der Einmündung der Straße „Am Museum“, bei der bestehenden Mittelinsel, die der Fußweg vom Schlossbichlpark kreuzt, das Umfeld der Krankenhaus-Bushaltestellen, bei der Einmündung der Straße „Im Thal“ und am „Berggeist“-Kreisverkehr.

Penzberg - Eine Vorfahrtsänderung am Knotenpunkt von Nonnenwaldstraße und den Straßen „Wölfl“ und  „Nonnenwald“ ins Industriegebiet Nonnenwald ist ein weiteres „Impulsprojekt“ des Mobilitätskonzepts. 8/2025
Vorfahrtsänderung am Knotenpunkt von Nonnenwaldstraße und den Straßen „Wölfl“ und „Nonnenwald“ ins Industriegebiet: ein weiteres „Impulsprojekt“ im Mobilitätskonzept. © Wolfgang Schörner

Ein viertes „Impulsprojekt“ betrifft den Verkehrsknotenpunkt, von dem der Weg ins Industriegebiet Nonnenwald führt. An der Stelle treffen auf wenigen Metern die Nonnenwaldstraße, die Haselbergstraße, die Kastnerhofstraße sowie die Straßen „Wölfl“ und „Nonnenwald“ aufeinander. Seit Jahren gibt es Forderungen, jenen Autofahrern Vorfahrt zu gewähren, die ins Industriegebiet fahren oder von dort kommen. Einen entsprechenden Umbau des Knotenpunkts schlägt nun auch das Mobilitätskonzept vor. Aktuell, so die Kritik, verlaufe die Vorfahrtsregelung entgegen der Hauptnutzung, die Sicht sei eingeschränkt, und die Verkehrsführung berge „erhöhtes Konfliktpotenzial“ für querende Radfahrer und Fußgänger. Eine veränderte Vorfahrt, heißt es, würde auch verkehrsrechtliche Voraussetzungen für eine Geschwindigkeitsreduktion für „Wölfl“ und Wölflstraße schaffen – dort gab es immer wieder Forderungen nach Tempo 30.

Mobilitätsstationen im Stadtgebiet

Beim fünften „Impulsprojekt“ geht es um „Mobilitätsstationen“, an denen sich zum Beispiel Car- und Bikesharing-Angebote, Scooter und Roller, Radabstellanlagen und E-Ladestationen befinden und die nahe bei Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs liegen.

Gutachten nicht für die Schublade

Die Stadtratsfraktionen lobten das Mobilitätskonzept mit den 169 Einzelmaßnahmen und fünf „Impulsprojekten“. Man werde sich erst auf Maßnahmen konzentrieren, „die wenig bis kein Geld kosten“, sagte John-Christian Eilert (Grüne), der ein „besonderes Augenmerk“ auf den Fuß- und Radverkehr gelegt sehen will. Christian Abt (CSU) sprach von guten und sehr guten Vorschlägen, die zu einem besseren Miteinander im Straßenverkehr führen. Elke Zehetner (SPD) sagte, es sei wichtig, nun auch Maßnahmen anzugehen. Martin Janner (PM) plädierte, mit den Querungen am „Schloßbichl“ und der Fahrradstraße an der Friedrich-Ebert-Straße zu beginnen. Armin Jabs (BfP) schlug vor, halbjährlich einen Bericht über umgesetzte Maßnahmen vorzulegen, um den Druck auf den Stadtrat zu erhöhen. „Denn nichts ist schlimmer als ein Gutachten, das in der Schublade verschwindet.“

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