Freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung sollen die Altersvorsorge verbessern. Doch der Vorschlag hat seine Tücken, wie der Vorsitzende des Bundesvorstands der DRV auf Arbeitgeberseite nun erklärte.
Berlin – Der Rentenexperte Alexander Gunkel, Vorsitzender der Deutschen Rentenversicherung auf Arbeitgeberseite, warnt in der Fachzeitschrift Deutsche Rentenversicherung eindringlich davor, die Altersvorsorge stärker über freiwillige Beiträge in das staatliche System auszubauen. Er bezeichnet diesen Weg als „gefährlichen Irrweg“, der die gesetzliche Rentenversicherung mit unkalkulierbaren Lasten belaste.
Laut Gunkel drohe eine Art Schneeballsystem: Reichten die freiwilligen Einzahlungen später nicht aus, um die daraus entstandenen Ansprüche zu decken, müsste die Gemeinschaft der Pflichtversicherten unfreiwillig für das Defizit haften. Zudem warnt er vor einer „negativen Risikoselektion“, bei der vor allem Personen mit für sie besonders günstigen Prognosen das System ausnutzen könnten, was die Solidargemeinschaft zusätzlich schwäche.
Durch den demografischen Wandel können freiwillige Beitragszahlungen nicht funktionieren
Es ist nach Gunkel außerdem fraglich, ob künftig genügend Menschen freiwillige Beiträge leisten, um die daraus entstehenden Rentenansprüche zu decken. Grund dafür ist vor allem der demografische Wandel: Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, sinkt die Rendite für alle Beitragszahler. Zudem verteuert sich der Kauf von Rentenpunkten massiv, da deren Preis an den steigenden Beitragssatz und das Durchschnittseinkommen gekoppelt ist. Das macht freiwillige Zahlungen in Zukunft zunehmend unattraktiv.
Die Kosten für den Erwerb von Rentenpunkten steigen rasant: Während ein Entgeltpunkt im Jahr 2022 noch für rund 7.200 Euro zu haben war, kletterte der Preis in diesem Jahr bereits auf etwa 9.400 Euro. Legt man den aktuellen Rentenversicherungsbericht zugrunde, wird dieser Wert bis 2029 auf rund 10.900 Euro ansteigen. Innerhalb von nur sieben Jahren verteuert sich der Rentenkauf damit um über 50 Prozent. Da dieser Preisanstieg die Entwicklung von Löhnen und Renten deutlich übertrifft, steht die Attraktivität freiwilliger Beiträge massiv infrage.
Auf freiwillige Rentenbeiträge sollte möglichst verzichtet werden
Nach Gunkel widersprechen freiwillige Beiträge dem Ideal der umlagefinanzierten Rente. Sie schaffen langfristige Zahlungsverpflichtungen, für die im Ernstfall die Pflichtbeitragszahler haften müssen. Zudem lockt das System gezielt Versicherte an, für die sich die Einzahlung individuell besonders lohnt. Diese einseitige Auswahl führt dazu, dass die Versichertengemeinschaft überproportional hohe Lasten für jene tragen muss, die das System strategisch zu ihrem Vorteil nutzen.
Gunkel plädiert für den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge
Wie Gunkel weiter ausführte, lassen sich die vermeintlichen Vorzüge freiwilliger Rentenbeiträge – wie niedrige Verwaltungskosten, der Verzicht auf Gewinne und die Absicherung biometrischer Risiken – ebenso effektiv über die betriebliche Altersvorsorge realisieren. Dies erklärt die weite Verbreitung von Versorgungswerken wie der MetallRente.
Zudem bietet das Sozialpartnermodell seit 2018 attraktive, tarifexklusive Gestaltungsmöglichkeiten, die bereits in Branchen wie der Chemie- oder Bankenwirtschaft erfolgreich genutzt werden. Die Sozialpartner haben somit alle Werkzeuge in der Hand, um eigenständig effiziente Vorsorgelösungen zu schaffen, ohne die gesetzliche Rentenversicherung damit zu belasten. (Quellen: Ihre Vorsorge, Deutsche Rentenversicherung) (sts)