Brandbeschleuniger und „Blutbad“: Neue E-Auto-Prämie treibt Händler in die Krise

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Hohe Neuwagenpreise, sinkende Restwerte und strikte Herstellerziele: Durch die neue Elektroauto-Kaufprämie geraten viele Autohändler massiv unter Druck.

Berlin/München – Die neue Kaufprämie für Elektroautos soll die Umstellung auf klimafreundliche Mobilität in Deutschland vorantreiben und nicht zuletzt die hiesige Autoindustrie stärken. Doch statt Euphorie aufgrund der Förderung herrscht offenbar in vielen Autohäusern Katerstimmung.

Händler berichten trotz steigender Verkaufszahlen von sinkenden Margen und einer angespannten Ertragslage. Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe geraten zunehmend ins Hintertreffen, indem sie schlechtere Einkaufskonditionen erhalten und geringere Gewinne erzielen als große Ketten.

Die staatliche Förderung für Neuwagen wirke vor allem auf den Gebrauchtwagenmarkt wie ein Brandbeschleuniger. „Die Prämie wird die Restwerte komplett in den Keller schieben. Das wird ein Blutbad für uns“, erklärt der Bonner Autohändler Claus Trilling in der WirtschaftsWoche. Zusätzlich verschärfen hohe Zielvorgaben der Hersteller den Wettbewerb – und Händler verzichten auf einen Teil ihrer Marge, um Boni zu sichern und überhaupt im Geschäft zu bleiben.

Krise im deutschen Autohandel: „Perfekter Sturm“ für die Branche

Sinkende Auftragseingänge, hohe Neuwagenpreise und die Transformation zur Elektromobilität belasten die gesamte Branche schwer. Die laufende Konsolidierungswelle sorgt dafür, dass große Händlergruppen wachsen, während kleinere Betriebe oft zur Aufgabe gezwungen sind. „Die weltweite Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise – allerdings sind es zurzeit die deutschen Autokonzerne, die besonders stark leiden“, erklärt EY-Autoexperte Constantin Gall. Er nennt als Gründe die schwache Nachfrage nach Premiumautos, neue US-Zölle, ungünstige Wechselkurse sowie die hohen Kosten für den Umbau der Konzerne und Investitionen in Elektroautos. Der daraus entstehende Druck wird zwangsläufig auch an die Autohändler weitergegeben.

Trotz neuer Elektro-Kaufprämie: Die Lage im deutschen Autohandel ist vielerorts angespannt
Trotz neuer Elektro-Kaufprämie: Die Lage im deutschen Autohandel ist vielerorts angespannt. © Sebastian Kahnert/dpa

Dieser laut Gall „perfekte Sturm“ trifft den Kfz-Handel in einer Umbruchsituation, in der viele Unternehmen darum kämpfen, ihr Geschäftsmodell an die Entwicklungen im Bereich E-Mobilität und Digitalisierung anzupassen. Während große Gruppen von Skaleneffekten profitieren, fehlen kleineren Händlern oftmals die Ressourcen, um in Ausbildung, kostspielige Infrastruktur und neue Geschäftsmodelle zu investieren.

Preisentwicklung bei Neuwagen und Gebrauchten: Keine Entspannung in Sicht

Ein weiterer Faktor für die angespannte Lage im Autohandel sind die hohen Pkw-Preise. Laut einer Umfrage der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) haben private Neuwagenkäufer 2025 im Schnitt 44.560 Euro für einen neuen Pkw bezahlt – ein Anstieg von rund 2,4 Prozent zum Vorjahr. Für Benziner wurden durchschnittlich 33.150 Euro ausgegeben, während für reine Elektroautos sogar stolze 47.160 Euro auf den Tisch gelegt wurden. Plug-in-Hybride (64.570 Euro) und Diesel (50.030 Euro) lagen nochmals deutlich darüber. Allerdings locken mehrere Hersteller im neuen Jahr mit attraktiven Rabatten, darunter Volkswagen und Toyota.

Und wie sieht es beim Gebrauchtwagenmarkt aus? Zwar ist der Durchschnittspreis im Jahr 2025 leicht auf 18.310 Euro gefallen, bleibt aber seit Jahren auf hohem Niveau. Vor 2021 lag der Wert noch deutlich niedriger. Die Aufwertung neuer Elektroautos durch die Kaufprämie setzt zudem die Restwerte gebrauchter Stromer unter Druck – ein Umstand, der das für Händler eigentlich wichtige Gebrauchtwagengeschäft nochmals erschwert.

Neue Kaufprämie: „Kunden sollen ein E-Auto kaufen, weil es Sinn ergibt“

Die neue Kaufprämie verstärkt damit nicht nur den Preisdruck, sondern schafft zusätzliche Hürden für Autohändler im ohnehin schwierigen Marktumfeld: Weil Elektroautos weniger wartungsintensiv sind und das bisher lukrative Öl- und Werkstattgeschäft schrumpft, brechen wichtige Einnahmequellen weg. Gleichzeitig müssen Händler in teure Spezialausbildungen und neue Gerätschaften investieren, um auf die Anforderungen moderner E-Fahrzeuge vorbereitet zu sein. Laut einer Auswertung der WirtschaftsWoche hat sich die Zahl der Insolvenzen unter großen Autohändlern (ab 10 Mio. Euro Umsatz) 2025 gegenüber dem Jahr zuvor verdreifacht.

Viele Kunden zeigen zwar aufgrund der neuen staatlichen Förderung Interesse an einem Elektroauto, doch die Unsicherheit am Markt bleibt groß. „Kunden sollen ein E-Auto kaufen, weil es für sie Sinn ergibt, nicht weil der Staat Geld verteilt“, betont Burkhard Weller, Chef des Branchenverbands VAD. Auch wenn Verbraucher und Verbraucherinnen profitieren: Er sieht darin lediglich „Mitnahmeeffekte“ und dass Bestandsfahrzeuge entwertet werden. So fördert die Kaufprämie zwar kurz- bis mittelfristig Absätze, verschärft jedoch für viele deutsche Autohändler die Situation. (Quellen: WirtschaftsWoche, Deutsche Automobil Treuhand, Reuters)

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