Andrea und Frank Waldecker sind die neuen Pächter der „Post“ in Vorderriß. Sie wollen die Geschichte bewahren und neue Ideen einbringen.
Vorderriß – Nach einigen Monaten Leerstand hat der Gasthof Post in Vorderriß neue Pächter. Andrea und Frank Waldecker wollen den Charme des historischen Wirtshauses wieder aufleben lassen.
Wir haben den Platz gesehen und uns verliebt.
Der Weg der Waldecker zum „Gasthof zur Post“
Mitte November des vergangenen Jahres hatten die bisherigen Wirtsleute aufgehört. „Es hatte sich länger abgezeichnet, dass sie aufhören möchten“, berichtet Markus Schleu von der Ayinger Brauerei, die die „Post“ beliefert. Also habe sich die Brauerei zusammen mit der Gebäudeverwaltung des Großherzogs von Luxemburg, dem die Immobilie gehört, auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Es habe mehrere Interessenten gegeben, sagt Albert Ludig, Gebäudeverwalter des Großherzogs. Das Ehepaar Waldecker war dann ein Glücksgriff. „Sie sind seit Jahren in der Gastro tätig und wissen mit Leuten umzugehen“, sagt Ludig.
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„Wir haben den Platz gesehen und uns verliebt“, sagt Andrea Waldecker. „Er ist so besonders mit der Isar, dem Rissbach und dem Karwendel.“ Nicht umsonst trage die Gegend den Spitznamen „Klein-Kanada“, sagt die gebürtige Tölzerin. Sie und ihr Mann haben in den vergangenen Jahren in München und anderen Städten viele innovative Konzepte in der Gastronomie ausprobiert. Nun seien die Kinder mit der Schule fertig, studieren, und man sei nicht mehr so ortsgebunden. Daher gehe der Weg zurück zu den Wurzeln. „Das Richtige hat seine Zeit“, sagt Andrea Waldecker. Die Kinder übrigens packen im Wirtshaus auch mit an, so oft es das Studium erlaubt. Gesucht werden aber noch weitere Aushilfen, die sich gerne melden dürfen.
Viele Prominente bei der „Post“
Angetan hat es dem Ehepaar Waldecker auch die Geschichte des Hauses, das 1865 erbaut wurde und immer schon ein Wirtshaus war. Zunächst diente es als Zwischenstopp für die Postkutschenfahrer, schließlich als Förstersitz. Max Thoma, Vater von Ludwig Thoma, war dort Oberförster. Ein separater Raum heißt daher „Ludwig-Thoma-Stüberl“ und erinnert an den Schriftsteller. König Ludwig II. war dort ebenfalls zu Gast. Auch in neuerer Zeit suchten Prominente die „Post“ gerne auf, unter anderem Arnold Schwarzenegger. An einer Wand im Gastraum hängen Fotos vieler bekannter Gesichter, die dort bereits gespeist haben. Gelegentlich kommt auch die Familie des Großherzogs von Luxemburg nach Vorderriß und stattet dem Gasthaus einen Besuch ab. Für sie ist dann das „Herzog-Stüberl“ reserviert.
Alle freuen sich über die Wiedereröffnung – regionale Spezialitäten
Die Pächter-Familie steckte einiges an Arbeit in das Gasthaus, nun erstrahlt es wieder in altem Glanz. Traditionell ist auch die Speisekarte. „Bei uns gibt es Schweinsbraten und Schnitzel, aber auch Wild aus der Umgebung“, sagt Waldecker. Geplant ist, im kleinen Teich hinter dem Haus Saiblinge zu halten. Zweimal im Monat steht dann Steckerlfisch auf dem Plan. Wann das ist, erfahren die Gäste auf der Homepage. „Wir haben auch eine schöne Auswahl an vegetarischen Gerichten.“ Von den bisherigen Gästen seien die Spinatknödel besonders gelobt worden. Die Speisen seien alle selbst gemacht.
Spannend sei die Bandbreite an Gästen, die das Gasthaus aufsuchen. „Da gibt es die Radfahrer. Eine super Klientel, die sich gerne gesund ernähren möchte.“ Für die schnelle Regeneration hat die Wirtin immer ein paar Stück Traubenzucker parat, wie sie lachend sagt. „Sehr nett und happy, dass das Gasthaus wieder offen ist“ seien die Motorradfahrer. Dann gebe es noch die Autoclubs, die mit ihren Oldtimern Ausflüge unternehmen. „Gespannt bin ich auf die Wanderer auf dem Weg München-Venedig“, sagt Waldecker. Diese machten einen großen Teil der Gäste aus und übernachten meistens auch. Sie bevorzugen die Matratzenlager, es gibt aber auch sieben Zimmer und eine Ferienwohnung. Für Ende Juni, Anfang Juli gebe es von den Wanderern bereits einige Reservierungen. „Sie sind glücklich, dass wir wieder da sind.“
Weitere Ideen sind in Planung, etwa ein Biker-Frühstück. Für Juli ist die offizielle Eröffnungsfeier geplant. Der Gasthof Post hat derzeit sieben Tage die Woche von 11 bis 22 Uhr durchgehend geöffnet. Warme Küche gibt es bis 20 Uhr.
Melina Staar