„Hulk“ erobert Italien: Invasive Spezies verändert Millionen Jahre altes Gleichgewicht

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Forscher beobachten den Zusammenbruch der Farbvielfalt bei Mauereidechsen – eine dominante Form setzt sich gegen alle anderen Varianten durch.

Rom – In den „Marvel“-Comics und Filmen lehrt der grüne „Hulk“ seinen Feinden das Fürchten. Es passt, dass Wissenschaftler einer offenbar äußerst furchteinflößenden Eidechse diesen Spitznamen gegeben hat, denn extrem dominant zeigt sich auch sie. So sehr sogar, dass sie in Italien ein jahrmillionenaltes Gleichgewicht durcheinanderbringt. Diese Echse, die größer und aggressiver ist und ein auffälliges grün-schwarzes Muster trägt, stammt ursprünglich aus der Region um die Hauptstadt Rom. Sie breitet sich nun im ganzen Land aus.

„Hulk“ macht Italien unsicher: Eine dominante Eidechsenart verändert ein Jahrmillionen altes Gleichgewicht.
„Hulk“ macht Italien unsicher: Eine dominante Eidechsenart verändert ein Jahrmillionen altes Gleichgewicht. © xcoboflupix via imago-images.de

Normalerweise folgten mediterrane Mauereidechsen (Podarcis muralis) klaren Regeln: Die Männchen präsentierten eine von drei Kehlfarben – weiß, gelb oder orange. Diese Farben waren nicht nur dekorativ, sondern beeinflussten auch Verhalten, soziale Interaktionen und Fortpflanzung. Auch eine Mini-Schnecke aus Neuseeland wurde kürzlich in Italien zum Riesenproblem.

Eidechsen-Evolutionskrimi in Italien: Gelbe und orangene Farben verschwinden

Die neue „Hulk“-Variante mit dem sogenannten Nigriventis-Syndrom verbreitet sich schnell, wie eine aktuelle Studie im Fachmagazin Science zeigt. Forscher um Prof. Tobias Uller von der Universität Lund untersuchten 220 Populationen dieser Eidechsen und entdeckten ein alarmierendes Muster. „Überall, wo sich diese grün-schwarzen ‚Hulk‘-Eidechsen ausbreiten, verschwinden die gelben und orangenen Kehlfarben“, erklärt Studienleiter Uller. In weiten Teilen Italiens und des Alpenraums dominieren inzwischen Populationen mit nur noch weißen Kehlen, berichtet Scinexx.

Diese aggressive neue Form verdrängt nicht nur andere Farbvarianten, sondern zerstört ein System, das Millionen Jahre stabil war. Aus drei Farbformen wird eine einzige. Was einst Vielfalt garantierte, weicht der Dominanz einer einzelnen Variante. Forscher sprechen von einem „Evolutionsthriller in Echtzeit“, wie das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie laut Informationsdienst Wissenschaft mitteilte.

Jahrmillionen altes System bricht zusammen

Die Studie zeigt, wie schnell evolutionäre Veränderungen ablaufen können, wenn neue Varianten auftreten. Die „Hulk“-Echsen sind nicht nur größer und aggressiver als ihre Artgenossen, sondern setzen sich auch bei der Fortpflanzung durch. Ihre grün-schwarze Färbung scheint anderen Männchen überlegen zu sein, was zur systematischen Verdrängung der traditionellen Farbformen führt.

Die Forschungsarbeit dokumentiert erstmals so detailliert den Zusammenbruch eines jahrmillionenalten Systems. Die Daten aus 220 Populationen belegen eindeutig: Wo „Hulk“ ankommt, verschwindet die Vielfalt. Für die Wissenschaft bietet dies einen seltenen Einblick in evolutionäre Prozesse. Auch ein menschliches evolutionäres Phänomen beschäftigte jüngst Wissenschaftler: das Küssen. (Quellen: Science, Scinexx, Informationsdienst Wissenschaft) (cgsc)

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