Trump baut Venezuela als Hauptfeind auf. Ein Experte sieht darin eine klare Strategie – und sagt: Ein Krieg scheint möglich. Eine Analyse.
Wie so oft, bleibt er vage. „Es wird bald auch an Land beginnen“, sagte US-Präsident Donald Trump jüngst im Weißen Haus – kurz nachdem US-Soldaten einen Öltanker vor der Küste von Venezuela gestürmt hatten. Um was für US-Einsätze „an Land“ es gehen könnte, ließ Trump allerdings offen.
Seit Wochen schon ziehen die USA ihre Kräfte zusammen. Es gab zahlreiche tödliche Angriffe seitens des US-Militärs auf Boote, in denen angeblich Drogen geschmuggelt wurden. Kritiker sagen: Damit verstößt Trump gegen das Völkerrecht. Die US-Regierung hingegen spricht von einem Kampf gegen „Drogenterroristen“. Was hat Trump vor? Ist er bereit, einen Krieg in der Karibik zu riskieren?
„Ich kann mir vorstellen, dass er einen militärischen Konflikt eingeht“, sagt Politologe und USA-Experte Siebo Janssen im Gespräch mit dieser Redaktion. Dass es wirklich um einen Kampf gegen Drogen geht, daran zweifelt er. Die USA haben zwar in der Tat seit Jahren ein erhebliches Problem mit einer Drogenschwemme, vor allem Fentanyl ist zu einer regelrechten Seuche geworden, Zehntausende sind an Überdosen des Opioids gestorben. „Venezuela spielt dabei allerdings so gut wie keine Rolle, ist eher Transitland für Kokain-Handel“, erklärt Janssen.
Trump und Venezuela: „Maduro knechtet sein Land, er hat keine Sympathien in den USA“
Geht es Trump eigentlich um Zugang zu Ressourcen, wie manche Beobachter glauben? Venezuela beherbergt gigantische Ölfelder. „Das mag ein Grund sein, allerdings wäre das mit großem Aufwand verbunden“, sagt Janssen. Das Paradoxe: Der südamerikanische Staat ist reich an Bodenschätzen, wirtschaftlich aber zu arm, um sie in großem Stil zu fördern. Die USA müssten also erst einmal beim Aufbau einer ganzen Infrastruktur mitwirken, wenn sie wirklich an den Rohstoff gelangen wollten.
Janssen glaubt: Trump baut den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro zu einem Hauptfeind auf, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. „Maduro knechtet sein Land, er hat keinerlei Sympathien in den USA. Das ist ein perfekter Feind, auf den sich alle einigen können“, so Janssen. Auf diese Weise sei es einfach, außenpolitisch zu punkten, wenn es innen gerade nicht so gut läuft. „Seine Beliebtheitswerte gehen aktuell in den Keller, viele finden seine Wirtschaftspolitik nicht gut, auch durchaus auch in republikanischen, konservativen Kreisen.“
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Mit der Behauptung, dass er gegen einen Mann kämpfe, der auch noch für das furchtbare Drogenproblem verantwortlich sein soll, könne Trump sich indes Rückhalt in der Bevölkerung und der Politik sichern. Womöglich komme das sogar Maduro gar nicht ungelegen, schätzt Janssen. Der Diktator, der die Bevölkerung seit Jahren grausam ausbeutet, und dem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vorgeworfen werden, konnte sich zuletzt nur noch mithilfe von Wahlfälschungen an der Macht halten. „Im Konflikt mit den USA kann er sich als Opfer und Beschützer seines Landes inszenieren“, sagt Janssen. Trump und Maduro: ziemlich beste Feinde. (Quellen: Eigene Recherchen, Expertengespräch, dpa)