Eine große Überraschung erlebten nun Naturschützer an der Isar: Ein Tier, das seit 75 Jahren als verschollen galt, ist an dem Wildfluss wieder heimisch geworden.
Bad Tölz - Trockenlebensräume sind für viele hoch spezialisierte Arten essenziell. Doch die wertvollen Lebensräume schwinden zunehmend. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, hat der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) vor zwei Jahren das Projekt „Bayerns Seltenste: Arten der Trockenlebensräume“ gestartet. Es läuft bis 2029. Nun wurde im Tölzer Landratsamt eine erste Bilanz gezogen.
Untersuchungen an Isar, Loisach, Lech und Ammer
Im Fokus standen die Trockenlebensräume zwischen Isar und Lech. Wie Fabian Unger, Projektleiter des LBV, berichtet, wurden Populationen der seltensten Arten erfasst und Maßnahmen ausgearbeitet. Diese wurden bei den Behörden beantragt und umgesetzt. „Erste positive Ergebnisse zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, freut sich Unger. An dem Treffen nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Unteren und Höheren Naturschutzbehörden, der Wasserwirtschaftsämter, eingebundene Experten und der Beauftragte des Bundesamts für Naturschutz (BfN) teil. Sie bilden gemeinsam eine Arbeitsgruppe.
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Seit 2023 wurden Trockenlebensräume an Isar und Loisach, im Lech- und Ammer-Gebiet sowie entlang der Linder untersucht. Dabei wurden die Bestände der Deutschen Tamariske, des Kiesbank-Grashüpfers sowie der Gefleckten Schnarrschrecke ermittelt. Und es gab erste Überraschungen. „Eine seit circa 75 Jahren verschollene Teilpopulation der Gefleckten Schnarrschrecke konnte an der Isar wiederentdeckt werden“, berichtet Fabian Unger in einer Mitteilung. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass der Kiesbank-Grashüpfer an der Isar auch noch in geeigneten Habitaten im südlichen Landkreis München vorkommt.
Kaum noch geeignete Brutplätze
In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch und München wurden über fünf Hektar Fläche in Pflege genommen, um die Lebensbedingungen für diese seltenen Arten zu verbessern. Laut Unger wurden Kiesbänke entbuscht oder Ufer umgestaltet.
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Ein zweiter Projektteil widmet sich Sekundärlebensräumen, also Trockenlebensräumen, die durch Menschenhand entstanden sind. Hier leben zum Beispiel die Flussregenpfeifer. Die Vögel finden an vielen Flüssen aber keine geeigneten Brutplätze mehr. Deshalb weichen sie zunehmend in Rohstoffgewinnungsstätten aus. „Hier gibt es zwar geeignete Brutplätze, aber durch die Abbautätigkeit auch zahlreiche Störungen“, erklärt Unger. Er freut sich, dass zahlreiche Betriebe mit dem LBV kooperieren, um die Tiere zu schützen „Das geht, ohne den Betrieb großflächig einschränken zu müssen.“ 2025 wurde an über 50 Abbaustellen nach Nestern des Flussregenpfeifers gesucht. „Es konnten bereits mehrere Bruten erfolgreich geschützt werden“, freut sich Unger. Er dankt auch den Staatsforsten und Gemeinden für die enge Abstimmung.
So wird das Projekt finanziert
Das Projekt wird im Programm „Biologische Vielfalt“ durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums mit insgesamt rund 580 000 Euro gefördert. Weitere rund 115 000 Euro steuert der Bayerische Naturschutzfonds bei.