Bizarrer Wirtschaftskrimi: Autohändler insolvent – Ex-Formel-1-Pilot in U-Haft
Luxusautohändler DS Motoren ist insolvent. Sportwagen im Wert von 17 Millionen Euro verschwunden. Ex-Formel-1-Pilot Adrian Sutil sitzt in U-Haft.
Grünwald/Stuttgart – Der frühere Formel-1-Rennfahrer Adrian Sutil sitzt seit Ende November 2025 in Untersuchungshaft. Gleichzeitig hat der Luxusautohändler DS Motoren GmbH aus seinem Umfeld Insolvenz angemeldet. Und als wäre das nicht genug, wurden dem 42-Jährigen unter mysteriösen Umständen Sportwagen im Wert von 17 Millionen Euro gestohlen. Der Fall entwickelt sich zu einem der spektakulärsten Wirtschaftskrimis der jüngeren Vergangenheit.
Was war passiert? Ende November 2025 wurde Sutil im Rahmen einer Razzia festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft ihm gemeinschaftlichen Betrug im besonders schweren Fall und gemeinschaftliche Unterschlagung vor. Der Verdacht: Luxusfahrzeuge sollen mehrfach als Sicherheiten angegeben worden sein. Bei der Razzia wurden 20 Fahrzeuge aus Sutils Besitz beschlagnahmt. Sutils Rechtsanwalt Dirk Schmitz erklärte, dass sein Mandant die Vorwürfe bestreitet und mit den Ermittlungsbehörden kooperiert. Es gelte die Unschuldsvermutung. Der ehemalige Rennfahrer argumentiert, es sei kein wirtschaftlicher Schaden gegenüber Dritten entstanden. Die Untersuchungshaft sei angeordnet worden, weil Sutil über keinen Wohnsitz in Deutschland, sondern nur in Monaco verfügt.
Festnahme wegen Betrugsverdachts: Insolvenz des Luxusautohändlers DS Motoren
Kurz vor dem Jahreswechsel stellte der Geschäftsführer der DS Motoren GmbH mit Sitz in Grünwald bei München einen Insolvenzantrag. Das Amtsgericht München setzte den Juristen Alexander Zarzitzky von der Kanzlei Anchor als vorläufigen Insolvenzverwalter ein, wie dieser gegenüber der WirtschaftsWoche bestätigte. Anwalt Schmitz vertritt die Ansicht, dass der Insolvenzantrag unnötig war. Der Geschäftsführer hätte sich mit den Gläubigern besser um ein „Stillhalteabkommen“ bemühen sollen. Dann hätten die Fahrzeuge nach und nach verkauft werden können und die Gesellschaft wäre ohne Verluste für die beteiligten Gläubiger abgewickelt worden. Eine solche Lösung sei nun für die Liechtensteiner Muttergesellschaft denkbar, die sich aktuell nicht in einem Insolvenzverfahren befindet.
Die DS Motoren GmbH ist kein gewöhnlicher Autohandel. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben „in mobile Sachwerte, bestehend aus Fahrzeugen im Luxussegment“, wie es im Geschäftsbericht für 2023 heißt. Gehandelt werden limitierte Modelle von Bugatti, Ferrari, Pagani, Koenigsegg, Mercedes und Porsche – Fahrzeuge mit Preisen in Millionenhöhe pro Stück. Die Finanzierung erfolgte in der Regel über Banken und Leasinggesellschaften. Ziel war es, die Fahrzeuge nach einer gewissen Zeit mit Wertsteigerung weiterzuverkaufen. Und obwohl Sutil nicht Teil des Managements der DS Motoren GmbH war, spielte er eine zentrale Rolle. „Adrian Sutil ist Vorstand der Liechtensteiner AS Motoren AG und damit der Muttergesellschaft der insolventen DS Motoren GmbH“, erklärte Insolvenzverwalter Zarzitzky gegenüber WirtschaftsWoche. Sein Name galt als Eintrittskarte in den Markt für superteure Sportwagen und Sammlerstücke.
Erpressung und Diebstahl von Luxusautos und unklare Vermögensverhältnisse
Etwa eine Woche nach Sutils Festnahme erhielt, laut Schmitz, die Familie des ehemaligen Rennfahrers einen Anruf. Sie wurde bedroht und zur Herausgabe von neun Luxusautos aufgefordert. Der Anrufer habe sich mit dem Namen „Vladimir“ vorgestellt und als Russe sowie als Mitglied der berüchtigten Wagner-Gruppe bezeichnet. Er habe gedroht, dass ihn in Monaco niemand aufhalten könne, wenn seine Leute die Fahrzeuge holen würden. Ob es sich tatsächlich um ein Mitglied der paramilitärischen Organisation handelt, ist derzeit Gegenstand von Ermittlungen. Wenige Tage später seien dann mehrere Männer an der Garage in Monaco erschienen und hätten die Herausgabe der Autos gefordert. Laut Anwalt Schmitz war der Druck erheblich, die Familie sei massiv eingeschüchtert worden. Kurz darauf seien die Autos, begleitet von schweren Bedrohungen bis hin zu Todesdrohungen gegen Sutils Familie, abtransportiert worden.
Bei den gestohlenen Fahrzeugen handelt es sich laut Auto Motor und Sport um einen Koenigsegg Regera, einen Rolls-Royce Phantom, einen Ferrari California, einen Lamborghini und mehrere Porsches. Besonders wertvoll: ein Mercedes-Benz 600, der sich einst im Besitz von Elvis Presley befand, sowie einer von nur sieben produzierten Koenigsegg Agera One:1. Allein der Wert dieses Hypercars wird auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. Insgesamt besitzt das Diebesgut einen Wert von etwa 17 Millionen Euro.
Auch nach dem Diebstahl sei es zu anhaltenden Warnungen durch die Täter gegen die Familie gekommen, dass sie keine Sicherheitskräfte einschalten sollen. Erst am 31. Dezember 2025 erstattete die Familie Strafanzeige. Gegenüber der Bild bestätigte die zuständige LKA-Sprecherin, dass eine entsprechende Anzeige eingegangen ist. Seither wird auch international nach den Fahrzeugen gesucht. Ein Fahrzeug soll inzwischen bereits wieder sichergestellt worden sein. Zu den Aufgaben von Insolvenzverwalter Zarzitzky gehört es nun, die Eigentumsverhältnisse an den Fahrzeugen zu klären und die vertraglichen sowie finanziellen Strukturen belastbar aufzuarbeiten. Der Gesamtwert der „Sutil-Fahrzeuge“ wird in der Autoszene auf bis zu 150 Millionen Euro taxiert. Doch die Eigentums- und Vertragsverhältnisse gelten als unübersichtlich. Zudem sind wichtige Geschäftsunterlagen laut Sutils Anwalt von den Ermittlern beschlagnahmt worden. (ls)