Die Jachenauer Kirche St. Nikolaus beherbergt eine überregional bedeutende Brutstätte der Kleinen Hufeisennase. Die Population dieser seltenen Fledermausart wächst stetig an.
Jachenau – Die seltene Gelegenheit, in den Turm der Jachenauer Kirche St. Nikolaus hinaufzusteigen, gibt es am kommenden Sonntag, 20. Oktober. Dann feiert die Pfarrgemeinde das Jubiläum der Kirchenglocken, die vor 75 Jahren aufgehängt wurden (wir berichteten). Normalerweise ist der Kirchturm nicht mit Menschen bevölkert, vielmehr haben dort seltene Fledermäuse ihre Heimat. Hier befindet sich eine überregional bedeutsame Brutstätte der Kleinen Hufeisennase. Der Bestand wächst und gedeiht.
Kleine Hufeisennase ist in der Jachenau zuhause: Population nimmt bayernweit zu
Rund 350 Individuen beheimatet der Jachenauer Kirchturm laut den Daten des Bayerischen Landesamts für Umwelt aus dem Jahr 2023. Die Entwicklung ist erfreulich, wie Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt: „Die Bestände der Kleinen Hufeisennase nehmen zurzeit sowohl im Kirchturm der Jachenau als auch bayernweit zu.“
Deutschlandweit war die Population dieser Fledermausart Mitte des 20. Jahrhunderts stark eingebrochen. Inzwischen besiedle die Kleine Hufeisennase nur mehr rund zehn Prozent ihres ursprünglichen Areals, erklärt Schmid. „Seit dem Bestandseinbruch kommt die Kleine Hufeisennase in Bayern vor allem noch im südlichen Alpenvorland vor, wo sich die Restpopulationen seit einigen Jahren wieder in der Ausbreitung befinden“, berichtet sie. Nach wie vor gelte die Art gemäß der Bayerischen Roten Liste als „stark gefährdet“.
Jachenauer Kirchturm als Wochenstube für seltene Fledermausart sehr gut geeignet
Die Wochenstube der Kleinen Hufeisennase in der Jachenau gehöre zu den vier individuenstärksten der bekannten Vorkommen in Südbayern und sei damit „überregional bedeutsam“, betont die Behörden-Sprecherin. Um ihren Bestand zu überwachen, werde die Population jährlich erfasst. Dabei werde eine „Ausflugszählung“ vorgenommen, wobei neben den Sichtungen mit dem bloßen Auge auch eine Ultraschall-Echoortung zum Einsatz komme.
„Kleine Hufeisennasen leben in abwechslungsreichen, strukturreichen und kleinteiligen Landschaften“, erläutert Sabine Schmid weiter. „Ihre bevorzugte Nahrung sind kleine Fluginsekten, die sie in Laub- und Mischwäldern erbeuten.“ Für die Aufzucht ihrer Jungen würden die Kleinen Hufeisennasen ruhige, warme Quartiere mit großen Einflugöffnungen benötigen. „Daher ist der Kirchturm als Wochenstube sehr gut geeignet.“
„Als Winterquartier nutzen sie Höhlen und Stollen sowie geräumige Keller“
Die Kleine Hufeisennase sei gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt – und daher auch ihre Wochenstuben und Überwinterungsquartiere unter Schutz gestellt. „Bei Gebäudesanierungen und anderen Eingriffen muss dieser Artenschutz immer mit berücksichtigt werden, denn Kleine Hufeisennasen sind sehr standorttreu“, so Schmid. Entscheidend für den erfolgreichen Schutz sei der Erhalt bestehender, störungsfreier Quartiere. „Die Jachenauer Kirchengemeinde ist hier im guten Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde und setzt sich für den Erhalt der Kolonie im Sinne der Schöpfungsverantwortung ein.“
Meine news
Bei der Kirchturmbesichtigung im Rahmen des Glocken-Jubiläums dürften die Besucher aber keine Tiere zu Gesicht bekommen. „In der kalten Jahreszeit befinden sich die Kleinen Hufeisennasen in ihrem Winterquartier“, sagt die Behörden-Sprecherin. „Dafür nutzen sie Höhlen und Stollen sowie geräumige Keller.“ (ast)