Im Gebäude des ehemaligen Kratzerkellers an der Katharinenstraße soll ein zeithistorisches Atelier entstehen. Es soll an das DP-Lager erinnern, das nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände existierte.
Landsberg – Wie im KREISBOTEN mehrfach berichtet, möchte ein Investor auf dem Areal an der Ecke Katharinen-/Saarburgstraße Wohnbebauung und eine Gastronomie realisieren. Für das Projekt wird ein ,vorhabenbezogener Bebauungsplan‘ erstellt. In der jüngsten Stadtratssitzung tauchte in diesem Zusammenhang erstmals der Gedanke eines zeithistorischen Ateliers auf, das die Erinnerung an die Geschichte des Kratzerkellers wachhalten soll.
Im Sachvortrag ist von einem „lebendigen Erinnerungs-, Begegnungs- und Lernort“ die Rede. Denkbar seien eine Dauerausstellung zur vertiefenden Geschichte des DP-Lagers, ein Multifunktionsraum für Bildungsveranstaltungen und Vorträge sowie eine Sonderausstellungsfläche. Ziel sei es, vielfältige Formen der Erinnerungskultur zu fördern, demokratische Werte zu vermitteln und den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen, Nationen, Religionen und Kulturen zu stärken.
Bei einigen Stadträten sorgten die Planungen für Erstaunen. „Dass dort ein Gedenkort entstehen soll, ist mir komplett neu“, sagte etwa Daniela Groß (Grüne) und fragte nach möglichen Auswirkungen auf das ehemalige KZ-Außenlager Kaufering VII zwischen Landsberg und Erpfting. „Was bedeutet es für Lager VII, wenn wir im Kratzerkeller einen Gedenkort errichten?“ Diese Frage beschäftigte auch Stefan Meiser. Die Stadt werde für Einrichtung und Unterhalt des zeithistorischen Ateliers erhebliche Summen aufwenden müssen – Geld, das besser in Lager VII investiert sei, so der ÖDP-Stadtrat.
Denn dort soll ebenfalls eine Gedenkstätte mit Dauerausstellung und möglicherweise auch Seminarräumen entstehen. Ein wissenschaftliches Konzept liegt bereits vor, ebenso eine staatliche Förderzusage. Allerdings hat die Stadt für das Gedenkstätten-Gebäude nach wie vor kein Baurecht geschaffen.
Meisers Hinweis, an die Geschichte des DP-Lagers könne auch mit der bereits existierenden Gedenktafel erinnert werden, konterte Claudia Weißbrodt vom städtischen Kulturbüro. Eine Tafel könne nur einen kurzen Ausschnitt der Vergangenheit zeigen. „Räume ermöglichen andere Dinge.“ Bereits angedacht ist offenbar eine Kooperation des Gedenkorts im Kratzerkeller mit dem ,Ghetto Fighters House Museum‘ in Israel.
Keine Konkurrenz
Wichtig sei ein lebendiger, in die Zukunft gerichteter Ort, damit Geschichte nicht ins Abstrakte abrutsche. „So ein Ort kann hier gesichert werden.“ Vor allem wollte Weißbrodt mit Blick auf Lager VII keine Konkurrenz zwischen einzelnen historischen Orten konstruiert sehen. Der eine erzähle von Leid und Tod, der andere von Aufbruch.
Eine Weiterentwicklung von Lager VII wird im Sachvortrag der Verwaltung allerdings nicht erwähnt, auch nicht am Rande, obwohl im Text von der „städtischen Konzeption zur Dokumentation der Zeitgeschichte in Landsberg“ die Rede ist. Demnach soll das Stadtmuseum mit seiner geplanten zeitgeschichtlichen Dauerausstellung die zentrale Anlaufstelle sein, die einen allgemeinen Überblick gibt und zur weiteren Vertiefung auf „andere historische Orte jener Zeitepoche“ verweist.
Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) hielt eine inhaltliche Diskussion über die Ausgestaltung des Gedenkorts im Kratzerkeller für verfrüht. Es gehe lediglich um eine „räumliche Verortung“, sprich, um die Sicherung einer Räumlichkeit und deren Festschreibung im ,vorhabenbezogenen Bebauungsplan‘. Unterbleibe dies, „haben wir später keinen Raum“. Der Kratzerkeller gehöre einem privaten Investor. Nicht auszuschließen sei, dass er eines Tages weiterverkauft werde.
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Jonas Pioch (SPD) sah in der bauplanungsrechtlichen Festsetzung „die Chance, darüber nachzudenken, wie wir mit der Historie umgehen“. Diese Chance solle der Stadtrat sich geben, statt „die Geschichte vom Tisch zu wischen“.
Eine große Mehrheit des Gremiums sah das ebenso. Mit drei Gegenstimmen wurde dem Vorhaben- und Erschließungsplan zugestimmt, auf dessen Grundlage die Planungen weitergeführt werden.