Die langjährige Vorsitzende des Gästeführer-Vereins starb mit 69 Jahren und hinterlässt im kulturellen Leben von Dachau eine große Lücke.
Dachau – Brigitte Fiedler ist tot. Die Vorsitzende des Gästeführer-Vereins starb am Mittwoch im Alter von 69 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. „Ihr Tod reißt eine große, nur schwer zu schließende Lücke – nicht nur im Verein, sondern in der gesamten Dachauer Kulturlandschaft“, so Rosemarie Schreiner, zweite Vorsitzende.
Kultur ist das, was uns als Menschen ausmacht. Sie ist das Fundament unserer Gesellschaften, und das gegenseitige Verständnis ist der Schlüssel zu einer friedlichen und kreativen Zukunft.
Seit 2013 stand Brigitte Fiedler als erste Vorsitzende dem Verein der Dachauer Gästeführer vor. Mit vielen Stunden ehrenamtlichen Einsatzes und großem Engagement hat sie den Verein weiterentwickelt, nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich prägend – „mit neuen Ideen, Formaten und einem feinen Gespür für die kulturelle Vielfalt Dachaus“, so Rosemarie Schreiner, die als langjährige Wegbegleiterin die Stellvertretung von Brigitte Fiedler im Gästeführer-Verein übernahm.
Brigitte Fiedler wuchs in der Altstadt von Dachau auf und war ihrer Heimatstadt ihr Leben lang zutiefst verbunden – auch als sie nach Hebertshausen umgezogen war. Besonders lag ihr der Hofgarten am Herzen. „Das war der Ort, den sie zu allen Jahreszeiten schätzte und der für sie ein Rückzugsort vom Alltag war“, berichten Schreiners Kollegen.
Bereits Ende der 90er-Jahre startete Brigitte Fiedler mit Rundgängen an der Gedenkstätte und begleitete Gruppen über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Dabei sei es ihr immer ein Anliegen gewesen, die Wechselwirkungen zwischen der Stadt und dem Lager aufzuzeigen, auch wenn das mit zeitaufwändigen Recherchen und einer anstrengenden Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einherging, so Schreiner. Ihre Führungen – etwa „Die Stadt und das Lager“ oder „Stolpersteine“ – verbanden historische Tiefe mit menschlicher Nähe. Sie verstand es, auch schwierige Themen mit Einfühlungsvermögen und Klarheit zu vermitteln.
Björn Mensing, Pfarrer der Evangelischen Versöhnungskirche, trauert um Brigitte Fiedler: „Ihre hohe Kompetenz besonders im Bereich der Dachauer Stadtgeschichte in der NS-Zeit wird uns sehr fehlen.“ Brigitte Fiedler habe in mehr als 25 Jahren als Rundgangsreferentin in der KZ-Gedenkstätte hunderten Schulklassen die Geschichte engagiert und anschaulich vermittelt und so das „Nie wieder“ weitergetragen.
2003 absolvierte sie die Ausbildung zur Gästeführerin der Stadt Dachau. „Sie war eine Kollegin, bei der jeder gerne mit zu einer Führung ging“, so Schreiner. Mit ihrem großen Wissen und ihrer begeisternden Art konnte sie auch andere für die Stadtgeschichte begeistern. Sie entwickelte eigene Formate und war beispielsweise eine treibende Kraft hinter der Initiative „Erinnerung pflegen“.
Erst im Mai dieses Jahres wurde Brigitte Fiedler bei der Mitgliederversammlung als Vorsitzende des Vereins der Dachauer Gästeführer wiedergewählt. Es sollte ihre letzte Amtszeit sein, wie sie selbst betonte. In dieser hat sie noch den Ausbildungskurs für neue Gästeführer auf den Weg gebracht, der in wenigen Tagen startet.
Ihre Freude, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, konnte sie nicht nur bei der Ludwig-Thoma-Gemeinde in verschiedenen Stücken ausleben, sondern sie gestaltete auch Führungen in der Dachauer Altstadt, beispielsweise bei ihrer Themenführung „Delirium furiosum“, wo sie zusammen mit einer Kollegin in ein Kostüm der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert schlüpfte und mit einem Augenzwinkern den Anbruch der modernen Zeit kommentierte.
2023 hat Oberbürgermeister Florian Hartmann Brigitte Fiedler mit der Silbernen Bürgermedaille ausgezeichnet. Denn mit ihrem großen Engagement als Gästeführerin und Vorsitzende des Gästeführer-Vereins war sie zu einem „Aushängeschild“ der Stadt Dachau geworden. Von den Kolleginnen und Kollegen wurde sie als „Motor unseres Vereins“ beschrieben, der mit neuen Ideen immer wieder Möglichkeiten schuf, Dachau neu zu entdecken. Den Kulturpreis der Überparteilichen Bürgergemeinschaft konnte Brigitte Fiedler 2024 stellvertretend für alle Gästeführerinnen und Gästeführer entgegennehmen. In ihrer Dankesrede appellierte sie an die Politik, „nicht an der Unterstützung für die Kulturarbeit zu sparen“. Kultur sei „das, was uns als Menschen ausmacht. Sie ist das Fundament unserer Gesellschaften, und das gegenseitige Verständnis ist der Schlüssel zu einer friedlichen und kreativen Zukunft“.
Am 8. Oktober 2025 ist Brigitte Fiedler verstorben – im Alter von nur 69 Jahren. Ihr Mann Gottfried ringt um Worte, beschreibt seine Frau als absoluten Familienmenschen. Sie beide haben zwei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder, die in Ravensburg und Berlin wohnen. Dennoch, so Gottfried Fiedler, „waren wir in die Betreuung eingebunden und daher auch viel unterwegs“.
Brigitte Fiedler wird in ihrer Familie fehlen, und auch in ihrem Verein, „mit ihrem umfangreichen Wissen, ihrer pragmatischen und zupackenden Art sowie ihrem besonnenen und ausgleichenden Wesen als Kollegin, als Wissensträgerin, als Mentorin, als Freundin“, sagt Rosemarie Schreiner traurig.