Dachau sucht neue Lösungen für Gemäldegalerie und Bezirksmuseum

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Der Bau eines Jugendkulturzentrums auf dem ehemaligen MD-Gelände galt lange als ausgemacht. Nun, da es auch kein großes Museumsforum geben wird, stehen auch die Pläne für die „Jugendkulturfabrik“ auf der Kippe. © rds

Nach dem Rückzug des Bezirks Oberbayern stehen Stadt und Landkreis Dachau vor der Herausforderung, ihre Museumslandschaft neu zu gestalten.

Eigentlich war es immer zu schön um wahr zu sein. Neben einem schicken, neuen Wohnviertel samt ausgedehnter Grünanlage sollte es auf dem früheren Dachauer Papierfabrikgelände ein Museumsforum sowie eine „Jugendkulturfabrik“ geben. Das Museumsforum, so der Plan, sollte das alte Dachauer Bezirksmuseum, die Gemälde- und die Neue Galerie sowie ein Museum zur Arbeits- und Industriekultur in Oberbayern umfassen. Die Jugend der Stadt sollte in einem Jugendkulturzentrum zusammenkommen, Bandproben abhalten, Podcasts aufnehmen und Konzerte anhören können.

Das Bezirksmuseum braucht dringend einen zeitgemäßen Anstrich, sowohl was die Ausstellung angeht – unser Bild zeigt Trachten in einer Vitrine –, als auch die Gebäudesubstanz selbst.
Das Bezirksmuseum braucht dringend einen zeitgemäßen Anstrich, sowohl was die Ausstellung angeht – unser Bild zeigt Trachten in einer Vitrine –, als auch die Gebäudesubstanz selbst. © hab

So zumindest, wie gesagt, war der Plan. Doch seit zwei, drei Jahren ist klar, dass Deutschland das Geld ausgeht. Und damit auch der Stadt und dem Landkreis Dachau sowie dem Bezirk Oberbayern. Aus der vom Kreisjugendring (KJR) groß geplanten „Jugendkulturfabrik“ wurde bereits vor drei Jahren denn auch nur noch eine kleine Lösung: eine Veranstaltungsfläche für gut 200 Personen sowie einfacher eingerichtete Nebenräume.

Wir brauchen die wirtschaftlich tragfähigste Lösung. Der Ort spielt keine Rolle.

Im vergangenen Jahr dann kam das Aus für die Neue Galerie. Dem Zweckverband Dachauer Galerien und Museen, damals noch aus Stadt, Landkreis und Bezirk Oberbayern bestehend, war die Einrichtung an der Konrad-Adenauer-Straße 20 in Zeiten knapper Kassen zu teuer. Gemeinsam mit dem sanierungsbedürftigen Bezirksmuseum und der Gemäldegalerie sollte die Neue Galerie eines fernen Tages im Museumsforum auf dem MD-Gelände neu eröffnen.

Doch auch daraus wird nichts, weil der Bezirk, wie berichtet, seine Mitgliedschaft im Zweckverband Dachauer Galerien und Museen im Frühjahr aufgekündigt hat. Ein Museum für Arbeits- und Industriekultur in Oberbayern wäre zwar weit um einzigartig, aber leider auch nicht zu finanzieren gewesen.

Die Folge: Stadt und Landkreis Dachau bilden nun wieder allein den Zweckverband Dachauer Galerien und Museen und müssen sich Gedanken machen, wie es weitergeht. Konkret geht es um die große Frage: Was wollen Stadt und Landkreis in Zukunft ausstellen? Und wo wollen sie es ausstellen?

Fakt ist: Das Bezirksmuseum in der Altstadt gehört zwar der Stadt, muss aber sowohl baulich als auch konzeptionell dringend auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Gemäldegalerie, die kunsthistorisch wertvolle Zeugnisse der Künstlerkolonie Dachau ausstellt, ist in einem von der Sparkasse gemieteten Gebäude an der Konrad-Adenauer-Straße 3 untergebracht.

Möglich wäre natürlich, so Landrat Stefan Löwl, dass der Kreistag beschließt, den Zweckverband ganz aufzulösen. Doch gibt er zu bedenken: „Wir haben auch eine museale Schutzverpflichtung. Wir können die Werke ja nicht einfach in den Keller stellen oder verkaufen.“ Gleiches gelte für die Immobilie des Bezirksmuseums, das Gebäude dürfte schwer bis unverkäuflich sein. Kurz, so Löwl: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirtschaftlich wäre.“ Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann findet zudem, dass gerade die Dachauer Gemäldesammlung „eine Strahlkraft über die Stadt hinaus“ hat.

Beide, Löwl und Hartmann, betonen daher, die bestehenden Häuser weiter betreiben zu wollen – wo auch immer. Einzige Bedingung sei die „Wirtschaftlichkeit“. Dr. Nina Möllers, Geschäftführerin des Zweckverbands Dachauer Galerien und Museen, sei gerade dabei, ein Konzept zu erarbeiten, wie Gemäldegalerie, Bezirksmuseum und die zeitgenössische Kunst der Stadt präsentiert werden könnten. Bezahlt wird Möllers übrigens – noch – vom Bezirk. Möllers war 2024 als Direktorin eingestellt worden, um sich um den Bau des Museumsforums zu kümmern. Nun ist sie, einfach formuliert, mit dessen Abwicklung beschäftigt.

Das Museumsforum in seiner ursprünglichen Form ist vorbei. Was drei hätten finanzieren sollen, schaffen wir zu zweit einfach nicht.

Für das noch laufende Bebauungsplanverfahren für das MD-Gelände hat die neue Situation natürlich entsprechende Auswirkungen. Der Investor, der aktuell unter dem Namen Buwog firmiert und eine Tochter des Immobilienkonzerns Vonovia ist, wartet seit Jahren auf einen gesatzten Bebauungsplan für das Areal, um endlich mit der Bebauung beginnen zu können. OB Hartmann betont, dass die gescheiterten Pläne für ein Museumsforum die Investorenpläne „nicht behindern“ sollen. Die Bauverwaltung im Rathaus mache sich daher Gedanken, wie die Fläche „statt einem Museum genutzt werden kann“ und wie man dies in einem Bebauungsplan festschreiben könnte.

In diesem Zuge wird auch überlegt, wie und wo die Stadt – der Landkreis hätte sich an diesem Projekt ohnehin nicht beteiligt – ein Jugendkulturzentrum baut oder in welche städtische Immobilie ein entsprechendes Angebot einziehen könnte. „Da wird gerade gerechnet“, so der OB. Die Gremien des Stadtrats würden vielleicht sogar noch dieses Jahr mit den Vorschlägen für eine Umplanung des MD-Geländes befasst.

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/dachau-sucht-neue-loesungen-fuer-gemaeldegalerie-und-bezirksmuseum-93974224.html