Neue Informationstafeln machen das Bodendenkmal im Landkreis Dachau für Besucher zugänglich und beleuchten seine Geschichte.
Der Landkreis Dachau ist reich an archäologischen Zeugnissen, die von der langen Siedlungsgeschichte der Region erzählen. Viele dieser Relikte früherer Kulturen liegen heute unter der Erde verborgen – unscheinbar, aber von großer historischer Bedeutung. Sie stammen aus ganz unterschiedlichen Epochen: von der Bronzezeit über die Römerzeit bis in das frühe Mittelalter.
Fünf dieser Bodendenkmäler werden nun durch neu aufgestellte Informationstafeln der Öffentlichkeit nähergebracht. Entstanden ist dieses Projekt durch das ehrenamtliche Engagement einer Arbeitsgruppe des Hutter-Museums in Großberghofen. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren arbeiteten Hartmut Cyliax (München), Herbert Lindlbauer (Niederroth) und Werner Wittmann (Karlsfeld) intensiv an der inhaltlichen und gestalterischen Umsetzung. Unterstützt wurde die Arbeitsgruppe vom Dr. Sabine Mayer, Ehrenamtsbetreuerin vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, und Dr. Birgitta Unger-Richter, Kreisheimatpflegerin im Landkreis Dachau.
In einer Serie stellen die Dachauer Nachrichten die fünf ausgewählten Fundstellen im Landkreis Dachau näher vor. Sie geben Einblicke in das Leben früherer Generationen – in ihre Wege, ihre Wirtschaft, ihre Bestattungsrituale. Heute: der Ringwall „Keckenberg“, eine Burganlage aus dem frühen Mittelalter.
Nur wenige Kilometer nördlich von Sittenbach, idyllisch gelegen auf einer Anhöhe nahe des Steinfurter Baches, liegt der Ringwall „Keckenberg“. Diese heute teilweise überwachsene, aber an einigen Stellen noch deutlich erkennbare Befestigungsanlage zeugt von einer Zeit, in der unsere Region durch Unsicherheit, Machtkämpfe und neue Herrschaftsstrukturen geprägt war – dem frühen bis älteren Mittelalter.
Eine Burg aus Wall und Graben
Die Grundfläche des Ringwalls ist oval bis rhombisch geformt und misst etwa 60 mal 65 Meter. „Besonders an der Ost- und Südseite sind Wall- und Grabenstrukturen noch gut erhalten“, erklärt Dr. Sabine Mayer. „Solche Anlagen wurden im 9. bis 11. Jahrhundert typischerweise an verkehrsgünstigen Orten erbaut – in Flussschleifen, an alten Wegen oder in Spornlagen wie hier am Keckenberg“. Sie dienten der Kontrolle von Wegen, aber auch dem Schutz in unsicheren Zeiten.
Möglicherweise sei die Befestigung als Fluchtburg während der Ungarneinfälle errichtet worden, die Mitteleuropa zwischen 899 und 955 nach Christus erschütterten. „Doch der Keckenberg war mehr als nur Zufluchtsort“, so Mayer: Im Mittelalter soll hier ein Edelgeschlecht ansässig gewesen sein, das sich vom 11. bis 13. Jahrhundert nach Sittenbach benannte. Historiker vermuten eine Verbindung zum bedeutenden Adelsgeschlecht der Eisenhofer, das über viele Burgen entlang der Glonn herrschte.
Eine Urkunde von 1452/53 belegt, dass Conrad der Eisenhofer den „Keckenhof“ und den „Purchstal“ – also den Burghügel – dem Kloster Indersdorf stiftete. Schon damals war der Burghügel bewaldet – ein Zeichen, dass die Anlage bereits verlassen war.
Archäologie, Funde und Zerstörung
Obwohl die Befestigung selbst bislang keine mittelalterlichen Fundstücke geliefert hat, bleibe der Ort für die Archäologie bedeutsam. Zeitweise wurde sogar eine keltische Nutzung diskutiert – nicht zuletzt wegen des bekannten Fundes von 1300 bis 1400 keltischen Regenbogenschüsselchen nahe Gaggers, der sich unweit des Keckenbergs ereignete.
Die erste ausführliche Beschreibung der Anlage stammt aus dem Jahr 1855, verfasst vom Historiker Friedrich Hector Graf von Hundt in seiner Schrift „Alterthümer des Glonngebietes“. Darin enthalten ist auch eine Zeichnung des Burgstalls. „Schon damals warnte von Hundt vor dem drohenden Verlust durch Kies- und Sandabbau – eine Befürchtung, die sich später leider bewahrheiten sollte“, so Mayer. Insbesondere das südwestliche Burgeck wurde durch Sandabbau in den 1970er Jahren zerstört.
Trotz dieser Verluste gehört der Ringwall „Keckenberg“ heute zu den besterhaltenen frühmittelalterlichen Befestigungen im Landkreis und vermittele laut der Experten „wichtige Einblicke in die Siedlungs- und Verteidigungsgeschichte der Region“.
Weitere Nachrichten aus der Region Dachau lesen Sie hier.