Dachau prüft Baustellenmanagement nach Verkehrschaos

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Die Sanierung und halbseitige Sperrung der Amperbrücke führte im Frühjahr 2024 zu langen Staus auf der Ludwig-Dill-Straße. Eine ähnliche Geduldsprobe dürfte bald, wenige Meter weiter stadteinwärts, die halbseitige Sperrung der Schillerstraße auf Höhe des Holzgartenkanals werden. © hab

Dachauer Autofahrer brauchten zuletzt viel Geduld. Die Stadt selbst sprach von „immensen Behinderungen“ und davon, dass sie ihr „Baustellenmanagement“ verbessern will. Die nächste Großbaustelle steht bereits an.

Der OB gab sich vergangene Woche reumütig: Wegen „größerer Straßenbaumaßnahmen“, unter anderem an der Sudenten-, Kopernikus- und Würmstraße, sei es für die Dachauer zu „Behinderungen, Staus und langen Fahrzeiten“ gekommen. Florian Hartmann führte zwar aus, dass die Stadt bei ihren Baumaßnahmen mit „unterschiedlichen Akteuren“ arbeiten müsse und „terminlichen Zwängen“ unterliege, aber er gab auch zu, dass die Stadt ihr „Baustellenmanagement überprüfen und anpassen“ werde. Ziel: „So immense Behinderungen wie in den letzten Tagen künftig zu vermeiden.“

CSU will wissen: „Was lernt die Dachauer Bauverwaltung aus dem herbstlichen Baustellen-Chaos?“

Die Dachauer CSU, wie der OB und alle anderen politischen Akteure aktuell im Wahlkampf-Modus, will es aber genauer wissen. In einer am Dienstagvormittag verschickten Anfrage an den Oberbürgermeister fragen die Christsozialen, „was die Dachauer Bauverwaltung aus dem herbstlichen Baustellen-Chaos lernt“? Konkret: „Welche Maßnahmen werden ergriffen, um ein so massives zeitgleiches Aufeinandertreffen von Baustellen in Zukunft zu vermeiden?“

Eine Antwort auf diese Anfrage wollten oder konnten Hartmann und sein Bauamtsleiter Moritz Reinhold am Dienstagnachmittag in der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses noch nicht geben. Was es aber gab: gute Nachrichten zum generellen Zustand der Dachauer Straßen!

75 Prozent der Dachauer Straßen sind in Ordnung

So habe im Sommer 2024 eine Befahrung zur Erfassung des Dachauer Straßenzustands stattgefunden. Die Ergebnisse würden nun in einem Straßenzustandskataster zusammengefasst und böten eine „verlässliche Datengrundlage“, wie und wo in Zukunft saniert und investiert werden soll.

Laut OB Hartmann wisse man jetzt dank des Katasters, dass „75 Prozent der Verkehrsflächen mittelfristig in Ordnung sind“, 25 Prozent müsse man sich dagegen „näher anschauen“. Der Dachauer 75-Prozent-Wert sei im Vergleich spitze: Bei den Staatsstraßen seien nur 45 Prozent im grünen Bereich, bei den Bundesstraßen seien es nur 60 Prozent.

Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) lobte das Kataster, das nun „klare Aussagen über den Zustand der einzelnen Straßen, Parkplätze, Radwege und Haltestellen“ in Dachau liefere. Vor allem da, wo Busse und Radwege betroffen seien, sollte die Stadt künftig „mindestens erhalten, wenn nicht sogar verbessern“. Straßen, auf denen nur Autos führen, sollten dagegen eine geringere Priorität erhalten: „Im Auto ist man ja besser gefedert.“

Eine Baustelle an dieser viel befahrenen Straße wird zu enormen Behinderungen führen

Definitiv nicht mehr im grünen Bereich liegt allerdings die Brücke über den Holzgartenkanal an der Schillerstraße. Wie berichtet, hatte die Stadt vor gut zwei Jahren an der Stelle eine Fahrbahnsanierung durchführen wollen und dabei festgestellt, dass die Schäden an dem Bauwerk weit mehr betreffen als nur den Straßenbelag. Die Baustelle war nach wenigen Tagen wieder abgeblasen worden, jedoch hatte sich schon in der Kürze der Zeit angedeutet: Eine Baustelle an dieser viel befahrenen Straße wird zu enormen Behinderungen führen.

Brücken-Baustelle dauert acht Monate

In der Ausschusssitzung am Dienstag legte Bauamtsleiter Reinhold nun Einzelheiten zu der Maßnahme vor. So solle die Brücke nicht nur instandgesetzt, sondern rundum erneuert werden. Letzteres bedeutet zwar Kosten von 1,14 Millionen Euro und eine Bauzeit von gut acht Monaten. Allerdings sei diese vergleichsweise hohe Investition nachhaltiger: Laut Bauamt sei „eine Restlebensdauer von mindestens 80 Jahren zu erwarten“.

Klar, räumte Reinhold ein, würde eine Vollsperrung der Brücke die Baumaßnahme deutlich verkürzen. Allerdings gebe es für die Stadtbus- und X-Buslinien, die über die Brücke fahren, keine Alternativrouten. Die innere Ludwig-Dill-Straße beispielsweise, die Stadtrat Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau) ins Spiel brachte, sei „aus verschiedenen Gründen“ als Umfahrung nicht geeignet: Sie sei zu klein und könne die Busse und überhaupt „den vielen Verkehr“ gar nicht aufnehmen.

Stadträte stimmen Bauvorhaben zu

Zähneknirschend stimmten die Stadträte diesem Vorgehen zu, hatten aber dennoch Fragen. Thomas Kreß (Grüne) etwa fragte nach, wie lange die aus den 1960er-Jahren stammende Brücke ohne Sanierung noch durchhalten würde? Reinholds Antwort fiel ernüchternd aus: „Da muss man jetzt ran. Wir können nicht warten, bis ein Brocken runterfällt und wir dann ganz sperren müssen.“ Lieber gehe man die Maßnahme planvoll an.

Apropos planvoll: Johannes Spannraft (CSU) wollte wissen, ob dann die anderen, ähnlich alten Brücken in Dachau nun genauso baufällig seien wie die Brücke an der Schillerstraße? Reinholds Antwort deutete nichts Gutes an. So gebe es in der Stadtverwaltung zwar einen zuständigen Ingenieur, doch sei die erforderliche Brückenprüfung „nach den Buchstaben des Gesetzes“ von diesem Fachmann allein mittlerweile nicht mehr zu schaffen. Die Stadt habe daher externe Ingenieurbüros engagiert, die – mit der Suche nach Mängeln beauftragt – auch sicher welche finden würden. „Da ist zu erwarten, dass dann noch die eine oder andere Überraschung entdeckt wird.“

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