Wie hat sich die Population von Bären in Bayern und Tirol in den letzten Jahren entwickelt?
In den vergangenen Jahren gab es in Bayern und Tirol vereinzelte Nachweise von Braunbären. In Bayern wurden umherstreifende Braunbären in den Jahren 2019 und 2023 gesichtet. Die letzten Nachweise liegen schon zwei Jahre zurück.
Im April 2023 wurden Spuren in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach bestätigt. Mitte Mai wurde ein männlicher Bär im Salzburger Land von einem Zug tödlich erfasst. Vermutlich handelte es sich dabei um den Bären der zuvor in Südbayern unterwegs war. Eine dauerhafte Ansiedlung von Bären ist in Bayern bislang nicht erfolgt. Experten gehen jedoch davon aus, dass grundsätzlich geeigneter Lebensraum für Bären im bayerischen Alpenraum vorhanden ist und immer wieder einzelne Tiere aus dem italienischen Trentino über Österreich nach Süddeutschland kommen können.
Auch in Tirol wurden in den letzten Jahren immer wieder einzelne Braunbären nachgewiesen. Diese Tiere wandern meist aus dem italienischen Trentino ein, doch auch hier hat sich bislang keine dauerhafte Population etabliert. Auch im österreichischen Kärnten halten sich immer wieder Bären auf. Diese stammen meist aus Slowenien, wo es eine stabile Bärenpopulation von über 1000 Tieren gibt.
Wer war 'Bruno' und wieso wurde er als sogenannter 'Problembär' eingestuft?
Bruno, auch bekannt als JJ1, war ein männlicher Braunbär, der 2006 in Bayern Schlagzeilen machte. Er stammte ursprünglich aus der italienischen Provinz Trentino und wanderte über Österreich nach Deutschland ein. Bruno war der erste wildlebende Bär in Deutschland seit mehr als 170 Jahren.
Warum wurde Bruno als „Problembär“ eingestuft?
Bruno erhielt die Bezeichnung „Problembär“, weil er mehrfach Verhalten zeigte, das für Braunbären in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft wie den Alpen als potenziell problematisch gilt:
- Angriffe auf Nutztiere: Er riss mehrfach Schafe, Ziegen und Hühner und zerstörte Bienenstöcke und Silos.
- Nähe zu Siedlungen und Menschen: Bruno hielt sich regelmäßig in der Nähe bewohnter Gebiete auf. Obwohl er überwiegend nachts aktiv war und nur selten direkt gesichtet wurde, bestand dennoch ein Risiko: Immer wieder näherten sich Menschen dem Bären, teils aus Neugier. Da Bruno diese Annäherungen zunehmend tolerierte, stieg die Gefahr potenziell gefährlicher Begegnungen zwischen Mensch und Tier.
Konsequenzen und Abschuss:
Nach mehreren erfolglosen Versuchen, Bruno lebend einzufangen, wurde er am 26. Juni 2006 auf Anordnung der bayerischen Behörden erschossen. Die Entscheidung löste eine breite öffentliche Debatte über den Umgang mit Wildtieren in Deutschland aus.
Welche Maßnahmen werden in Bayern und Tirol ergriffen, um das Zusammenleben von Menschen und Bären zu ermöglichen?
Sowohl in Österreich als auch Bayern erfolgt der Umgang mit Bären nach sogenannten Managementplänen, die auf Monitoring, Prävention und gezielte Interventionen setzen. Ein Netzwerk aus Fachleuten und geschulten Personen überwacht in Bayern Bärennachweise und bewertet potenzielle Risiken.
Um Konflikte zu vermeiden, werden präventive Maßnahmen wie der Einsatz von Elektrozäunen und Herdenschutzhunden gefördert. Sollte ein Bär problematisches Verhalten zeigen, etwa die Nähe zu Siedlungen suchen oder wiederholt Nutztiere reißen, sind abgestufte Maßnahmen möglich – von der Vergrämung über den Fang bis hin zur Entnahme in extremen Fällen.
Auch in Tirol gibt es einen umfassenden Managementplan für Bären, der klare Zuständigkeiten und Abläufe für den Umgang mit Bärenbegegnungen und -konflikten definiert. Hier stehen präventive Maßnahmen wie der Schutz von Nutztieren und Bienenstöcken im Vordergrund. Für Krisensituationen existieren definierte Handlungsstrategien, sodass die Behörden schnell und angemessen reagieren können.
Darüber hinaus legt Tirol großen Wert auf Öffentlichkeitsarbeit. Durch Information und Sensibilisierung soll die Akzeptanz für Bären gefördert und das Verständnis für ihr Verhalten gestärkt werden.
Beide Regionen verfolgen das Ziel, die Rückkehr des Braunbären in die Alpenregion zu begleiten und gleichzeitig die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.
Nahe der Österreichisch-Deutschen Grenze wurde ein Bär nachgewiesen. Kommt dieser nun nach Bayern?
Im Tiroler Ötztal wurde kürzlich ein Braunbär gesichtet. Die ersten Hinweise auf seine Anwesenheit wurden am 8. Mai 2025 entdeckt, als Bärenspuren im Schnee und gerissene Tiere in der Nähe von Umhausen gefunden wurden. Später konnte das Tier durch eine Wildkamera in Sautens erfasst werden und in der Nachbargemeinde Roppen wurden zerstörte Bienenstöcke entdeckt, was ebenfalls auf die Anwesenheit des Bären hinweist.
Die Gemeinde Umhausen hat die Bevölkerung zur Aufmerksamkeit und Vorsicht aufgerufen. Obwohl Bären in Tirol als unauffällig gelten, können sie gefährlich werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Es ist durchaus möglich, dass der Bär weiter nach Norden wandert und nach Bayern kommt. Die aktuellen Nachweise liegen etwa 30 Kilometer von der Grenze zum Landkreis Garmisch-Partenkirchen entfernt.
Insbesondere junge, männliche Bären sind bekannt dafür, weite Wanderungen auf der Suche nach einem eigenen Streifgebiet, Nahrung und einer Partnerin zu unternehmen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Bruno, der einst aus dem italienischen Trentino über Österreich nach Bayern gewandert ist.
Über Moritz Klose
Moritz Klose ist Wildtierexperte und arbeitet als geschäftsführender Vorstand für die NABU International Naturschutzstiftung. Er beschäftigt sich vor allem mit Fragen rund um das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren und setzt sich dafür ein, dass eine Nachbarschaft zwischen beiden gelingt. Auch persönlich ist er oft im Wald unterwegs, macht sich auf Spurensuche und erfreut mich an naturnahen Wäldern, wo der Mensch die Natur Natur sein lässt.
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"Im Reich der Bären" von Moritz Klose
Dieser Beitrag stammt aus dem EXPERTS Circle – einem Netzwerk ausgewählter Fachleute mit fundiertem Wissen und langjähriger Erfahrung. Die Inhalte basieren auf individuellen Einschätzungen und orientieren sich am aktuellen Stand von Wissenschaft und Praxis.