Neurowissenschaftler: Mit diesem besonderen Bild werden Sie 2026 glücklich

Sie wollen 2026 endlich glücklich werden? Das bedeutet dann wohl, dass Sie bisher nicht glücklich sind. Das ist natürlich bedauerlich und impliziert die Frage, warum Sie aktuell unglücklich sind. Wenn Sie diese Frage gar nicht so recht beantworten können, dann sind Sie vielleicht doch nicht so unglücklich wie Sie denken. Und könnten aufhören zu lesen. Aber langsam...

Wenn Sie wissen, was Sie unglücklich macht, handeln Sie

Wenn Sie die Frage allerdings ganz klar beantworten können, dann würde ich Ihnen empfehlen, genau diesen Punkt – oder diese Punkte – zu bearbeiten: 

  • Sie sind unglücklich im Job? Dann suchen Sie sich einen anderen.
  • Ihre Beziehung funktioniert nicht so richtig? Dann arbeiten Sie daran oder ziehen Sie die Konsequenzen.
  • Sie sind, warum auch immer, unglücklich mit Ihrem Äußeren? Dann ändern Sie doch das, was Sie stört. 

Das ist alles natürlich ziemlich anstrengend. Jedenfalls auf den ersten Blick viel anstrengender, als es so zu lassen wie es ist, und im nächsten Jahr um diese Zeit, wieder einen Artikel zu suchen, der den ultimativen Weg zum Glücklichsein verspricht.

Die unbequeme Wahrheit über Verantwortung

Wenn man die Sache aber aus dieser Perspektive betrachtet, wird klar, dass niemand anderes als Sie selbst für Ihr Glücklichsein verantwortlich sind. Das ist vielleicht nicht die Antwort, die Sie lesen wollten, aber wir sind alle erwachsen, und so ist das nun mal. 

Aus Sicht eines Coaches lautet der erste Teil meiner Antwort auf die Frage also: Ändern Sie, was Sie ändern können. Aber gern mit Weitsicht: Ist etwas aktuell doof, wird aber besser, dann ziehen Sie es gern durch, als bewusste Entscheidung. So habe ich das im Studium gemacht. Ist es doof und bleibt es wohl auch so? Dann gilt es, was zu tun!

Ihr Gehirn ist nicht fürs Glück gebaut

Aus Sicht des Neurowissenschaftlers fällt meine Antwort vielleicht noch enttäuschender aus. Unser Gehirn ist nämlich nicht fürs Glücklichsein gemacht. Entwicklungsgeschichtlich ging es immer nur um eins, nämlich ums Überleben. Physiologisch und neurologisch ist unsere Biologie darauf ausgerichtet, unseren Organismus am Leben zu halten – und im besten Fall die eigenen Gene weiterzugeben. Und darin, unser Überleben zu sichern, ist unser Gehirn ziemlich gut. 

Der Nachteil an dieser Mechanik ist, dass unser Gehirn aufgrund dieser Ausrichtung überall Gefahren wittert. Auch da, wo eigentlich gar keine sind. Deshalb sind Ihnen die ersten Absätze auch so unangenehm gewesen. Denn etwas zu ändern bedeutet Unsicherheit. Sie sind zwar in Ihrer Beziehung unglücklich, aber Sie wissen natürlich nicht, ob es besser wird, wenn Sie eine neue Beziehung beginnen. Oder was Ihr Partner oder Ihre Partnerin sagen wird, wenn Sie ernsthaft die Punkte ansprechen, die Sie stören. 

Was unser Gehirn nämlich in Wahrheit sucht, ist Sicherheit. Deshalb warnt es uns vor jeder Veränderung und vor jeder Ungewissheit. Wir spüren diese Warnung als Stress oder gar als Angst. Jede große Veränderung muss gegen den Widerstand unseres Gehirns erkämpft werden. Das kann man machen. Aber es ist schwierig. 

Und nur weil ich hier schreibe, dass Sie etwas an den Umständen, die Sie unglücklich machen, ändern sollen, wird es nicht einfach so passieren. Das wissen wir schließlich alle. Lassen Sie uns also kleinere – aber ziemlich wirksame – Schritte machen.

Nicht glücklicher werden – sondern weniger unglücklich

Ich kann Ihnen – als Coach und als Neurowissenschaftler – einen Tipp geben, der Sie vielleicht nicht glücklich macht, aber der Sie viel weniger unglücklich sein werden lässt: Erlauben Sie sich, Dinge ziehen zu lassen.

Nicht alles auf dieser Welt liegt in Ihrer Verantwortung. Nicht jedes Problem muss von Ihnen gelöst werden und nicht jeder Stress hat etwas mit Ihnen zu tun. Schon gar nicht muss jede Nachricht und jede Information von Ihnen bewertet werden. Das gilt auch – und das mag viele überraschen – für unsere Gedanken. 

Nicht alles, was wir denken ist auch wahr. Und schon gar nicht wird es Realität. Und wichtig ist das meiste eh nicht.

Stellen Sie sich dieses Bild vor

Denken Sie an die vielen, vielen Kleinigkeiten, die tagtäglich als fiese kleine Stressoren auf uns einprasseln. Der morgendliche Verkehr, die unfreundliche oder unfähige Kollegin. Das schlimme Schicksal der Schwägerin, des Nachbarn. Der Typ, der auf X eine andere Meinung hat als Sie selbst. Das große Ganze komprimiert in den (schlechten) Push-Nachrichten auf unserem Handy. Trump dies, Klima das, Hunger hier, Krieg dort. Das macht fertig. 

Erlauben Sie sich 2026 stattdessen dieses Bild: 

Stellen Sie sich vor, Sie machen einen Spaziergang und es fängt an zu stürmen. Regen, Wind, richtig unangenehme Sache. 

Aber: Sie würden niemals denken, dass es Ihretwegen stürmt. Sie würden sich auch nicht die Schuld an dem Sturm geben. Ja, es ist vielleicht unangenehm, weil Sie keinen Schirm dabei haben (was tatsächlich Ihre eigene Schuld ist – oder besser: in Ihrer Verantwortung gelegen hätte) und sogar nass werden. 

Aber dann kommen Sie nach Hause, ziehen sich trockene Sachen an und freuen sich, dass es zuhause so schön warm ist. Das ist das Bild, das ich Ihnen für 2026 mitgeben möchte. Nicht alles ist Ihr Sturm! Nicht der Stress der anderen, nicht das ferne Weltgeschehen, das auch ohne Sie geschehen wird.

Das ist keine Ignoranz. Man nennt das Gelassenheit. Es ist der erste Schritt zur Akzeptanz dessen, was man nicht ändern kann. In der gesunden Distanz zum Unveränderbaren liegt ein Teil des Glücks. 

Und es ist der zweite Teil meiner ultimativen Glücks-Antwort: Ändern Sie, was Sie ändern können, und nehmen Sie an, was Sie nicht ändern können. Und halten Sie an diesem Bild fest: Nicht alles ist Ihr Sturm!

Dr. Frederik Hümmeke ist ein renommierter Verhaltens- und Kultur-Philosoph und gilt als gefragter Business Coach in Europa. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.