Gelungene Betriebsnachfolge in Dachau: Meister Eder übergibt an seine Carmen

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Dachau

Kommentare

Vater übergibt an Tochter: Hans-Jürgen Eder mit Carmen Eder und einem Blech Krapfen, „die Besten des Universums“, wie die 29-jährige Konditormeisterin selbstbewusst erklärt. © hab

Sie war noch keine zwei Monate alt, da lag die kleine Carmen schon im Maxi Cosi auf der Arbeitsfläche in der Konditorei. Nun übernimmt die inzwischen 29-jährige Konditormeisterin das Café von ihrem Vater Hans-Jürgen Eder (60). Eine Geschichte über eine gelungene familieninterne Nachfolge.

Dachau – Das Handwerk wurde ihr in die Wiege gelegt – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit der neugeborenen Carmen ist die Familie Eder im Jahr 1995 nach Dachau gezogen, Hans-Jürgen Eder hatte sich gerade selbstständig gemacht und fand mit dem Café an der Martin-Huber-Straße in Dachau einen Betrieb und zugleich ein Zuhause für seine Familie. Carmen wuchs in Backstube und Café auf, „das war eigentlich unser Wohnzimmer“. Inzwischen ist sie selbst Konditormeisterin, wie ihr Vater. Seit 1. Januar führt sie den Betrieb.

In Deutschland droht vielen Handwerksbetrieben das Aus, weil sie für ausscheidende Chefs keine Nachfolger finden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks berichtete, dass bis 2030 rund 125 000 Betriebe einen neuen Inhaber suchen. Bis 2045 betrifft das Problem fast jeden zweiten Handwerksbetrieb. Das Café Eder in Dachau gehört glücklicherweise nicht dazu.

In der Familie Eder wurde immer schon gerne gebacken. „Mein Vater hat schon gerne gebacken, von meiner Oma stammen die Rezepte vom Krapfenteig und vom Brot, mein Cousin ist auch Konditor“, erzählt Hans-Jürgen Eder. Der gebürtige Münchner hat es zwar als Jugendlicher mal mit einer Ausbildung bei der Polizei versucht, ist aber schnell umgesattelt auf Konditor. „Und das war das Richtige!“ Nach der Ausbildung bei der Bäckerei-Konditorei Traublinger arbeitete er in verschiedenen Betrieben, im Café am Dom, ein Jahr lang in Italien, bei Käfer, und im Sternelokal „Le Gourmet“, an der Meisterschule absolvierte er seinen Meister.

Das Café war das „Wohnzimmer“ der Familie

„Dann ist der Wunsch aufgekommen, mich selbstständig zu machen.“ Hans-Jürgen Eder, seine Frau Marion und seine beiden Töchter Carmen und Nadine fanden in Dachau das Richtige: ein nettes Café – mit der Wohnung gleich oben drüber. „Das war das Entscheidende.“ So fand die Familie Eder vor 30 Jahren ihr Zuhause an der Martin-Huber-Straße.

Als die kleine Carmen dem Maxi Cosi entwachsen war, stand sie mit ihren Eltern in Café und Backstube, hat immer eifrig mitgewerkelt. „Und sie war sehr geschickt“, berichtet der Vater. Als Carmen in den Kindergarten kam, gab er ihr eine Breze, ein Stück Butter und ein Messer für die Brotzeit mit  – „worüber die Erzieherinnen leicht erschrocken waren“.

Ihre Kindheit im und über dem Café Eder hat Carmen geliebt. „Es war immer schön, im Schlafanzug hier runter zu gehen und zusammen zu frühstücken. Das Café war praktisch unser Wohnzimmer.“ Am Wochenende half auch ihre Mutter mit, die sonst in einer Bank arbeitet.

Ausbildung auch fern des elterlichen Betriebs

Ihre Schwester Nadine, heute 32 Jahre alt, wurde Friseurin und ist inzwischen auch Meisterin ihres Handwerks. Carmen Eder wollte eigentlich mal Tierpflegerin werden, erzählte sie. „Aber so ganz sicher war ich mir nicht, ob ich wirklich so tier- und naturverbunden bin.“ Sie absolvierte während der Schulzeit Praktika als Koch und Bäcker, entschied sich aber schließlich für den Beruf der Konditorin, „das ist am kreativsten“. Ihre Ausbildung machte Carmen Eder bei Rischart in München. „Es macht Sinn, wenn man mehr sieht als den elterlichen Betrieb, außerdem wäre es immer ungerecht gewesen, entweder der eigenen Tochter gegenüber oder anderen Auszubildenden gegenüber“, sagt Hans-Jürgen Eder. Nach ihrer Ausbildung absolvierte auch Carmen als Gesellin noch verschiedene Stationen, im Hotel Überfahrt in Tegernsee zum Beispiel, in größeren und kleineren Betrieben und in einem Bio-Betrieb, bevor sie dann ihre Konditormeisterprüfung ablegte.

Dann, vor eineinhalb Jahren, kam die Frage auf, ob die Tochter das Geschäft übernehmen würde. „Nach einer kurzen Bedenkzeit hat sie zugesagt“, sagt der Vater stolz und wirft seiner Tochter einen Blick zu.

„Ich hab mir schon überlegt, ob ich reif genug dafür bin, gefühlt hab ich mich eigentlich wie 18“, erzählt Carmen Eder und lacht. „Aber jetzt fühle ich mich richtig erwachsen.“ Seit 1. Januar ist sie die Chefin, spürt, dass sie viel Verantwortung trägt für die 18 Mitarbeiter. „Wir sind ein sehr familiärer Betrieb, das schätzen unsere Angestellten. Sie bleiben uns lange erhalten.“

 Jetzt fühle ich mich richtig erwachsen.

Carmen Eder liebt ihren Beruf, als Selbstständige schätzt sie die Abwechslung: Morgens schaut sie in der Backstube vorbei, wo Semmeln gebacken und die Teige angerichtet werden, sie hilft mit beim Bedienen, beim Verkaufen, liefert Ware aus, backt Krapfen, hat viel Kontakt mit Menschen, erfüllt alle Kundenwünsche. Vor allem „Sondertorten“ backt sie gern, hier könne sie ihre Kreativität ausleben, wie sagt.

Der Vater Hans-Jürgen Eder hält sich seit dem 1. Januar ein bisschen zurück. Er ist immer noch da, aber überlässt der Tochter das Ruder. „Er fragt manchmal, was ist das Tagesgericht, was machen wir heute?“ Das sei etwas ungewohnt, „aber wir harmonieren sehr gut“. Vor allem ist er „unfassbar stolz auf mich und findet es super, wie ich hier alles mache“.

Auch interessant

Kommentare