24. Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft: „Endlich handeln, nicht nur reden!“

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Hat einen klaren Forderungskatalog an die Politik: Franz-Xaver Peter㈠anderl, Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern. © hwa

Auf dem 24. Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Ludwig-Thoma-Haus äußerten die Redner ihre Sorgen. Für die Politik hat der Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern klare Forderungen.

Kaminkehrermeister Oswald Klein bildete das Empfangskomitee zum diesjährigen Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Dachauer Thomahaus. Klein begrüßte die Gäste und überreichte jedem Besucher neben den besten Wünschen auch einen kleinen Kaminkehrer als Glücksbringer.

Friseurmeisterin Sandra Breiding eröffnete dann den Reigen der Redner. Auf ihre Begrüßungsansprache folgte als Vertreter der Banken und Sparkassen Ulrich Zeiler, Vorstandsmitglied der Volksbank-Raiffeisenbank Dachau.

Nach Zeiler war der stellvertretende Landrat Helmut Zech an der Reihe. Zech blickte mit Sorge in das neue Jahr. Nach seiner Meinung sei die Politik schuld an der Krise im Bausektor. Sein Appell an die politischen Entscheider: „Gebt den Menschen Zuversicht und Verlässlichkeit! Jedes Jahr fordern wir den Abbau von Bürokratie und jedes Jahr kommt mehr Bürokratie hinzu!“

Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann sah es ähnlich. „Für diesen Bereich war das vergangene Jahr ein verschwendetes, vergeudetes Jahr. Bei uns werden erkannte Probleme diskutiert und nicht entschieden. Das gilt für den Brandschutz, das Planungsrecht und auch für das Vergaberecht.“ Hartmann sah sogar die Demokratie gefährdet, wenn man nicht endlich handele statt rede.

Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs versuchte es mit Motivationstraining: „Lassen Sie 2025 zum besten Jahr aller Zeiten werden, und das geht nicht durch Trübsal blasen. Wir haben 130 Berufe im Landkreis, überall kriselt es. Das Glück hängt aber nur von Deinen Gedanken ab. Lasst uns mit Kraft, Begeisterung und Leidenschaft ins Neue Jahr gehen!“

Es braucht einen „Neustart in der Wirtschaftspolitik“

Hauptredner des Abends war Franz-Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern. Seiner Rede stellte er voran: „Die Wünsche sollte man heuer wörtlich nehmen, denn das Zerbrechen der Ampel hat deutliche Spuren in der Wirtschaft hinterlassen und es besteht ein Handlungsvakuum. Trump droht mit Protektionismus, die Arbeitslosigkeit steigt, es gibt einen hohen Existenzdruck auf das Handwerk , die Zinsen verzögern Entscheidungen.“

Vier Themenkreise riss Peteranderl an: Bürokratie, Steuer- und Abgaben, Fachkräftemangel und Energie. Die Handwerkskammer stelle 47 Forderungen an die Politik. Deutschland brauche „einen grundlegenden Neustart der Wirtschaftspolitik“.

Vier Eckpunkte seien dabei besonders wichtig: ein verlässlicher Rahmen in der Energiepolitik, der Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit gewährleiste. Zweitens eine Konsolidierung der Sozialsysteme, die unsere soziale Sicherung zukunfts- und demographiefest mache. Drittens eine solide Steuer- und Finanzpolitik, die auch eine dringend notwendige Entlastung von Steuern und Abgaben ermögliche. Und schließlich ein deutlicher Abbau der Bürokratie, um „Unternehmergeist und Innovationskraft nicht durch Vorschriften und Nachweispflichten zu strangulieren“.

Positiv sieht Peteranderl die Ankündigung des Modernisierungs- und Beschleunigungsprogramm des Freistaats „Bayern 2030“ an. Zehn Prozent aller Verwaltungsschriften sollen dadurch abgebaut werden. Ebenfalls beinhalte das Programm weitere wichtige Punkte wie seien die Lockerung des Baurechts, um verschiedene Baumaßnahmen einfacher durchführen zu können, die Lockerung des Vergaberechts und die Beschleunigung der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Diese Initiativen, so Peteranderl, seien zwar zu begrüßen. „Sie führen jedoch nicht zum Erfolg, wenn an anderer Stelle immer neue, noch größere Bürokratielasten entstehen.“

Jugendliche sollen Beruf lernen

Zum Fachkräftemangel rechnete Peteranderl vor: „Bei den bayerischen Arbeitsagenturen sind aktuell über 37 000 offene Stellen in Handwerksberufen gemeldet. Davon sind 18 000 auch rechnerisch nicht zu besetzen, weil zu wenige entsprechend qualifizierte Arbeitslose zur Verfügung stehen. Im Herbst waren 56 von 100 Handwerksbetrieben auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Die bayerischen Handwerksbetriebe haben ihr Lehrstellenangebot im vergangenen Jahr um 1100 Ausbildungsstellen auf 33 300 ausgeweitet. 8800, also über ein Viertel der angebotenen Ausbildungsplätze, konnten aber nicht vergeben werden!“

Gerade das Handwerk biete hervorragende Chancen, jungen Menschen eine erfolgversprechende Perspektive für ihre Zukunft zu geben. Aktuell gibt es in Deutschland fast drei Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 ohne beruflichen Abschluss. Ziel müsse es aber sein, dass möglichst alle Jugendlichen einen Beruf erlernen. „Deshalb verdient die berufliche Bildung besonderes Augenmerk!“

Walter Huebner

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