Der US-Militärschlag in Venezuela und die filmreife Festsetzung des sozialistischen Machthabers Nicolás Maduro haben das Augenmerk vieler Deutscher auf das südamerikanische Land gelenkt. Dabei tauchte Venezuela schon Monate zuvor in den Schlagzeilen auf, allerdings ohne eine größere Debatte auszulösen.
Im Kern ging es darum, dass Venezuela erstmals auf Platz 1 der europäischen Asyl-Herkunftsländer steht, noch vor Syrien oder Afghanistan.
So stellten im Jahr 2024 etwa 73.000 Staatsangehörige aus Venezuela Asylanträge in der EU, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2025 kamen bereits knapp 50.000 Menschen aus Venezuela in EU-Länder. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr, könnte die Marke von 100.000 Asylanträgen geknackt werden. Die finalen Zahlen liegen noch nicht vor.
10.000 Flüchtlinge aus Venezuela leben derzeit in Sachsen
Bevorzugtes Ziel der Flüchtlinge ist mit großem Abstand Spanien, hauptsächlich aufgrund der gemeinsamen Sprache. Gleich danach folgt Deutschland. Die meisten Venezolaner weist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Sachsen zu. Mit der Konzentration will man die Integration der Menschen erleichtern und Ressourcen etwa im Bereich von Dolmetschern bündeln.
Nach Angaben der Landesdirektion Sachsen leben aktuell rund 10.000 Venezolaner im ostdeutschen Freistaat. Davon besitzen etwa 2800 Personen einen Aufenthaltstitel aus humanitären oder politischen Gründen, 1829 weitere Flüchtlinge sind geduldet.
In allen anderen Fällen (mehr als die Hälfte) wird der Asylantrag entweder gerade bearbeitet oder wurde bereits abgelehnt, was in der Regel eine Gerichtsklage der Betroffenen nach sich zog. Generell ist die Anerkennungsquote in Asylverfahren mit Menschen aus Venezuela gering. Im europäischen Durchschnitt lag sie 2024 bei lediglich drei Prozent.
Nach aktuellem Stand müssen die aus wirtschaftlicher Not und wegen politischer Verfolgung Geflüchteten nicht mit einer Ausweisung von Deutschland zurück nach Venezuela rechnen. "Eine Ausweisung wird derzeit nicht stattfinden. Wir kennen die aktuelle politische Lage. Iberia hat den Flugverkehr eingestellt, Rückflüge sind nicht möglich", sagte der sächsische Integrationsbeauftragte Martin Modschiedler (CDU) jetzt gegenüber MDR SACHSEN.
Integrationsbeauftragter: "Das sind Fachkräfte"
Modschiedler betonte, dass sich die Flüchtlinge aus dem südamerikanischen Land gut in Sachsen integrieren. Das schnelle Erlernen der Sprache sei dabei das A und O. Die Venezolaner, die hierherkommen, "sind gebildete Menschen. Das sind Fachkräfte", so der Experte. Besonders gefragt seien die Flüchtlinge im Gesundheits- und Pflegebereich, wo der Anteil bei 30 bis 40 Prozent liege.
Bereits jetzt seien etwa 20 Prozent der Venezolaner in Arbeit, vor allem in qualifizierten Berufen, erklärte der Integrationsbeauftragte. Die Beschäftigungsquote der Venezolaner habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. "Wenn auf beiden Seiten der Wille zur Integration da ist, kann das schnell und erfolgreich werden – in der Regel innerhalb von ein bis zwei Jahren", so Modschiedler in dem Gespräch.
Modschiedler warnte zudem vor den Folgen des Fachkräftemangels: "Wir brauchen Fachkräfte in Sachsen, die auch in Sachsen bleiben. Ich bin einer aus der Boomer‑Generation und werde irgendwann Pflege beanspruchen. Das können wir nicht allein in Deutschland regeln." Integration fördere nicht nur den sozialen Zusammenhalt, sondern sichere die zukünftige Versorgung der Menschen in Deutschland.
Wie sich das militärische Eingreifen der USA in die venezolanische Innenpolitik auf die Fluchtbewegung nach Deutschland auswirken wird, ist noch unklar. Aufschluss könnten neue Zahlen Ende Januar geben.