Die Kochler Heimatbühne steht vor großen Herausforderungen. Brandschutzprobleme erfordern sofortige Maßnahmen. Die weiteren Schritte wurden nun im Gemeinderat diskutiert.
Kochel am See – Wie geht es mit der Kochler Heimatbühne weiter? Um diese Frage drehte sich am Montag die Gemeinderatssitzung und um eine Grundsatzentscheidung: Soll die Gemeinde rund 80 000 Euro in den Brandschutz investieren, um den Saal wieder in vollem Umfang nutzen zu können? Oder sollte man sich dieses Geld lieber sparen, weil in einigen Jahren ohnehin eine Generalsanierung oder sogar ein Abbruch samt Neubau in Angriff genommen werden muss?
Seit Anfang 2024 nur eingeschränkt nutzbar
Die Heimatbühne kann seit Anfang 2024 nur eingeschränkt genutzt werden, weil das Landratsamt auf Probleme mit dem Brandschutz aufmerksam gemacht hatte. Nach einer kurzzeitigen Komplettsperrung ist das Gebäude derzeit nur für Veranstaltungen bis zu 200 Personen nutzbar. Über Sondergenehmigungen sind fünf größere Veranstaltungen pro Jahr möglich. Allerdings wurden diese Sondergenehmigungen auch nur deshalb erteilt, weil die Gemeinde zugesichert habe, dass man nachbessern werde, sagte Bürgermeister Jens Müller (UWK).
Abriss und Neubau wären eine Option
Tatsächlich gibt es mittlerweile ein Konzept, wie der Brandschutz in dem aus dem Jahr 1936 stammenden Gebäude ertüchtigt werden kann (wir berichteten). Rund 80 000 Euro müsste die Gemeinde unter anderem in die Lüftung, eine neue Brandschutztür zwischen Foyer und Saal und eine neue Decke im Tafel-Keller investieren. Damit sei die Heimatbühne aber nicht saniert, betonte Müller. Vielmehr müsste man sich in den kommenden Jahren eindringlich Gedanken machen, wie die Zukunft des Gebäudes aussehen, wie der erhebliche Sanierungsstau aufgelöst werden soll. Auch Abriss und Neubau seien eine Option. Die Kosten dürften in jedem Fall beträchtlich sein. „Vielleicht hilft uns aber die Städtebauförderung“, so Müller. So oder so, wären die 80 000 Euro, die man jetzt in die Heimatbühne stecke, dann verloren.
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„Wir brauchen erst einmal eine Aussage, was eine Sanierung und was ein Neubau kostet“, sagte Johann Resenberger (CSU). Eduard Pfleger (Junge Liste) war generell „total gegen einen Abriss“ – auch, weil „sich die Gemeinde einen Neubau in den nächsten 10, 15 Jahren nicht leisten kann“. Er plädierte eher dafür, „das Gebäude in Etappen zu sanieren“. Das sei schwer möglich, antwortete Müller. „Vieles geht nicht hintereinander. Wenn wir das Dach sanieren, müssen wir auch die Lüftung machen.“ Dass das nicht günstig werde, sei ihm klar. Die Liste der Maßnahmen ist lang und reicht von der Heizung bis zur Elektrotechnik. „Aus dem Jahr 2023 gibt es eine grobe Kostenschätzung, die von 12 Millionen Euro ausgeht.“
Gemeinderäte wollen Klarheit über Kosten
Für Markus Greiner (Junge Liste) „steht über allem, dass wir erst einmal wissen müssen, was wir wollen und was wir brauchen“, sagte er mit Blick auf mögliche Nutzungen. Um das herauszufinden, plädierte Klaus Barthel (SPD) für eine umfassende Bürgerbeteiligung. Gerade wenn man auf Mittel aus der Städtebauförderung hoffe, sei das zwingend notwendig. Generell sei er aber froh, „dass dieses heiße Eisen endlich angefasst wird. Wir müssen da weiterkommen.“ Zweiter Bürgermeister Thomas Eberl (UWK) sah die von Barthel angeregte Reihenfolge skeptisch. „Wir müssen erst die Kosten betrachten. Auch die Bürger werden doch wissen wollen, was das kostet.“
Zunächst beschloss der Gemeinderat nun aber erst einmal, 80 000 Euro zu investieren, um die Heimatbühne wieder in vollem Umfang nutzen zu können. Dagegen stimmte nur Barthel, „weil ich nicht glaube, dass der Betrag reichen wird“. Zudem bekräftigte das Gremium seine Beschlüsse aus den vergangenen Jahren, dass man die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung sieht und deren Umsetzung nun „prioritär“ zu erfolgen hat.
Fachplaner soll Varianten prüfen
Gesucht wird jetzt ein geeigneter Fachplaner, der die Varianten Generalsanierung des Bestands, Neubau am bestehenden Standort sowie Neubau an einem alternativen Standort „ergebnisoffen“ untersuchen wird. In einem ersten Schritt soll unter anderem ein detailliertes Nutzungskonzept erstellt werden – in enger Zusammenarbeit mit den nutzenden Vereinen, der Tourist-Info oder auch den zuständigen Referenten.
Auch die Bürgerbeteiligung findet in diesem Punkt Berücksichtigung. Am Ende soll es einen Variantenvergleich geben, auf dessen Grundlage dann der Gemeinderat entscheiden muss. Hier stimmten nur Pfleger und Greiner dagegen. „Ich bin nicht gegen das Projekt, nur gegen den Weg“, sagte Greiner.
Der Beschluss umfasste noch einen weiteren Punkt, zu dem es ein einstimmiges Votum gab. So soll gemeinsam mit den Vereinen ein tragfähiges Übergangskonzept für die Nutzung der Heimatbühne ohne festen Wirt erarbeitet werden, bis ein Pächter gefunden ist. Der Vertrag mit dem aktuellen Pächter ist Ende September ausgelaufen. Es könnte aber sein, dass das Übergangskonzept gar nicht mehr gebraucht wird, sagte Müller. „Ich hoffe, dass sich der Punkt mit einer Information im nicht öffentlichen Teil heute erledigt hat.“ Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Müller, dass sich das Gremium später am Abend für einen von zwei Bewerbern entschieden hat.