Der Streit um Grönland eskaliert: Donald Trump wiederholt seinen Anspruch auf die Insel und fordert die NATO auf, den Weg freizumachen.
Washington, D.C. – Kurz vor den Gesprächen zwischen Dänemark und den USA im Weißen Haus hat US-Präsident Donald Trump seinen Anspruch auf Grönland bekräftigt. „Alles andere ist inakzeptabel“, schrieb Trump auf seinem Sprachrohr Truth Social. Die NATO-Mitgliedschaft des zum Königreich Dänemark gehörenden Territoriums im Nordatlantik sei kein ausreichender Schutz für Grönland, behauptete der US-Präsident.
Damit wischte er auch einen Vorstoß der Europäer zur Verstärkung der NATO-Präsenz in der Arktis vom Tisch, mit dem unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) versucht hatte, den Streit zu entschärfen.
Trump verlangt NATO-Zustimmung: Allianz soll Weg für Insel-Übernahme freimachen
„Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland zum Zweck der nationalen Sicherheit“, so Trump. Es sei elementar für den Aufbau der geplanten Raketenabwehr Golden Dome. Die NATO solle daher den Weg für eine US-Übernahme der Insel „ebnen“, so Trump weiter. In Versalien schrieb er: „WENN WIR ES NICHT TUN, WERDEN ES RUSSLAND ODER CHINA MACHEN, UND DAS WIRD NICHT PASSIEREN!“
Die NATO könne nur dank der USA eine wirksame Abschreckung entfalten, schrieb Donald Trump und fügte hinzu, das sei sein Verdienst durch die Stärkung des US-Militärs während seiner ersten Amtszeit. Die NATO werde weitaus beeindruckender und effektiver mit Grönland in den Händen der USA sein, so der Republikaner weiter.
Teilnahme von Trumps Vize Vance an Grönland-Gesprächen weckt Sorge
Der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen und die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt werden noch heute (16.30 Uhr MEZ) im Weißen Haus zu den Grönland-Gesprächen erwartet.
Die Regierungen von Dänemark und Grönland hatten zuvor deutlich gemacht, dass ein Verkauf oder eine Annexion des Territoriums durch die USA inakzeptabel sind. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende der NATO, sollte die US-Regierung ihre Ankündigungen wahrmachen.
Zu dem ursprünglich als Außenministertreffen geplanten Gespräch mit US-Chefdiplomat Marco Rubio meldete sich kurzfristig auch US-Vizepräsident JD Vance an. Das weckte Sorge vor einer konfrontativen Begegnung. Vance gilt als Hardliner, der im vergangenen Februar bei einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj maßgeblich zur Eskalation des Gesprächs beigetragen hatte.
Europa wegen Grönland in Sorge: Pistorius nimmt die USA in die Pflicht
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte zuvor die US-Pläne zu einer Übernahme Grönlands kritisiert und vor den möglichen Folgen für die NATO gewarnt. Er teile zwar die Einschätzung, wonach die „dominante Rolle Russlands“ in der Arktis sowie die „schnell wachsende chinesische Marine“ die Sicherheit im Nordatlantik gefährde, schrieb Pistorius in einem Gastbeitrag für die Zeit. „Eine nachhaltige Antwort kann für Washington jedoch nicht darin bestehen, Grönland unter gravierender Verletzung der Grundprinzipien des internationalen Miteinanders zu annektieren“, betonte der Minister.
Zudem hatten sich zwei Drittel der Deutschen für einen militärischen Beistand durch die Bundeswehr ausgesprochen, sollte Dänemark wegen einer US-Intervention den NATO-Bündnisfall ausrufen.
Von der Leyen und Macron stellen sich hinter Grönland – Warnung vor „Kettenreaktion“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte dem US-Anspruch auf die riesige Insel ebenfalls eine Absage erteilt. „Grönland gehört seinem Volk“, sagte von der Leyen am Mittwoch in Brüssel. Nur Dänemark und Grönland könnten über Dinge entscheiden, die Dänemark und Grönland beträfen, betonte sie.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat derweil vor einer „Kettenreaktion“ gewarnt. „Sollte die Souveränität eines europäischen und verbündeten Landes beeinträchtigt werden, wären die Kettenreaktionen beispiellos“, sagte Macron nach Angaben von Regierungssprecherin Maud Bregeon am Mittwoch während einer Kabinettssitzung. Frankreich verfolge die Lage mit größter Aufmerksamkeit und handle „in voller Solidarität mit Dänemark und dessen Souveränität“, fügte er demnach hinzu. (Quellen: Truth Social, dpa, AFP) (nak)