Augenzeugen über gewaltigen Gletschersturz in den Alpen: „In Sekunden war die ganze Heimat kaputt“

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Gletscherkatastrophe in der Schweiz: Gewaltige Eis- und Geröllmassen begraben ein ganzes Dorf. Einwohner stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.

Blatten – Es war der Albtraum aller Bergbewohner: Am Mittwochnachmittag (28. Mai) donnerten drei Millionen Kubikmeter Eis und Geröll ins Walliser Lötschental und begruben große Teile des Schweizer Bergdorfes Blatten unter sich. Etwa 90 Prozent des Dorfes sind verschüttet worden. Für die rund 300 Einwohner der Gemeinde bedeutet das: Viele haben ihre Existenz verloren.

Anwohner nach Gletscherkatastrophe in der Schweiz: „Bin sicher, dass nichts mehr da ist“

„Etwas Unvorstellbares, in ein paar Sekunden war die ganze Heimat kaputt“, schilderte ein Augenzeuge der Schweizer Boulevardzeitung 20 Minuten. „Es sah so aus wie auf dem Mond. Ich bin sicher, dass nichts mehr da ist.“ Hof und Haus der Familie sind einfach verschwunden unter meterhohem Schutt und Eis. Dem Schweizerischen Erdbebendienst zufolge wurde die Erde mit einer Stärke von 3,1 erschüttert. Ein Video zeigt das Ausmaß der Zerstörung.

Ein Großteil des Dorfes wurde bei dem Gletschersturz zerstört. Häuser, die noch stehen, wurden überflutet. „Es war ein massiver Abbruch, der sicher bis ins Dorf gekommen ist. Ich habe die Druckwelle am gegenüberliegenden Hang auf der anderen Seite gut gespürt“, zitierte die Zeitung einen weiteren Augenzeugen.

„Die Lonza macht mir Sorgen“, räumte Campingplatz-Inhaber Ton Franken gegenüber Blick ein. Das Flussbett ist verstopft. Durch die Geröllmassen hat sich ein meterhoher Damm aufgetürmt. Deshalb bahnt sich bereits die nächste Katastrophe in den Schweizer Alpen an. „Der Campingplatz liegt direkt am Fluss, könnte überschwemmt werden“, befürchtete er.

Alpen-Dorf nach Bergsturz zu 90 Prozent zerstört: Politiker spricht von „Jahrhundertkatastrophe“

Im Lötschental ist das schlimmste erdenkliche Szenario Wirklichkeit geworden. „Es ist ein Ereignis, das das Tal seit Beginn der Geschichtsschreibung nie erlebt hat“, sagte Abgeordnete Beat Rieder aus der Nachbargemeinde Wiler im Schweizer Fernsehen. Er sprach von einer „Jahrhundertkatastrophe“. Und weiter: „Die Leute haben alles verloren, was man sein ganzes Leben aufgebaut hat.“

Teile des Alpen-Dorfes Blatten wurde unter einer Gerölllawine begraben.
Teile des Alpen-Dorfes Blatten wurde unter einer Gerölllawine begraben. © Fabrice Coffrini/AFP

Angaben über Verletzte gibt es bislang nicht. Die Bewohner von Blatten wurden bereits in der vergangenen Woche evakuiert. Laut der Kantonspolizei Wallis wird jedoch ein 64-jähriger Einheimischer vermisst. Er soll sich zum Zeitpunkt des Bergsturzes im betroffenen Gebiet aufgehalten haben.

Hilfe nach Gletschersturz für Alpen-Dorf in der Schweiz zugesichert

Die Hilfe läuft bereits: Caritas und das Schweizerische Rote Kreuz haben 400.000 Franken für die Betroffenen bereitgestellt, berichtete Blick. Auch die Patenschaft für Berggemeinden stellt eine Million Franken bereit. Die Bundesräte Albert Rösti und Martin Pfister sicherten dem Alpen-Ort bei einer Pressekonferenz am Mittwoch (28. Mai) Hilfe zu.

Trotz allen Leids gibt Blattens Gemeindepräsident Matthias Bellwald nicht auf: „Blatten liegt unter einem Schuttkegel. Wir zusammen werden das Menschenmögliche machen, das Dorf wieder aufzubauen, damit das Dorf eine Zukunft hat. Zusammen sind wir stark“, sagte er laut NZZ. (kas/dpa)

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