„Können wir nicht kontrollieren“: Nach Gletschersturz droht nächste Katastrophe in den Alpen

  1. Startseite
  2. Welt

Kommentare

Ein Gletscher in den Schweizer Alpen donnerte ins Tal und riss alles mit sich – das Bergdorf Blatten wurde verschüttet. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Blatten – Im Schweizer Lötschental herrscht Ausnahmezustand. Was Experten seit Tagen befürchtet hatten, ist am Mittwochnachmittag (28. Mai) eingetreten: Der Birchgletscher am Kleinen Nesthorn brach ab und stürzte ins Tal. Eine gigantische Lawine aus Eis, Fels und Geröll donnerte mit zerstörerischer Kraft auf das idyllische Bergdorf Blatten. „Wir haben das Dorf verloren“, sagte der sichtlich erschütterte Gemeindepräsident Matthias Bellwald auf einer Pressekonferenz.

Fast gesamtes Alpen-Dorf nach Bergssturz in der Schweiz verschüttet

Die Zahlen sind erschreckend: Drei Millionen Kubikmeter Gestein und Eis haben das Dorf unter sich begraben. „Das Ausmaß ist enorm“, heißt es seitens der Gemeinde. Etwa 90 Prozent des Alpen-Dorfes sind verschüttet worden. Die rund 300 Bewohner von Blatten, die vorige Woche bereits evakuiert wurden, stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Eine Person wird noch vermisst.

Entwarnung gibt es für die Alpen-Region allerdings noch nicht. Denn mit dem Gletschersturz bahnt sich bereits die nächste Katastrophe an. Der Fluss Lonza hat sich durch die meterhohen Schuttmassen zu einem Damm aufgetürmt. Das Gestein- und Eisgemisch erstreckt sich auf eine Länge von zwei Kilometern und eine Breite von 200 Metern. Behördenangaben zufolge wurden die wenigen Häuser, die nicht verschüttet wurden, bereits überflutet. Ein Video zeigt das Ausmaß der Zerstörung nach dem Gletschersturz.

Nach Gletschersturz in der Schweiz: Experten befürchten Kettenreaktion

Dem Geologen Flavio Anselmetti von der Universität Bern zufolge droht eine Kettenreaktion. Der Fluss staue sich hinter dem Damm. „Das Schlimmste wäre, dass sich Wasser aufstaut bis zur Krone des Bergsturzdammes“, sagte Anselmetti dem Schweizer Radiosender SRF. So könnte sich der Lonza durch die Geröllmassen einschneiden.

Die Folge laut dem Experten: Teile des Damms könnten kollabieren. „Dann könnten sehr starke Flutwellen oder Murgänge von diesem Seeausbruch für die Gemeinden, die im unteren Tal liegen, drohen“, so Anselmetti. Deshalb wurden sicherheitshalber zum Teil weitere Gemeinden evakuiert. 16 Bewohner aus Wiler und Kippel, die in Flussnähe leben, mussten ihre Häuser verlassen. „Die Lonza wird einen Weg da durchfinden, das können wir nicht kontrollieren“, räumte der örtliche Geologe Raphaël Mayoraz beim SRF ein. Es gebe aber einen Notfallplan. (kas/dpa)

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/koennen-wir-nicht-kontrollieren-nach-gletschersturz-droht-naechste-katastrophe-in-den-alpen-93759397.html