Eliot the Super kehrt in seine alte Heimat zurück: Er tritt erstmals in Baierbrunn auf. Der Verein Mittendrin weiht am Freitag, 19. September, seine neuen Räume mit Hiphop-Größen ein.
Baierbrunn - Der umtriebige Verein Mittendrin in Baierbrunn weiht am kommenden Freitag, 19. September, neue Räume in der Gemeinde ein. Das Programm ist besonders, mehrere Rappergrößen aus München und Umgebung haben ihr Kommen zugesagt. Einer ist Eliot the Super, ein „Hiphop-Urgestein“, wie er sich selbst auf seiner Webseite nennt, gleichzeitig auch eine „Streetart-Legende“. Er ist in Schäftlarn aufgewachsen, und es ist das erste Mal, dass er in der alten Heimat, wie man so sagt, auf der Bühne steht.
Rhythmusgeräusche mit dem Mund
„Ich hoffe“, meint er ein paar Tage vor dem Event am Telefon, „dass bei dem Ganzen eine Art Jam-Charakter entsteht“. Mit ihm wurden die Musiker Weeh 78 und die Formation Doppel D gebucht. Eliot, der eigentlich Markus Henning heißt, wird als Beatboxer auftreten, als einer also, der Rhythmusgeräusche mit dem Mund macht.
Er ist Jahrgang 1972, er wuchs in Neufahrn auf, die Eltern, die aus Österreich kommen, meint er, sind beide künstlerisch interessiert und auch begabt. „Die Offenheit war immer da, das ist wichtig“, sagt er.
Begabung für Graffitikunst
Sie erlaubten ihm, das Abitur sausen zu lassen, er machte, inzwischen wohnten sie in Gröbenzell, die Mittlere Reife und besuchte dann eine private Grafikschule. Er hatte aber längst gemerkt, dass er eine Begabung für Graffitikunst hat, er hatte auch schon den einen oder anderen Auftrag bekommen, er hatte mit Graffiti dann jeweils an einem Nachmittag „doppelt soviel verdient wie die Mitschüler, die Zeitungen austrugen, das war ein Schlüsselerlebnis“. In Icking auf dem Gymnasium hatten er und seine Freunde die Toiletten mit Kunstwerken aus der Spühdose versehen, „wir mussten in den Ferien alles wieder beseitigen“.
„Ich gehöre“, meint er, der inzwischen zwischen Augsburg und Ulm wohnt und dort auch sein Atelier hat, „zu den Pionieren des deutschsprachigen Hiphop“. Er fing an, sein Taschengeld aufzubessern, indem er T-Shirts mit Airbrush gestaltete. „Wir hatten kein wirkliches Fernsehen, die Bewegung hat davon gelebt, dass man selbst was macht.“
Sprühdosen für 50 000 Mark
Eliot ist einer, der gern erzählt, der auch gern ausführlich erzählt, er sagt: „Ich versuch‘s, kurz zu machen, aber es ist halt viel Thematik.“ Es siegt, wenn man sich mit ihm unterhält, in der Regel die Thematik. Um es kurz zu machen: Er war dabei, als in München gegenüber vom Feierwerk 900 Quadratmeter Bauzaun von 180 Street-Art-Künstlern und -Künstlerinnen gestaltet worden sind, „wir durften für gut 50 000 Mark Sprühdosen kaufen“. Er konzipierte erste CD-Roms, als die rauskamen, auch eine für den renommierten Prestel-Verlag. „Ich war immer schon ein kommunikativer Kerl.“
Immer wieder auf Tour
Er hat sich in allen möglichen Richtungen ausprobiert, entwickelte mal Computerspiele, dann befasste er sich mit Animationstechniken im Film, in der „goldenen Hiphop-Zeit“ ging er immer wieder auf Tour. Auch eine Beatbox-Platte hat er produziert. Bis er irgendwann beschloss: dass die freie Kunst „meine Möglichkeit ist, mein Leben zu gestalten, ohne dass ich beständig gegen Mauern laufe“. Er verstand schnell, wie der Kunstmarkt funktioniert, er beschloss, erstmal ohne Galeristen auszukommen und sich selbst zu vermarkten. Und dann erfand er für sich eine eigene Bildsprache – und fing an, die ersten Arbeiten zu konzipieren, auf denen tropfende Eiscreme zu sehen ist. Es sind gesprayte Arbeiten, für die er aber Schablonen erstellt. Was ja heißt: dass er Motive vervielfältigen kann. Er nutzt Neonfarben. Er machte, wozu Andy Warhol den Künstler an sich ermuntert hatte: „Male, was du magst.“
Einweihungsfeier
und Ausstellung
Die Einweihungsfeier im Baierbrunner Luvre beginnt am Freitag, 19. September, um 19 Uhr, die Räume sind im alten Bahnhof der Gemeinde am Wirthsfeld. Arbeiten von Eliot the Super sind vom 17. bis zum 26. Oktober auch in München zu sehen in einer PopUp Galerie im Kunstlabor, Dachauer Straße 90. Die Vernissage ist am Freitag, 17. Oktober, ab 18 Uhr.
Vom Motiv Eiscreme hat er sich längst entfernt, aber ein Markenzeichen seiner Kunst sind die „Drips“, seine Motive tropfen alle. Irgendwie, irgendwo. Egal, ob es ein alter Plattenspieler ist, den er abbildet, ein Joystick, ein Ghettoblaster, eine Musikkassette. „Die Emotionalität zu den Motiven“ sei groß, bei ihm wie bei seinen Kunden.
Eliot ist deutschlandweit etabliert, er hat aber auch eine Galerie in Chicago, die ihn vertritt. Musik spielt in seinem künstlerischen Schaffen keine allzu große Rolle mehr, umso mehr freut es ihn, jetzt mal wieder als Musiker auftreten zu dürfen. „Wir zelebrieren die alten Zeiten“, kündigt er an. Man darf sich drauf freuen.