Der Heimatverein Unterföhring hat einen Tag zur Aktion „Schule“ für Jung und Alt veranstaltet.
Dieser Augenblick, mit Schultüte voll von Süßigkeiten im Arm, die Eltern stolz wie Bolle, und Frau Lösekrug – oder war das Frau Schöber –, die vorn im Klassenzimmer fröhlich lächelnd einen Schüler nach dem anderen begrüßt, bleibt unvergesslich.
Im Feringer Sach hat der Heimatverein Unterföhring kürzlich für einen Tag zur Aktion „Schule“ geladen. Das Ende der großen Ferien vor Augen, sollten Besucher erleben dürfen, wie Schule früher war. Im Heimatmuseum ließen Vorsitzende Birgit Kullmann und ihr Team einen Klassenraum aus der Zeit um 1960 bis 1975 auferstehen, also der Zeit der Großeltern heutiger Grundschüler. Insbesondere Erstklässler waren eingeladen, an einem der Schulbänke Platz zu nehmen, gern mit Oma und Opa an ihrer Seite.
Für die Großeltern bedeutet dieser Tag eine Reise zurück zu dem Moment ihrer Einschulung. Auf Anhieb wähnten sich viele Besucher in einem Klassenzimmer ihrer Kindheit: Dierckes Weltatlas, ein leuchtender Globus, ein Schulranzen aus Leder, eine Fibel und an der Wand hinterm Lehrertisch eine Tafel. Das fiese Geräusch der Kreide lässt einem die Haare zu Berge stehen. Alles in dem Raum ist echt. Schulbänke und Bücher sind eine Spende der hiesigen Grundschule. Man möchte meinen, auf den Holztisch hätte jemand eine Liebesbotschaft geritzt, ein Herz vielleicht mit den Initialen der Liebsten und den eigenen dazu. „Auf das Fach darunter kommt es an“, sagt Viktor Kullmann. Seit seiner Pensionierung steht er seiner Frau im Heimatverein zur Seite. Heute aber ist er noch mal Erstklässler, der sich erinnert, dass sich mithilfe der Fächer unter dem Tisch bei Klassenarbeiten prima spicken ließ.
Die kleine Sofia (6) hat in der letzten Reihe Platz genommen. Das Mädchen kann es kaum erwarten, eingeschult zu werden. Nächstes Jahr – endlich! Teil der Szenerie im Feringer Sach zu sein, lässt sie diesen Moment noch ein wenig intensiver spüren. Unterdessen ist Oma Renate in ihrem eigenen Traum unterwegs. 1965 eingeschult, fühlt sie sich in dem Klassenzimmer zurück in die Kindheit versetzt.
Neben der Tafel im Klassenzimmer des Heimatvereins lehnt ein Maßstab aus Holz, 80 Zentimeter lang, gut Daumen dick. Der ein oder andere unter den älteren Semestern hat nicht vergessen, in welcher Weise diese Art Stock in jenen Zeiten zweckentfremdet wurde. Es waren andere Zeiten damals. Mit solcherlei Pein muss Konstantin (6) sich heutzutage nicht herumplagen. Eine Woche noch, dann ist es so weit. Mit prall gefüllter Schultüte darf er dann endlich Platz nehmen im neuen Klassenzimmer. Bis dahin tut es das Szenario im Feringer Sach beinah genauso gut. Oma Barbara hat von dem Aktionstag gehört. Mit dem Enkel gemeinsam auf Reise zu gehen, davon hat sie schon lange geträumt. Auch wenn es zurück in die eigene Kindheit geht.